Welttag der humanitären Hilfe: Help fordert mehr Mittel für lokale Hilfsorganisationen

„Als humanitäre Akteure erleben wir gerade einen Systemschock“, mahnt Dr. Thorsten Klose-Zuber, Generalsekretär der internationalen Hilfsorganisation Help – Hilfe zur Selbsthilfe, zum Welttag der humanitären Hilfe am 19. August. „Während 240 Millionen Menschen dringend Unterstützung benötigen, zwingen uns die massiven Mittelkürzungen der letzten Jahre zur humanitären Triage. Das wirksamste Mittel, das uns bleibt, um den Schaden zu begrenzen, ist eine grundlegende Systemreform. Humanitäre Hilfe muss lokaler werden!“

Wie dramatisch die Folgen der Kürzungen bereits sind, zeigt eine Analyse von Help (https://www.help-ev.de/humanitaere-hilfe/auswirkungen-haushaltskuerzungen/): Mehr als 6,8 Millionen Menschen haben allein durch die deutschen Mittelkürzungen 2025/26 den Zugang zu lebenswichtiger humanitärer Hilfe verloren. Umso dringender sei jetzt der Handlungsbedarf, so Klose-Zuber. „Seit Jahren ist bekannt, dass die Umsetzung von Hilfsmaßnahmen über lokale Hilfsorganisationen besonders effizient ist. Sie sind in Krisen oft als Erste vor Ort, kennen die Lage, die Menschen und die dringendsten Bedarfe. Anstatt in jeder Krise neue Strukturen von außen aufzubauen, müssen wir die Organisationen stärken, die bereits vor Ort arbeiten. Wenn wir lokale Partner direkt unterstützen und Hilfsgüter vor Ort beschaffen, sparen wir Zeit und Mittel. Zugleich stärken wir die lokale Wirtschaft und Hilfsstrukturen, die auch nach der akuten Krise bestehen bleiben.“

Humanitäre Hilfe: Pilotprojekt soll Lokalisierung vorantreiben

Dass ein Umdenken möglich ist, zeigt das Pilotprojekt „Hilfe Lokal Fördern“ (HLF), das Help seit 2024 gemeinsam mit dem Auswärtigen Amt in der Ukraine umsetzt. Dieses fördert lokale Hilfsorganisationen nicht nur finanziell, sondern bindet sie auch unmittelbar in Planungs- und Entscheidungsprozesse ein. Doch solche Ansätze sind bislang die Ausnahme. „Lokalisierung wird seit Jahren gefordert, aber noch immer viel zu selten konsequent umgesetzt“, erklärt Klose-Zuber. 2026 erhielten lokale Hilfsorganisationen nur 7,6 Prozent der Gelder aus internationalen humanitären Krisenfonds (https://cbpf.data.unocha.org/#netfunding_heading) direkt. Der Großteil floss zunächst an internationale Hilfsorganisationen und UN-Agenturen. „Dadurch entstehen zusätzliche Strukturen und Kosten. Je mehr Stationen das Geld durchläuft, desto weniger kommt am Ende bei den Betroffenen an.“

Klose-Zuber appelliert: „Statt die internationalen Mittelkürzungen mitzutragen, sollte die Bundesregierung die Lokalisierung im humanitären System aktiv vorantreiben. Gerade wenn Geld knapp ist, muss es so direkt und wirksam wie möglich eingesetzt werden. Lokalisierung ist kein Zukunftsthema, sondern eine Notwendigkeit.“

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