Südwest Presse: KOMMENTAR zu SYRIEN Ausgabe vom 11.04.2015

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KOMMENTAR zu SYRIEN

Ausgabe vom 11.04.2015 Der Appell von UN-Generalsekretär Ban Ki
Moon ist dramatisch – und die Lage im Flüchtlingslager Jarmuk ist es
mit Sicherheit auch. Die rund 16 000 Bewohner werden von zwei Seiten
terrorisiert: dem islamistischen IS, der Teile des Lagers beherrscht,
und dem syrischen Regime mit seinen Handlangern, die es abriegeln.
Hunger, Krankheit und Verzweiflung sind die Folgen. Ban warnt zurecht
vor einer „Katastrophe epischen Ausmaßes“. Doch die Worte kommen
spät, schließlich ist das Flüchtlingslager seit Monaten abgeschottet.
Und sie klingen schal, denn sie übertünchen beschämende
Hilflosigkeit. Die Weltgemeinschaft kann – besser will – nicht
reagieren. Unterschiedliche Interessen und Loyalitäten haben im
Syrienkrieg zu einer totalen Blockade geführt. Da gibt es eine
Gruppe, die mit dem Gewaltherrscher Assad eine politische Lösung
finden will, eine andere, die jegliches Zutrauen in den Despoten
verloren hat, und eine weitere, die jongliert, weil mit dem
erstarkenden IS noch größeres Ungemach droht. Die Folge: Die Gewalt
in Syrien wird ausgeblendet. Weil im Bürgerkriegsland kaum ein
Journalist mehr arbeiten kann, ist das Thema Syrien von der
politischen Agenda weitgehend verschwunden. Keine Berichte, keine
Empörung, kein öffentlicher Druck. Die Welt streckt den Menschen in
Syrien den Rücken zu. Politiker fordern nun, den Weg frei zu machen
für Hilfslieferungen. Was als Minimalziel formuliert ist, setzt
gemeinsame Einsicht voraus. Ob die Worte Ban Ki Moons die Vertreter
der UN-Staaten und den syrischen Diktator dazu bewegen können? Die
Chancen sind bei aller Dramatik nicht groß.

Pressekontakt:
Südwest Presse
Ulrike Sosalla
Telefon: 0731/156218

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