Südwest Presse: Kommentar zur Türkei

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Die Versuchung ist groß für die türkische Regierung,
auf das blutige Massaker in der Grenzstadt Reyhanli militärisch zu
antworten. Rechtlich möglich wäre das. Schon im vergangenen Oktober,
als eine aus Syrien abgefeuerte Granate fünf Türken im Grenzgebiet
tötete, ließ sich die Regierung vom Parlament ermächtigen, mit
Waffengewalt gegen Syrien vorzugehen. Man erinnert sich: Bereits Ende
der 1990er Jahre standen beide Länder am Rand eines Krieges. Damals
erreichte die Türkei mit einem massiven Truppenaufmarsch an der
Grenze, dass Syrien PKK-Führer Öcalan des Landes verwies. Das war ein
Konflikt mit klaren Konturen. Heute ist die Lage ungleich
komplizierter. Wo im syrischen Bürgerkrieg die Fronten verlaufen,
weiß niemand genau. Schon deshalb wäre es ein unkalkulierbares
Risiko, wenn sich die Türkei militärisch in diesen Krieg hineinziehen
ließe. Wie unübersichtlich die Kräfteverhältnisse, wie wirr die
Interessenlagen der Akteure sind, zeigt schon die mutmaßliche
Verwicklung des türkischen Linksterroristen Mihrac Ural, der von
türkischen Geheimdiensten mit den Bombenanschlägen von Reyhanli in
Verbindung gebracht wird. Zur kaum kalkulierbaren politischen
Gemengelage in dem Konflikt gehören auch die Aktivitäten militanter
Kurden im Norden Syriens, die offenbar auf der Seite des
Assad-Regimes kämpfen. Die Politiker in Ankara wären deshalb gut
beraten, einen kühlen Kopf zu bewahren.

Pressekontakt:
Südwest Presse
Lothar Tolks
Telefon: 0731/156218

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