ZDF-Politbarometer April II 2018 / US-Strafzölle: Mehrheit befürchtet großen Schaden für deutsche Wirtschaft / SPD unter Nahles: Zweifel an erfolgreicher Führung (FOTO)

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Wenn die noch bis Anfang Mai ausgesetzten US-Strafzölle auf
europäische Produkte eingeführt werden, würde das für 63 Prozent der
Befragten der deutschen Wirtschaft sehr stark oder stark schaden. 34
Prozent erwarten in diesem Fall nicht so große oder keine negativen
ökonomischen Auswirkungen (Rest zu 100 Prozent hier und im Folgenden
jeweils „weiß nicht“). Sollten von den USA Strafzölle verhängt
werden, haben die Europäische Union und andere Staaten ihrerseits mit
Handelshemmnissen gedroht. 50 Prozent befürchten, dass diese
Auseinandersetzungen zu einem weltweiten Handelskrieg führen werden,
46 Prozent glauben das nicht.

Deutsch-amerikanische Beziehungen: schlechter Zustand – große
Bedeutung

Zwischen dem momentanen Zustand der deutsch-amerikanischen
Beziehungen und der Bedeutung, die ihnen zukommt, herrscht nach
Meinung der Befragten eine große Diskrepanz: Nur 34 Prozent
bezeichnen das Verhältnis zwischen den beiden Staaten als gut, eine
Mehrheit von 62 Prozent hält es für schlecht. Dabei betonen 92
Prozent der Deutschen die Wichtigkeit guter Beziehungen zu den USA,
lediglich 7 Prozent sehen das anders. Zudem bezweifeln mit 85 Prozent
jetzt noch deutlich mehr als vor einem knappen Jahr (Jun. I 2017: 69
Prozent), dass die USA unter Präsident Trump ein verlässlicher
Partner sind, wenn es um die Sicherheit Europas geht. Nur 12 Prozent
(Jun. I 2017: 25 Prozent) vertrauen darauf.

EU: Deutsche setzen auf deutlich engere Zusammenarbeit

Der Forderung des französischen Präsidenten Macron nach einer
deutlich engeren Kooperation auf EU-Ebene schließen sich 88 Prozent
der Befragten grundsätzlich an. 10 Prozent wollen das nicht, darunter
32 Prozent der AfD-Anhänger. Vor allem in den Bereichen Außenpolitik
(88 Prozent), Flüchtlingspolitik (88 Prozent) und Verteidigung (83
Prozent) spricht sich ein Großteil der Deutschen für „mehr Europa“
aus. In der Finanzpolitik fällt die Zustimmung etwas verhaltener aus,
hier sind 62 Prozent für eine viel engere Verzahnung innerhalb der
EU, 32 Prozent sind dagegen. Den Einsatz Angela Merkels für ein
starkes Europa bewertet eine Mehrheit von 59 Prozent als gerade
richtig, 26 Prozent wünschen sich hier mehr Engagement von der
Bundeskanzlerin und 12 Prozent weniger.

Friedenslösung für Syrien: EU stärker gefordert

Die meisten Befragten sehen in puncto Konfliktlösung für Syrien
Defizite auf Seiten der EU: 64 Prozent halten die Anstrengungen der
Staatengemeinschaft im Syrien-Friedensprozess für nicht ausreichend,
27 Prozent meinen, die EU setze sich dafür genug ein.

Projektion

Wenn am nächsten Sonntag wirklich Bundestagswahl wäre, könnte die
Union zulegen auf 34 Prozent (plus 1) und die SPD auf 20 Prozent
(plus 1). Die AfD bliebe unverändert bei 13 Prozent, die FDP würde
sich erneut verschlechtern auf 7 Prozent (minus 1), die Linke könnte
sich verbessern auf 10 Prozent (plus 1) und die Grünen müssten einen
Punkt abgeben auf 13 Prozent. Die anderen Parteien lägen zusammen bei
3 Prozent (minus 1). Wie bisher hätte damit neben einer großen
Koalition nur ein Jamaika-Bündnis aus CDU/CSU, FDP und Grünen eine
parlamentarische Mehrheit.

TOP TEN

Auf der Liste der nach Meinung der Befragten zehn wichtigsten
Politikerinnen und Politiker erhält erneut Wolfgang Schäuble die
beste Bewertung mit einem unveränderten Durchschnittswert von 1,9 auf
der Skala von +5 bis -5. Danach kommen Sigmar Gabriel mit 1,3 (Apr.
I: 1,3), Angela Merkel mit 1,3 (Apr. I: 1,1), Olaf Scholz mit 1,0
(Apr. I: 1,1) und Heiko Maas mit 0,9 (Apr. I: 0,7). Mit deutlichem
Abstand folgen in der unteren Hälfte der Liste, bei jeweils recht
ähnlichen Einstufungen, Andrea Nahles mit 0,3 (Apr. I: 0,2), Ursula
von der Leyen mit 0,3 (Apr. I: 0,3), Sahra Wagenknecht mit 0,2 (Apr.
I: 0,3) und Christian Lindner mit 0,2 (Apr. I: 0,2). Horst Seehofer
liegt bei 0,1 (Apr. I: 0,1) und ist damit erneut Schlusslicht.

Nahles und SPD: Zuversicht nur im SPD-Lager

Am Wochenende wurde Andrea Nahles zur neuen SPD-Parteivorsitzenden
gewählt. 39 Prozent aller Befragten und 52 Prozent der SPD-Anhänger
glauben, dass sie die Richtige für dieses Amt ist. Insgesamt 40
Prozent und 33 Prozent in den eigenen Reihen sind gegenteiliger
Meinung. Gut ein Drittel (34 Prozent) der Befragten erwartet, dass
die neue Vorsitzende die Partei erfolgreich in die Zukunft führen
wird, 52 Prozent trauen ihr das nicht zu. Die SPD-Anhänger sehen das
tendenziell anders, für 49 Prozent wird Nahles die Partei auf
Erfolgskurs bringen, 37 Prozent bezweifeln das. Ähnlich
unterschiedlich fallen die Einschätzungen hinsichtlich einer
Erneuerung der Partei aus: Während fast zwei Drittel (64 Prozent)
aller Befragten davon ausgehen, dass es der SPD nicht gelingen wird,
sich als Partei in der Großen Koalition zu erneuern (gelingt: 31
Prozent), sind 55 Prozent der SPD-Anhänger der Meinung, die Partei
werde das schaffen, 41 Prozent sind skeptisch.

Die Umfrage zum Politbarometer wurde wie immer von der Mannheimer
Forschungsgruppe Wahlen durchgeführt. Die Interviews wurden in der
Zeit vom 24. bis 26. April 2018 bei 1.285 zufällig ausgewählten
Wahlberechtigten telefonisch erhoben. Dabei werden sowohl Festnetz-
als auch Mobilfunknummern berücksichtigt. Die Befragung ist
repräsentativ für die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Der
Fehlerbereich beträgt bei einem Anteilswert von 40 Prozent rund +/-
drei Prozentpunkte und bei einem Anteilswert von 10 Prozent rund +/-
zwei Prozentpunkte. Daten zur politischen Stimmung: CDU/CSU: 36
Prozent, SPD: 23 Prozent, AfD: 9 Prozent, FDP: 7 Prozent, Linke: 10
Prozent, Grüne: 14 Prozent. Das nächste Politbarometer sendet das ZDF
am Freitag, 18. Mai 2018.

Weitere Informationen zur Methodik der Umfrage und zu den genauen
Frageformulierungen finden Sie auch auf www.forschungsgruppe.de.

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