Rheinische Post: Kommentar / „Schreiben nach Gehör“ komplett abschaffen = VON KIRSTEN BIALDIGA

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Schon länger ist die Rechtschreibmethode
„Schreiben nach Gehör“ ein Ärgernis. Zu eklatant sind bei vielen
Viertklässlern die orthografischen Schwächen. Doch auch unter Lehrern
macht sich zunehmend ein Unbehagen breit, das durch die Studie der
Universität Bonn jetzt ein wissenschaftliches Fundament erhalten hat.
Es ist daher zu begrüßen, dass Nordrhein-Westfalens Schulministerin
Yvonne Gebauer die Methode künftig auf das erste Schuljahr begrenzen
will. Konsequenter wäre es aber, wenn die FDP-Politikerin diese
Methode gleich ganz abschaffen würde – wie es etwa in
Schleswig-Holstein, Hamburg oder Baden-Württemberg schon geschehen
ist. Wenn sich eine pädagogische Methode als untauglich erwiesen hat,
sollte mit ihr auch nicht länger experimentiert werden – auch nicht
im ersten Schuljahr. Warum sollte es selbst jungen Schülern nicht
zuzumuten sein, dass Lehrer ihre Fehler korrigieren, wenn sie dies in
einfühlsamer Weise tun? Beim Lernen des Einmaleins werden ja auch
nicht mehrere richtige Lösungen toleriert. Die Großzügigkeit im
ersten Jahr könnte sogar später zu noch größerer Frustration führen.
Nämlich dann, wenn eine korrekte Rechtschreibung auf einmal
vorausgesetzt wird.

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