Westdeutsche Zeitung: Monsanto – Zeitbombe für Bayer

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Von Rolf Eckers

Ob das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat beim Menschen Krebs
auslösen kann, ist unter Wissenschaftlern umstritten. Zahlreiche
Studien verneinen einen ursächlichen Zusammenhang. Aber die Agentur
für Krebsforschung der Weltgesundheitsorganisation bejaht ihn. Und
diese Einschätzung hatte maßgeblichen Einfluss auf das Urteil von San
Francisco, wonach Glyphosat-Hersteller Monsanto einem todkranken
Krebspatienten umgerechnet mehr als 250 Millionen Euro Schadenersatz
zahlen muss. Monsanto geht es Berufung. Ob mit Erfolg, weiß niemand.
Klar ist aber, dass in den USA Tausende solcher Klagen anhängig sind.
Für den Bayer-Konzern, zu dem Monsanto seit wenigen Monaten gehört,
tickt hier eine Zeitbombe. Bayer-Chef Werner Baumann muss durch die
Übernahme des US-Unternehmens mit einem unkalkulierbaren Risiko
umgehen. Dabei war sich der gebürtige Krefelder sicher, mit Monsanto
den ganz großen Coup zu landen. Als Anbieter von Saatgut und
Pflanzenschutzmitteln ist Bayer durch die Übernahme an die Weltspitze
gesprungen. Es geht um eine Schlüsseltechnologie, weil die Zahl der
Menschen stetig wächst, aber die Ackerfläche auf der Erde kaum
zunimmt. Zudem gilt Monsanto als führend, wenn es um genverändertes
Saatgut geht. Das rechtfertigt laut Baumann einen Kaufpreis von mehr
als 50 Milliarden Euro. Bayer hat aber auch das Image von Monsanto
übernommen. Und das ist schlecht, sehr schlecht sogar. Vor allem in
Europa lehnen die Verbraucher gentechnisch veränderte Produkte ab.
Deshalb soll der Name Monsanto so schnell wie möglich verschwinden –
zumal auch krebsauslösende und längst verbotene Stoffe wie DDT, PCB
und das todbringende Entlaubungsmittel Agent Orange aus den Laboren
von Monsanto stammen. Der Name mag jetzt untergehen, aber die
Probleme, die die Produkte auslösen, bleiben. Gut möglich, dass Bayer
sich bald wünscht, nie über den Monsanto-Deal nachgedacht zu haben.

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Westdeutsche Zeitung
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