Westfalen-Blatt: Das Westfalen-Blatt (Bielefeld) zum Thema Berlin-Wahl:

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Die Berliner hatten die Wahl zwischen Pest und
Cholera – am Ende haben sie sich wie erwartet für Klaus Wowereit
entschieden. Er bleibt Bürgermeister – und das ist nicht gut so.
Wowereit siegt zum dritten Mal in Folge, auch wenn seine Bilanz
katastrophal ist: Jeder fünfte Einwohner in der Hauptstadt ist
mittlerweile Hartz-IV-Empfänger, Berlin hat eine Arbeitslosenquote
von 13,5 Prozent, 60 Milliarden Euro Schulden und gibt eineinhalb
Milliarden Euro im Jahr für Sozialhilfe aus. Vielleicht haben die
Berliner Wowereit gewählt, weil er die Bildung von der Kita bis zur
Uni kostenlos gemacht hat. Vielleicht aber auch, weil es keine
Alternativen gab. Für die Grünen endet das erfolgreichste Wahljahr
aller Zeiten zwar mit deutlichen Gewinnen, aber zugleich mit einer
persönlichen Pleite. Renate Künast hätte sich und den Grünen in
diesem Superwahljahr die Krone aufsetzen können – stattdessen muss
sie sich gegen einen Klaus Wowereit geschlagen geben, von dem selbst
seine Wähler nicht allzu viel erwarten. Die FDP steht nach diesem
Debakel vor einem Scherbenhaufen. Bei nunmehr fünf der sieben
Landtagswahlen dieses Jahres flogen die Liberalen aus den
Parlamenten. Die FDP ist derart tief gesunken, dass sie in
Wahldiagrammen schon fast unter »Sonstige« geführt werden müsste. Ihr
Versuch, die Wahl zu einer Volksabstimmung über den Euro zu machen,
ist kläglich gescheitert – wie fast alles in den vergangenen Wochen.
Berlin wird für die FDP nicht ohne Folgen bleiben. Es liegt auf der
Hand, dass bei den Liberalen die Fetzen fliegen werden. Da die Nerven
bei Rösler & Co. blank liegen und das miese Wahlergebnis die Partei
noch unkalkulierbarer machen wird, muss mit allem gerechnet werden.
Man darf gespannt sein, wie die taumelnde FDP sich angesichts ihrer
jetzt noch desaströseren Lage in den nächsten Tagen verhalten wird.
Während die FDP abgesoffen ist, befinden sich die Piraten neu an Bord
an der Spree. Dass die Protestpartei, die fast nur für das Thema
Freiheit im Internet steht, es so deutlich ins Berliner
Abgeordnetenhaus geschafft hat, müssen die etablierten Parteien als
schallende Ohrfeige verstanden wissen. Die CDU darf zufrieden sein –
nicht mehr, aber auch nicht weniger. Rot-Rot ist abgewählt. Frank
Henkel hat ein kleines Ausrufezeichen gesetzt und zumindest ein wenig
verhindert, dass die Bundes-CDU und Kanzlerin Angela Merkel vor
Beginn der sechs Regionalkonferenzen und dem Bundesparteitag im
November in Leipzig nicht noch mehr in die Kritik geraten. Für die
Stadt Berlin steht das Signal nun auf Rot-Grün. Der »Arm, aber
sexy«-Bürgermeister kann sich seinen Partner aussuchen. Alles easy
also für Wowi – armes Berlin.

Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Nachrichtenleiter
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 – 585261

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