Vor 100 Jahren sank die Titanic. Erleiden Schiffsfonds jetzt das gleiche Schicksal?

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Erfurt, 15. April 2012. Auf den ersten Blick mag es anmaßend erscheinen, den Untergang der Titanic am 15. April 1912 mit dem oft vorhergesagten Untergang von Schiffsfonds zu vergleichen. In der Versinnbildlichung ähneln sich beide Fälle jedoch auffällig, meint ein DVS-Redakteur. Die Schiffsfonds, die mit „voller Kraft voraus“ auf dem Meer der Kapitalanlage schwimmen und deren Anleger die Gefahren oft nicht kennen oder vor ihnen bewusst die Augen verschließen, erleiden Verluste, Schlagseite und gehen unter. Der große Unterschied: Die Opfer verlieren dabei „nur“ ihr Geld… Viel Geld. Eine Gegenüberstellung nicht vergleichbarer Geschichten mit viel sagender Kongruenz.

Titanic – die Daten
Als das damals größte Passagierschiff der Welt, die RMS Titanic, am 31. Mai 1911 in Belfast vom Stapel läuft, sind die Menschen zwar beeindruckt, jedoch nicht in dem Maße, wie man durch die Bezeichnung „größtes Schiff der Welt“ hätte erwarten können. Knapp 270 Meter lang, über 50 Meter hoch (Unterkante Kiel bis Oberkante Schornstein) und 1,5 Millionen Pfund Sterling (entspricht 137 Millionen Euro) ist sie wert. Die Leistung liegt bei maximal 60.000 PS, das Schiff fasst 6.700 Tonnen Kohle (Tagesverbrauch 620 Tonnen) und ist bis zu 24 Knoten schnell. Die Aussicht auf langfristigen Erfolg und damit hohe Erträge begeistert Besitzer, Hersteller.

Schiffsfonds – die Daten
Schon seit 150 Jahren gibt es Schiffsbeteiligungen, von denen vor allem die norditalienischen Bankenhäuser profitierten. Zweistellige Renditeaussichten locken Anfang des 21. Jahrhunderts die Anleger – auf dem Höhepunkt der Euphorie (im Jahr 2007) haben Schiffsfonds ein Gesamtvolumen von mehreren Milliarden Euro. Ähnlich der Titanic verschließt man, in Erwartung hoher Erträge, bzw. Erfolge, die Augen vor den Gefahren des Verlustes. Anleger investieren Milliardenbeträge für den Bau und den Betrieb der maritimen Transportriesen. Die Aussicht auf langfristige Erträge begeistert Emittenten, Vertrieb und Anleger.

Titanic – Passage über den Atlantik
Am 10. April 1912, kurz nach 12 Uhr, verlässt die Titanic ihren Liegeplatz in Southampton. Nach einem Zwischenstopp in Frankreich verlässt sie am 11. April 1912 um 13.30 Uhr Irland und begibt sich auf die Reise Richtung New York. In diesem Jahr ist das Eisfeld auf der Nordroute des Atlantiks größer, als in den Jahren zuvor, deshalb bewegt sich die Titanic etwas südlicher vom geplanten Kurs. Von unterschiedlichen Schiffen werden Eiswarnungen an die Titanic gefunkt. Nicht alle Meldungen erreichen das Schiff, da der Funker mit der Übermittlung von Telegrammen der Passagiere beschäftigt ist. Kapitän Edward John Smith erhält von vier Eiswarnungen nur drei.

Schiffsfonds – Milliardenbeträge auf den Weltmeeren
Seit es die Handelsschifffahrt im großen Stil gibt, beteiligen sich – auf der Jagd nach hohen Gewinnen – Institutionen und Privatpersonen finanziell an ihr. Das war schon zu Hansezeiten so. In den Jahren 1999 bis 2007 geht es mit den Volumina der Fonds steil nach oben, wenn man von dem Einbruch 2006 einmal absieht. Die milliardenschweren Investitionen scheinen zügig auf den Weltmeeren „unterwegs“ zu sein. Immer wieder warnen Experten vor Gefahren. Überkapazitäten im Schiffsbau, sinkende Charterraten, weltweite Rezession. Die Warnungen werden, wie auf der Titanic, empfangen und zur Kenntnis genommen.

Titanic – der Zusammenstoß mit dem Eisberg
Am 14. April 1912 gegen 23.40 Uhr stößt das als unsinkbar geltende Schiff samt 1.300 Passagieren und 900 Mann Besatzung mit einem ca. 300.000 Tonnen schweren Eisberg zusammen. Zu spät entdeckt Frederick Fleet, der Mann im Ausguck, den Eisberg. Trotz des eingeleiteten Manövers schafft es die RMS Titanic, die mit 21 Knoten durch die dunkle Nacht gleitet, nicht, dem Hindernis auszuweichen oder vor ihm zu stoppen. Der Schaden an der Steuerbordseite des Bugs ist nicht allzu groß, dennoch gerät das Schiff in leichte Schieflage. Langsam aber beständig dringt Wasser in das Schiff. Der Untergang ist nicht mehr aufzuhalten. Rund 3 Stunden und 40 Minuten nach der Kollision versinkt die Titanic mit steil aufgerichtetem Heck im dunklen Wasser des Nordatlantiks. Knapp vier Kilometer „fällt“ der Stolz der Reederei White Star Line mit ca. 80 km/h, bis es auf dem Meeresboden aufschlägt. Am 15. April 1912 gegen 3 Uhr verstummen die letzten Hilfeschreie aus dem 0 Grad kalten atlantischen Ozean.

Schiffsfonds – der Zusammenbruch durch die Finanzkrise
Die Pleite der amerikanischen Investmentbank Lehman am 15. September 2008 leitet eine weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise ein. Als Analysten die Krise bemerken, ist es schon zu spät, der Zusammenbruch des Finanzsystems, das größtenteils mit überbewerteten US-Immobilien spekulierte, ist unaufhaltsam. Viele Säulen, auf die sich die Finanzwelt stützt, brechen zusammen. Aus den „Löchern“ des globalen Portemonnaies fließen Milliardenbeträge ins monetäre Nirwana. Die vielen Transportschiffe, die in den letzten Jahren gebaut und bestellt wurden, finden keine Fracht mehr. Das Überangebot drückt die Charterraten. Die Fonds können ihre Anleger nicht mehr bedienen, die Banken kündigen wegen ausbleibender Zinszahlung die Kredite. Mit zunehmender Geschwindigkeit sinken immer mehr Schiffsfonds und schlagen mit voller Wucht auf dem harten Boden der Insolvenz auf. Noch sind es „erst“ gut 50 insolvente Fonds, doch fast täglich werden es mehr. Die Zahl der Schiffsfonds wird weltweit auf etwa 2.000 geschätzt. Tendenz: schnell fallend.

Titanic – die Opfer
Viele Passagiere der Titanic sterben nicht beim Untergang des Schiffes, sondern im Wasser an Unterkühlung. Die RMS Carpathia nimmt etliche Schiffbrüchige auf, insgesamt überleben, so der britische Untersuchungsbericht, 711 Menschen die Tragödie.

Schiffsfonds – die Opfer
Tausende von Anlegern verlieren immens hohe Investitionen. Containerschiffe mit großen Kapazitäten rosten in den Häfen der Welt vor sich hin. Der Deutsche Verbraucherschutzring e. V. (DVS) in Erfurt gehört zu den wenigen Rettungsbooten, die die „Überlebenden“ aufnehmen und ihnen in Sachen Schadenersatz tatkräftig helfen können.

Und die von Hollywood angedichtete Liebesgeschichte?
Nun – vom Liebespaar der Hollywood-Version bleibt nur eine Person übrig. Die andere geht mit dem Schiff unter. Wer im Fall der Schiffsfonds nun „baden“ geht? Na raten Sie mal.

UHo, 15. April 2012, Deutscher Verbraucherschutzring e. V., Erfurt

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