An Weihnachten feiert das Virus mit / Die Corona-Zahlen werden nur sinken, wenn jeder Einzelne endlich Verantwortungübernimmt. / Leitartikel von Marion Koller

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Trotz des Teil-Lockdowns seit Anfang November wächst die Zahl der Corona-Infizierten und Toten. Allein zwischen Montag und Dienstag sind in Bayern etwa 100 Menschen an Covid-19 gestorben, mehr als 3000 haben sich neu angesteckt. Wer die Fotos überfüllter Elektronik-Märkte, etwa am vermeintlich billigen Black Friday, oder der Münchner Fußgängerzone an Adventssamstagen kennt, wundert sich kaum darüber.Auf der Suche nach dem günstigen Handy vergessen viele die Abstands- und Hygieneregeln. Manche infizieren sich und stecken die Risikogruppen an: Ältere und chronisch Kranke. Eine Pandemie-Müdigkeit ist ohnehin seit Monaten zu spüren.Nun fordert die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina einen harten Lockdown. Bundeskanzlerin Angela Merkel und einige Ministerpräsidenten drängen ebenfalls darauf.Doch vor allem muss jeder Einzelne Verantwortung übernehmen. Jetzt ist Verzicht angesagt, auch wenn das sonst üppigste Fest des Jahres bevorsteht und sich jeder auf Freizeit und ein wenig Weihnachtsglanz in diesem tristen Winter freut.In ihrer Stellungnahme vom Dienstag liefert die Leopoldina, der Experten aus vielen unterschiedlichen Fachbereichen angehören, Fakten und Hintergründe. Demnach gelang es in Deutschland während des Lockdowns im Frühjahr, die Kontakte um 63 Prozent zu verringern. Im derzeitigen Teil-Lockdown sind sie nur um 43 Prozent zurückgegangen. Mit Verweis auf die Ansteckungsdynamik sagen die Wissenschaftler, dass die Kontakte unbedingt reduziert werden müssten.Belgien und Irland, wo das im zweiten Lockdown geschehen ist, haben die Infektionszahlen erfolgreich eingedämmt. In Belgien sind sie seit Ende Oktober von 20 000 pro Tag auf knapp 1100 zurückgegangen. Deshalb plädiert die Leopoldina für den strengen Lockdown.Doch unabhängig von einer Verschärfung müssen wir selbst handeln und unser Tun jeden Tag überprüfen. Es kann nicht sein, dass wir gleichgültig Glühwein trinken, während bundesweit jeden Tag 400 bis 500 Menschen an Covid-19 sterben.An Weihnachten und Silvester, sonst die geselligste Zeit, ist der Abstand heuer deshalb sozialer als die Nähe. Die Wissenschaftler der Leopoldina empfehlen, während der Feiertage einschließlich Silvester sollten Kontakte nur in einem engen, auf wenige Personen begrenzten Familien- oder Freundeskreis stattfinden, der über den gesamten Zeitraum unverändert bleibt. Sonst feiert das Corona-Virus mit.Das alles schränkt stark ein, eröffnet aber auch neue Möglichkeiten. Alle können sich auf die wichtigsten Menschen in ihrem Leben konzentrieren.Besondere Rücksicht müssen wir auf die Älteren nehmen. Da hilft einzig der Corona-Test – auch vor dem privaten Besuch, nicht nur im Seniorenheim. Oder der Verzicht aufs gemeinsame Feiern. Kümmern kann man sich trotzdem: Mit Gesprächen an der Tür oder per Video-Anruf, mit Spaziergängen unter Einhaltung des Abstands. Eine Ansteckung zu vermeiden, muss oberste Priorität haben.Die Zeit zwischen den Jahren wird für alle einsamer sein, aber auch Muße ermöglichen. Wir können durchatmen und innehalten. Wollten wir das nicht schon immer?Bis zum nächsten Weihnachtsfest 2021 werden die Risikogruppen und viele andere voraussichtlich gegen Covid-19 geimpft sein. Nach dem Start in Großbritannien steht Deutschland in den Startlöchern. Das heißt, im kommenden Jahr können wieder alle im großen Kreis feiern. Mit den Großeltern. Denn auch die Angehörigen der verwundbarsten Personengruppe werden überlebt haben.

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