Skandal: Extreme Missstände in Oldenburger Rinderschlachthof waren den Behörden schon seit Jahren bekannt

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Berlin/Oldenburg, 27.11.2018. Wie jetzt erst öffentlich bekannt wurde, waren die Verstöße gegen das Tierschutzgesetz und die extremen Missstände in dem Skandal-Schlachthof in Oldenburg bereits seit Jahren bekannt. In einer Sitzung des Oldenburger Stadtrates bestätigte der Leiter des Veterinäramtes, Dr. Paul Morthorst, dass bereits 2007 und 2010 anonyme Hinweise diesbezüglich eingingen. Darüber hinaus hätte es bei Kontrollen im März, Mai, Juni und sogar im September 2018 massive Missstände und Verstöße gegeben. Im November 2011 erhielt der Schlachthofbetreiber eine Ordnungsverfügung der Stadt wegen baulicher, hygienischer und tierschutzrechtlicher Defizite, der eine Zwangsgeldfestsetzung von insgesamt über 44.000 Euro bis Dezember 2017 folgte. Der Verwaltungsvorlage ist zu entnehmen, dass den auf dem Videomaterial zu sehenden Betriebsleitern die tierschutzrechtliche Sachkunde am 5. November aberkannt worden wäre. Das Deutsche Tierschutzbüro sieht darin einen erneuten Beweis, dass Zustände wie in Oldenburg traurige Normalität sind und die zuständigen Behörden und Ämter ihrer Pflicht zum Tierschutz nicht ansatzweise nachkommen. „Es kann und darf nicht sein, dass die extremen Missstände sogar seit Jahren bekannt waren und trotzdem nicht gehandelt wurde.Es ist schon als skandalös zu bezeichnen, dass das Veterinäramt erst jetzt Missstände aus der Vergangenheit einräumt“ , so Jan Peifer, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Tierschutzbüros.

Die Tierrechtsorganisation sieht sich in diesen Vorfällen gestärkt, dass der Schlachthof endgültig geschlossen werden muss und kündigt für den 8. Dezember um 12.00 Uhr eine Demonstration vor dem Schlachtbetrieb an.

Anfang November hatte das Deutsche Tierschutzbüro Bildmaterial, das Tierquälerei im Schlachthof Oldenburg dokumentiert, der Staatsanwaltschaft Oldenburg, dem zuständigen Veterinäramt Oldenburg und dem Landwirtschaftsministerium in Hannover überreicht. Die Bilder zeigen Fälle von extremen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz und Straftaten im angezeigten Schlachthof. Der Schlachthof selbst bestätigte daraufhin im Grunde die Vorwürfe. Die Bildaufnahmen sind mit versteckten Kameras in dem Zeitraum September und Oktober 2018 entstanden und umfassen über 600 Stunden Videomaterial. Kurz darauf hatte das Schlachthof- Unternehmen verkündet, den Betrieb ab sofort ruhen zu lassen und reagierte damit auf den enormen öffentlichen Druck, der durch die Veröffentlichung des Bildmaterials durch das Deutsche Tierschutzbüro entstanden war. Für zusätzliches Aufsehen sorgte, dass auf dem Material auch Amtsveterinäre zu sehen war, was die Stadt Oldenburg auch kurz nach der Veröffentlichung bestätigte. „Die Aufnahmen zeigen so viele extreme Verstöße, die scheinbar über Jahre schon Normalität in dem Betrieb waren. Wie man auch jetzt erneut sehen kann, ist der Skandal noch lange nicht komplett aufgedeckt und wird scheinbar immer größer“, so Peifer.

Eine sehr enge Kooperation des Schlachthofs bestand seit 2017 mit der Böseler Goldschmaus GmbH, die selbst zu den größten Betrieben für die Produktion und den Vertrieb von Wurst- und Fleischwaren zählt. Diese bezog ihr Rindfleisch von der Standard-Fleisch GmbH & Co. KG, um es dann weiterzuverbreiten. Die Meldung von Goldschmaus, den Schlachthof nicht mehr mit Schlachtungen zu beauftragen, führte vermutlich zur Stilllegung des Betriebs. Viele Handelspartner von Goldschmaus, wie z.B. Frosta, Norma, die Bünting-Gruppe, die Supermarktkette HIT aus Nordrhein-Westfalen, EDEKA, ALDI, Lidl und Norma hatten schockiert auf die Bilder reagiert und noch in der letzten Woche die Zusammenarbeit und Lieferbeziehungen beendet. Auch die Möbelhauskette IKEA, die einen Teil ihrer Hot Dog-Würstchen von Goldschmaus bezog, distanzierte sich nach Bekanntmachung der Geschäftsbeziehungen öffentlich.

Weitere Informationen zur geplanten Demonstration finden Sie hier: http://www.tierschutzbuero.de/realitaet-schlachthof/oldenburg-demo

Weitere Informationen zur Recherche finden Sie unter: www.tierschutzbuero.de/realitaet-schlachthof

Bildmaterial aus dem Schlachthaus auf Anfrage.

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