Angela Merkel im Exklusiv-Interview mit RTL-Chefredakteur Peter Kloeppel: „Der 11. September hat die Welt geprägt“

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Sperrfrist: 09.09.2011 06:00
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Bundeskanzlerin Angela Merkel hat am gestrigen Donnerstag in einem
Exklusiv-Interview mit RTL-Chefredakteur Peter Kloeppel persönlich
und politisch bewertet, was der 11.September 2001 ausgelöst hat. Die
Kanzlerin über den Jahrestag der Anschläge von New York und
Washington, die politischen Reaktionen, die Rolle der Taliban und von
Al Quaida und wie sie die Ereignisse erlebt hat.

Die damalige CDU-Vorsitzende erhielt die Nachricht in ihrem Büro.
Merkel: „Ich war damals Parteivorsitzende und mein
Bundesgeschäftsführer kam zu mir und sagte, ich muss unbedingt den
Fernsehapparat anschalten. Und dann habe ich, quasi live, an dem 2.
Turm des World Trade Center gesehen, was dort vorging und das war
zwischen kaum fassbar und ganz schrecklich. Gefragt, ob sie Angst
empfunden habe, antwortete Merkel: „Ich glaube, diese Gefühle der
Angst kamen erst später, weil in dem Moment war es so, dass man
realisieren musste, das ist etwas das wirklich passiert und kein Film
und insofern brauchte ich schon ein Weile, um zu akzeptieren, dass
das tatsächlich passiert ist. Also direkte Angst hatte ich nicht,
aber es war klar, es war etwas Ungeheuerliches im Gange.

Positiv bewertet Merkel rückblickend die Reaktion der damaligen
rot-grünen Bundesregierung unter Bundeskanzler Gerhard Schröder: „Ich
hatte dann schon den Eindruck, dass die Bundesregierung unter dem
Bundeskanzler Schröder das Richtige gemacht hat für Deutschland.“
Auch den daraus resultierenden Einsatz deutscher Soldaten in
Afghanistan hält die Bundeskanzlerin nach wie vor für eine
folgerichtige Entscheidung: „Wir hatten schon das Gefühl, dass hier
Verantwortung zu übernehmen ist. Es war auch klar, dass die Angriffe
vorbereitet werden konnten in einem Staat, der kein richtiger Staat
war, in Afghanistan. Und deshalb wäre es schon fatal gewesen, wenn
man sich dann, als der Verteidigungsfall auch zum ersten Mal für den
Bereich außerhalb des Bündnisses ausgerufen wurde, oder die
Verteidigung eines Bereiches außerhalb des Bündnisses, wenn man dort
Abseits gestanden hätte.“

Die Bundeswehr ist nach Ansicht der Kanzlerin nicht gescheitert in
Afghanistan: „Ich glaube, dass es uns gelingen wird, die Verquickung
von Taliban und Al Quaida in Afghanistan aufzulösen.“ Sie betont aber
auch, dass militärische Interventionen alleine nicht reichen: „Wir
wissen, die militärische Option kann nicht ausgeschlossen werden,
aber sie alleine reicht auch nicht, um Terrorismus zu bekämpfen. Das
ist eine Lehre aus den zehn Jahren.“ Angesichts der am Hindukusch
gefallenen Bundeswehrsoldaten sagte Merkel: „Ich sage denen, die in
Afghanistan kämpfen und Angehörige zu beklagen haben, dass es dort um
unsere Sicherheit geht. Es war ja nicht nur New York, es war auch
Madrid, es war auch London und wir müssen zeigen, dass wir unsere Art
zu leben auch verteidigen können.“

Terror ist nach Einschätzung der Kanzlerin die neue große
Bedrohung: „Sie ist latent vorhanden. Es ist Zeit unseren Behörden zu
danken, auch die internationale Zusammenarbeit funktioniert
hervorragend. Aber wir müssen jede Stunde wachsam sein.“ Nach dem
Ende des kalten Krieges sei der Terror die neue große Bedrohung für
die gesamte Weltgemeinschaft: „Wir haben alle gehofft, dass nach dem
Ende des kalten Krieges die ganz großen Konflikte dieser Welt vorbei
seien. Diese Hoffnung währte nicht lange. Und wir sehen jetzt, dass
wir mit den sogenannten asymmetrischen Bedrohungen von Gruppen, nicht
mehr Staaten gegen Staaten, nicht die abschließende Strategie
gefunden haben, wie wir dieses Tun einschränken. Wir haben latent
eine terroristische Gefahr. Es ist die neue große Bedrohung geworden
und die Weltgemeinschaft wird noch viel zusammen arbeiten müssen, um
zu lernen, wie man dieser Bedrohung abschließend begegnet.“

Angela Merkel betont dabei auch die Bedeutung und den Nutzen
stärkerer Kontrollen: „Ich bin bereit, stärkerer Kontrollen zu
akzeptieren. Wir haben Gesetze gemacht, die bis dahin ungeahnte
Einschnitte mit sich brachten. Einschnitte, die wir so nicht kannten.
Meine persönliche Sicht ist, dass das notwendig ist, um das hohe Gut
freiheitlichen Lebens für die große Mehrheit der Menschen
sicherzustellen.

Auf die Frage, ob der Einsturz der Türme des World Trade Centers
in etwa die gleiche emotionale Wucht für sie gehabt habe wie der
Mauerfall 1989, sagte die Kanzlerin: „Das ist anders, weil der
Mauerfall ein extrem positives Ereignis war, er hat völlig neue
Möglichkeiten eröffnet. Hier war es ein Ereignis mit einer großen
negativen Erfahrung, einer zerstörerischen Wirkung, dass
freiheitliche Staaten so verletzlich sind. Das wir eine neue Balance
zwischen Freiheit und Sicherheit finden müssen. Das andere war der
Sieg der Freiheit. Und hier war es, so zu sagen, der Angriff auf die
Freiheit. Aber es waren beides, wie ich glaube, fundamentale
Ereignisse.

Merkel weiter: „Der 11. September wird die Welt prägen und er hat
die Aufgaben, denen sich freiheitliche Demokratien gegenüber sehen
verändert.“

Achtung Sperrfrist: Zitate sind erst am 9. September ab 6:00 Uhr
zur Veröffentlichung freigegeben.

Quellenhinweis: RTL

Ausschnitte aus dem von RTL-Chefredakteur Peter Kloeppel geführtem
Interview sehen Sie am Freitag, 9. September, in „Punkt 6“ und „Punkt
9″, wo Peter Kloeppel auch zum Thema 9/11 als Studiogast zu sehen
sein wird und in „Punkt 12“, „RTL Aktuell“ und dem „RTL Nachtjournal“
sowie ab 7:00 Uhr auch bei n-tv.

Pressekontakt:
RTL Television GmbH
RTL-Kommunikation
Heike Schultz
Telefon: +49 221 456 74221
Fax: 0221 / 456 4290
heike.schultz@rtl.de

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