Spitzengespräch der Kultusministerkonferenz mit der Deutschen Bischofskonferenz und dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland

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Spitzengespräch der Kultusministerkonferenz mit
der Deutschen Bischofskonferenz und dem Rat der Evangelischen Kirche
in Deutschland

Aktuelle Schul- und Hochschulthemen hat die
Kultusministerkonferenz (KMK) mit den Vorsitzenden der Deutschen
Bischofskonferenz und des Rates der Evangelischen Kirche in
Deutschland (EKD) sowie weiteren Vertretern besprochen. Das Gespräch
fand am 7. Juni 2019 im Rahmen der 366. Plenarsitzung der
Kultusministerkonferenz in Wiesbaden statt.

Zentrale Inhalte im ersten Teil des Gesprächs waren der
Religionsunterricht, die Förderung der Schulen in kirchlicher
Trägerschaft und der Umgang mit religiöser Pluralität im Schulleben.
Die Gesprächsteilnehmer würdigten die Bedeutung des
Religionsunterrichts in einer religiös und weltanschaulich pluralen
Schule und Gesellschaft und bekräftigten ihre gemeinsame
Verantwortung für das Fach. „Wir schätzen das Engagement der Kirchen
für den Religionsunterricht und sehen uns in der Pflicht, dafür zu
sorgen, dass das Fach auch entsprechend der Stundentafel erteilt
wird“, resümierte der Präsident der KMK, Hessens Kultusminister Prof.
Dr. R. Alexander Lorz.

„Die Bewältigung der mit der religiösen und weltanschaulichen
Vielfalt verbundenen Aufgaben reicht über den Religionsunterricht
hinaus“, erklärte der Ratsvorsitzende der EKD, Landesbischof Dr.
Heinrich Bedford-Strohm, und fügte hinzu: „Sie berührt immer auch die
Fragen und Formen gelebter Religion im Schulleben, in der
Schulentwicklung und im Schulprofil. In diesem Zusammenhang wird der
Streit, wie weit die Religionsfreiheit in der Schule reichen soll –
so nehmen wir es wahr -, deutlich schärfer.“ Mit Sorge betrachten die
Kirchen auch die Zunahme antisemitischer und anderer
religionsfeindlicher Übergriffe in Schulen. „Deshalb unterstützen wir
alle Anstrengungen“, so der Ratsvorsitzende, „eine Schulkultur zu
fördern, die von der Achtung vor der Würde jedes Menschen, von
gegenseitigem Respekt und Verständnis geprägt ist.“

Ein wichtiger Gesprächspunkt war die Förderung der Schulen in
freier Trägerschaft. Die Kirchen hoben hervor, dass kirchliche
Schulen sich als gemeinwohlorientierte Schulen verstehen. Kirchliche
Schulträger beteiligen sich an der gesellschaftlichen
Gesamtverantwortung für Kinder und Jugendliche und sehen sich in
besonderer Weise dem grundgesetzlichen Verbot einer Sonderung nach
Besitzverhältnissen verpflichtet. Dieses von den Eltern geschätzte
Bildungsengagement der Kirchen benötige aber auch staatliche
Unterstützung. Im Blick auf den Hochschulbereich würdigten die
Gesprächsteilnehmer, dass sich die theologischen Fakultäten und
Institute aktiv an interdisziplinären Forschungsprojekten und der
Entwicklung von fächerübergreifenden Studiengängen beteiligen. Der
Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx,
verwies darauf, „dass die Theologien einen originären Beitrag zu
Forschung und Lehre leisten, der durch andere Wissenschaften nicht
ersetzt werden kann“, und fügte hinzu: „Über die theologische
Ausbildung für kirchliche Berufe (Pfarramt, pastoraler Dienst,
Religionsunterricht) hinaus haben sich die theologischen Fakultäten
und Institute als Forschungseinrichtungen profiliert.“

Zudem teilen die Gesprächspartner die Sorge, dass im Kontext von
„alternativen Fakten und Wahrheiten“ in Teilen der Gesellschaft und
der Öffentlichkeit Universitäten und Wissenschaften als solche
infrage gestellt werden.

Ferner fand ein breiter Austausch über die derzeit angespannte
Situation von Religionsgemeinschaften an deutschen Hochschulen statt.
Die Kirchen erinnerten an die grundgesetzlich verankerte positive
Religionsfreiheit und warben für eine differenzierte Handhabung im
Umgang mit Religionsausübung auf dem Campus. „Religion als möglicher
integrativer Teil universitären Lebens hat eine hohe Bedeutung“, so
Kardinal Marx, und „braucht – wörtlich und übertragen – Raum in der
Lebenswelt der Studierenden.“ Die universitäre Diskussion über Fragen
der Religiosität helfe aus Sicht der Kirchen, bestehende Vorbehalte
abzubauen. Die Kirchen werden sich für einen von Respekt und
Dialogbereitschaft bestimmten Umgang mit der religiösen Vielfalt an
den Hochschulen einsetzen. Es wurde vereinbart, die regelmäßigen
Gespräche fortzusetzen.

An dem Gespräch nahmen von katholischer Seite neben Kardinal
Reinhard Marx unter anderem teil: Erzbischof Hans-Josef Becker
(Vorsitzender der Kommission für Erziehung und Schule), Weihbischof
Dr. Christoph Hegge (stv. Vorsitzender der Kommission für
Wissenschaft und Kultur), P. Prof. Dr. Joachim Schmiedl ISch
(Vorsitzender des Katholisch-Theologischen Fakultätentages), Prof.
Dr. Ansgar Hense (Leiter des Instituts für Staatskirchenrecht) sowie
Prof. Dr. Birgit Aschmann (Mitglied des Hauptausschusses des
Zentralkomitees der deutschen Katholiken, ZdK). Vonseiten der
evangelischen Kirche nahmen neben Landesbischof Dr. Heinrich
Bedford-Strohm unter anderem teil: Prof. Dr. Elisabeth Gräb-Schmidt
(Mitglied des Rates der EKD), Dr. Volker Jung (Kirchenpräsident der
Ev. Kirche in Hessen und Nassau), Prof. Dr. Helmut Schwier (stv.
Vorsitzender des Evangelisch-theologischen Fakultätentages) und Prof.
Dr. Annette Scheunpflug (Vorsitzende der Kammer der EKD für Bildung
und Erziehung, Kinder und Jugend). Vonseiten der KMK nahmen neben
Staatsminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz unter anderem teil:
Staatsministerin Dr. Stefanie Hubig (Vizepräsidentin der KMK),
Ministerin Britta Ernst (Vizepräsidentin der KMK), Minister Helmut
Holter (Vizepräsident der KMK), Ministerin Dr. Susanne Eisenmann
(Präsidiumsmitglied) sowie Senator Ties Rabe (Präsidiumsmitglied).

Hannover, 7. Juni 2019

Pressestelle der EKD Carsten Splitt

Pressekontakt:
Carsten Splitt
Evangelische Kirche in Deutschland
Pressestelle
Stabsstelle Kommunikation
Herrenhäuser Strasse 12
D-30419 Hannover
Telefon: 0511 – 2796 – 269
E-Mail: presse@ekd.de

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