Westdeutsche Zeitung: N E U : Die Klagen der „Melkkuh der Nation“ von Peter Kurz

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Wenn es ums Autofahren geht, verhalten sich die
meisten von uns widersprüchlich. Sowohl auf der Straße als auch in
der politischen Diskussion. Wir kennen das Gefühl: Schon wieder eine
enge Autobahnstelle, runter vom Gas, im Stau stehen. Da geht einem
leicht ein Fluch von den Lippen. Doch wer auf intakten Straßen oder
Autobahnbrücken fahren will, muss das hinnehmen. Allein mit frommen
Wünschen lässt sich ein Straßenschaden nun mal nicht beheben. Auch
bei der Diskussion um die Kosten der Straßensanierung werden
Argumente allzu schnell ausgeblendet. Als „Melkkuh der Nation“
bejammert sich der Autofahrer gern selbst. Und weist mit
argumentativer Unterstützung seiner fürsorglichen Helfer vom ADAC –
die übrigens mit einer zehnprozentigen Beitragserhöhung derzeit
selbst Melk-Aktivitäten entwickeln – eine Pkw-Maut von sich. Ist ja
auch verständlich, wer lässt sich schon gern in die Tasche greifen?
Andererseits wollen wir heile Straßen ohne Schlaglöcher; wir wollen
Lärmschutzmaßnahmen; die Autobahn soll am besten mehrspurig sein,
damit wir nicht im Stau stehen. Und die Wirtschaft weist sehr zu
Recht auf den Standortvorteil hin, der in funktionierenden
Verkehrsadern liegt. Gerade der letztgenannte Aspekt liegt durchaus
im allgemeinen Interesse, es ist daher richtig, dass Steuergelder in
die Infrastruktur fließen. Doch damit muss es noch längst nicht
falsch sein, dass diejenigen, die den Vorteil von intakten
Verkehrswegen haben, dafür über eine Maut noch einen Extra-Obolus
entrichten. Nur sollten dann die Einnahmen auch gezielt in
Straßenbaumaßnahmen investiert werden und so denen zugutekommen, die
sie finanziert haben. Eine Maut würde auch diejenigen ausländischen
Autobahnnutzer in die Pflicht nehmen, die von unseren Verkehrsadern
profitieren. Über eine Kompensation für deutsche Autofahrer, etwa
über Steuererleichterungen, könnte dann immer noch nachgedacht
werden. Wenn die Wirtschaft beklagt, dass die deutschen Straßen vor
einem Kollaps stehen, so kann dies auch daher rühren, dass der
Gütertransport auf Asphalt im Vergleich zu Wasser- und Schienenwegen
besonders attraktiv ist. Eine Maut kann hier durchaus
Lenkungsfunktion haben.

Pressekontakt:
Westdeutsche Zeitung
Nachrichtenredaktion
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