Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu den Balkanstaaten

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Den Konflikt zwischen Serben und Albanern gibt
es weit länger als den Fußball. Und wem die berühmte »Schlacht auf
dem Amselfeld« von 1389 kein Begriff ist, weiß spätestens nach den
Ausschreitungen in Belgrad, dass der Hass auf beiden Seiten nicht
abgeebbt ist. Es ist müßig, zu diskutieren, ob ein Stadion der
richtige Ort für solche politischen Statements ist. Er ist es nicht!
Die Aktion während des EM-Qualifikationsspiels zeigt erschreckend
deutlich, wie tief die Aggression verwurzelt ist. Eine einzige Fahne
mit den Umrissen Großalbaniens genügt: Die fliegende Provokation
rückt einen vergessenen Konflikt im Flutlicht des Belgrader Stadions
wieder ins Rampenlicht. Nicht umsonst ist der Kfor-Einsatz auf dem
Balkan der längste laufende Auslandseinsatz der Bundeswehr. Seit 15
Jahren gibt es die Mission mit Deutschland als größtem
Truppensteller. Gelöst hat sie den Streit um den Status des Kosovo
nicht. Kann sie auch nicht. Eindämmen lautet das oberste Ziel. Doch
Krawalle zwischen den Bewohnern des mehrheitlich von Albanern
bewohnten Landes mit der serbischen Minderheit im Norden gibt es nach
wie vor. Die Spaltung der ethnischen Gruppen verkörpert die Stadt
Mitrovica. Der Norden ist serbisch-, der Süden albanischsprachig.
Eine Brücke markiert die Grenze; ein Sinnbild der Spaltung. Die
Eskalation beim Qualifikationsspiel macht deutlich, dass sich über
Generationen weitergegebener Hass nicht einfach auslöschen lässt.
Erzfeinde bleiben Erzfeinde. Nicht nur im fernen Kosovo. Wer so
manches Kreisliga-Spiel in der Region besucht, wird bestätigen, dass
die Antipathie auf dem Balkan nicht endet. Die Initiatoren des
Drohnenflugs im Stadion gehen ein hohes Risiko ein. Albanien ist seit
diesem Jahr EU-Beitrittskandidat. Alle Beteiligten wissen, dass die
EU das »Projekt Großalbanien« strikt ablehnt. Dieses Vorgehen in
Belgrad – offensichtlich durch den Bruder des albanischen
Regierungschef gelenkt – wird die Chancen auf einen Beitritt nicht
erhöhen. Die Tatsache, dass sogar griechische Gebiete auf der Fahne
zu sehen sind, sollte in Brüssel zumindest mit Skepsis betrachtet
werden. Es steht viel auf dem Spiel. Außerdem galten bislang die
Serben in der politischen Wahrnehmung oft als Aggressoren. Nun sind
die Albaner im Blickfeld der Öffentlichkeit – völlig unnötig. Damit
schaden die Initiatoren ihren Landsleuten mehr, als sie Befürwortern
ihrer Idee nutzen. Den größten Groll dürften aber die Fußballfans
beider Länder haben. Bereits 2011 drohte die Uefa nach Fan-Krawallen
mit dem Ausschluss von europäischen Wettbewerben, damals Serbien.
Ähnliches dürfte auch in diesem Fall passieren. Das schadet nicht nur
dem Ansehen beider Nationen, sondern vor allem der Freude am Sport.
Etwas Gutes ist der sinnlosen Provokation am Ende jedoch
abzugewinnen: Alle Beteiligten sollten verstanden haben, dass nette
diplomatische Worte in Brüssel nichts wert sind, wenn sich in den
Köpfen der Mehrheit der Bevölkerung nichts ändert.

Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Nachrichtenleiter
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 – 585261

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