2+Leif: Medienanwalt Schertz fordert wegen Kachelmann-ProzessÜberprüfung des Rechtsstaates/ Schweizer Psychologe Gmür: „Kachelmann bleibt stigmatisiert“

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Der Berliner Medienanwalt, Christian Schertz,
fordert nach den Erfahrungen im Kachelmann-Prozess den Umgang der
Justiz mit den Medien auf den Prüfstand zu stellen. In der
SWR-Talkshow „2+Leif“ sagte Schertz am Montagabend: „Wir werden an
diesem Fall den deutschen Rechtsstaat prüfen müssen. Wir werden
prüfen müssen, ob wir in einer Gesellschaft leben wollen, wo der
bloße Vorwurf eines Fehlverhaltens zu einer derartigen Vernichtung
bereits vor dem Urteil führt. Davor warne ich nachhaltig.“

Im SWR kritisierte der Medienanwalt sowohl die Anklage, als auch
die Verteidigung. „Bei dem Prozess haben eigentlich alle versagt“, so
Schertz. Die Staatsanwaltschaft habe viel zu früh und eigeninitiativ
eine Pressemeldung herausgegeben und „medial aufgerüstet“. Das habe
die Boulevardmedien ermuntert sich auch mit den Details, die mit dem
eigentlichen Fall nichts zu tun hatten, zu beschäftigen. Aber auch
wie die Verteidiger agiert hätten, „sei problematisch gewesen“, fügte
Schertz in „2+Leif“ hinzu.

Der Schweizer Psychologe und Psychotherapeut, Mario Gmür, betonte
im SWR die bleibenden Schäden vieler Opfer eines gesteigerten
Medieninteresses: „Bei Kachelmann bleibt er doch selbst im
günstigsten Fall, wenn er freigesprochen würde, stigmatisiert durch
das Merkmal Vergewaltigung. Er wird immer mit diesem Wort assoziiert
werden in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit. Und er wird das nicht
loswerden.“

Die Selbstkontrollinstanz der deutschen Medien musste sich indes
nach Informationen von „2+Leif“ bisher kaum mit der Kritik an der
Berichterstattung am Kachelmann-Prozess befassen. So gingen bisher
nur fünf Beschwerden beim Deutschen Presserat ein. Vier davon seien
unbegründet gewesen. Eine Beschwerde führte zu einem Hinweis an die
betreffende Redaktion. Allerdings ging es hier lediglich um eine
Verletzung der Sorgfaltspflicht. Zum Vergleich: Zur Berichterstattung
bei der Massenpanik bei der Loveparade waren über 200 Beschwerden
eingegangen. In der Fachpublizistik wird diskutiert, dass der
Deutsche Presserat seine Kriterien über Vorverurteilung ändern muss.

Nicht zur Veröffentlichung:

Die Meldung wurde vorab, nach Aufzeichnung der Sendung verbreitet.
„2+Leif“ wird am Montagabend um 23 Uhr im SWR Fernsehen ausgestrahlt.

Kontakt:

Peter Bergmann SWR Fernsehen 0173-6168655

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