Schwäbische Zeitung: Betonköpfe haben ausgedient – Leitartikel

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Eigentlich unglaublich: Ein kleiner Küstenstrich
in der Levante steht seit 1948 ständig ganz oben auf der
weltpolitischen Tagesordnung. Damals konnten Juden dort ihren Staat
gründen, während den Palästinensern genau dies nicht gelang. Sie
gehörten zu den Verlierern des ersten Nahostkrieges. Auch später ist
ihnen nicht viel geglückt. Nun soll der Erfolg durch das Erzwingen
eines eigenen Staates im Rahmen der UN kommen. Seit Jahren arbeiten
die Palästinenser darauf hin, während sich Israel sperrt. Längst
zeigt sich alle Welt genervt – vor allem, weil es in diesem
Dauerkonflikt eher Rück- als Fortschritte gab.

Vor einem Jahrzehnt war der inzwischen verstorbene
Palästinenserchef Jassir Arafat einer Staatsgründung schon recht nahe
gekommen. Israels damaliger Regierungschef Ehud Barak bot ihm den
kompletten Gaza-Streifen und über 90 Prozent des Westjordanlandes an.
Arafat wollte mehr, speziell Alt-Jerusalem mit dem Tempelberg. Am
Schluss hielt er nichts in den Händen. Bald darauf gewann die
fanatische Hamas zunehmend Einfluss. Heute ist das potenzielle
Palästinenserland völlig zerrissen. Intern wegen diverser
Machtkämpfe, geografisch durch die vielen jüdischen Siedlungen.
Wirtschaftlich läuft nichts. Nur die Bevölkerung nimmt rapide zu.
Dies schafft neue Probleme, die selbst etablierten Staaten zusetzen
würden.

Dennoch brauchen die Palästinenser ihre Chance. Nur so können sie
das Gefühl bekommen, nicht auf alle Ewigkeit die Kellerkinder des
Nahen Ostens zu sein. In der wirklichen Welt wird sich dagegen nichts
ändern: Die Palästinenser hingen am Tropf der internationalen
Gemeinschaft. Sie werden auch künftig nicht davon loskommen. Den
Israelis geht es übrigens ähnlich. Ohne ständige Finanzhilfen aus der
EU und den USA wäre das Land pleite. Das Geld könnte ein Hebel sein,
um der widerstrebenden Regierung Netanjahu ein Entgegenkommen
nahezulegen. Vor dem Hintergrund des Wandels in der arabischen Welt
passt eine israelische Betonkopfhaltung überhaupt nicht mehr in die
Region.

Pressekontakt:
Schwäbische Zeitung
Redaktion
Telefon: 07561-80 100
redaktion@schwaebische-zeitung.de

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