Stuttgarter Zeitung: Kommentar zu Steueroasen

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Das glaubt Wolfgang Schäuble ja wohl selbst
nicht: Der Finanzminister ruft die beteiligten Medien dazu auf, ihr
Material, das die Steuersparmethoden einiger Super-Reicher dieser
Welt enthüllt, den Behörden zu übergeben. Das sagt einer, der
Steuer-CDs aus der Schweiz als Hehlerware einstufte. Er hat zudem mit
dem Bankenparadies ein wenig ambitioniertes Abkommen geschlossen, um
den Geldabfluss zu drosseln. Beides weckt kein Vertrauen in die
Entschlossenheit, mit der Schäuble das Tun von Steuerflüchtlingen,
aber auch das von Steueroasenbetreibern bremsen will.

Diese Kritik zielt nicht auf die Steuerfahnder. Sie machen einen
guten Job, dürften aber viel zu tun bekommen, auch ohne Originaldaten
aus den Offshore-Paradiesen zu besitzen. Die Flut der Selbstanzeigen
von „reuigen Sündern“ dürfte anschwellen, wie immer, wenn Diskretion
gebrochen wird. Die Angst vor Enthüllung ist derzeit das wirksamste
Mittel im Kampf für mehr Steuergerechtigkeit. Es ist ja kein Zufall,
dass die Daten nicht bei einer staatlichen Behörde angelandet sind,
sondern bei einer freien Journalistenorganisation. Der „vierten
Gewalt“ wird offenbar mehr vertraut. Die ist in dem Fall ihrer
Verantwortung gerecht geworden. Dazu gehört, Informanten und
Unbeteiligte zu schützen. Darum sollte das Material auch dort
bleiben.

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