Das deutsche Corona-Desaster / Planung „Made in Germany“ scheint in der aktuellen Krise passé. Die Bundesbürger müssen einen hohen Preis für eine verfehlte Politik zahlen. Von Kristina Dunz

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Vergossene Milch bekommt man nicht mehr in die Kanne. Am besten wischt man sie schnell auf und wird aus Schaden klug. Wichtig ist, dass man es das nächste Mal besser macht. Dass in einer nie gekannten Pandemiekrise Dinge schieflaufen, ist klar. Nur, dass dieselben Fehler mehrfach gemacht werden, ist bitter. Dann wird es mit der Nachsicht schwieriger. Denn die Menschen leiden von Mal zu Mal mehr.

Im vorigen Sommer verstrichen die Ferien und die Zeit der niedrigen Inzidenzwerte, ohne dass sich Bund und Länder für den harten Herbst gewappnet hätten. Dabei hatten Virologen davor unermüdlich gewarnt. Auslandsreisen waren aber kein Problem, überhaupt war der Urlaub der Deutschen das beherrschende Thema der damaligen Wochen. Schulen blieben unterdessen ohne Lüftungsanlagen. Im September stieg die Zahl der Neuinfektionen wieder. Die zweite Corona-Welle rollte an. Der Lockdown im November sollte ein „Wellenbrecher“ werden, war aber so halbherzig, dass die Welle überschwappte und der Kurs ausgerechnet vor Weihnachten verschärft werden musste. Dabei wollten Kanzlerin und die Ministerpräsidenten genau das vermeiden.

Angela Merkel hatte immer gemahnt: Bis Ostern werde es eine anstrengende Zeit werden. Lockdown-Lockerungen seien erst ab einem Inzidenzwert unter 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen möglich, weil damit das Gesundheitssystem bleibe. Von MPK zu MPK hörten wir, dass wir noch einige wenige Wochen durchhalten müssten. Mit der wärmeren Jahreszeit, höherer Impfquote und mehr Tests werde die Pandemie eingedämmt.Doch dann kam die Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) am 3. März. Man musste kein Wissenschaftler und keine Epidemiologin sein, um die Beschlüsse als Gefahr für die nach vielen Monaten des Lockdowns so mühsam erzielten Erfolge zu begreifen. Der Inzidenz-Grenzwert wurde auf 100 verdoppelt, erste Öffnungsschritte wurden beschlossen – im Wissen um die anrollende dritte Corona-Welle, die grassierende britische Variante und der ebenso schlechten Impfquote wie Testpraxis.

Die Politik hatte die Kraft nicht mehr, den Öffnungsdruck auszuhalten. Und so ist zusammengefallen, was über Monate aufgebaut worden war. Anfang März war der 50er-Inzidenzwert greifbar nahe, nun liegt er bei über 100. Jetzt hauen Bund und Länder die Notbremse rein. Jetzt. Kurz vor Ostern. Wie im Dezember kurz vor Weihnachten. Deutschland bleibt im Lockdown-Modus. Dabei sollte Ostern doch neue Hoffnung aufkeimen. Nun heißt es, wenn wir Osterurlaub machen, fällt der Sommerurlaub flach. Das Problem der Politik ist nun aber: Glauben wir ihr noch? Fällt nicht sowieso alles ins Wasser, was wir erhofft hatten, auch wenn wir uns weiter anstrengen?

Deutsche können nach Mallorca fliegen, sollen aber auf gar keinen Fall im Inland Urlaub machen. Das ist absurd. Noch ist die gefährlichste Virusmutation, die brasilianische Variante, in Deutschland nicht verbreitet. Aber das ist wohl nur noch eine Frage der Zeit. Derweil ringen Bund und Länder darum, dass in allen Schulen und Kitas und Betrieben mit in Präsenz Beschäftigten zwei Mal pro Woche getestet wird. Auch das wäre zu wenig. Wie sehr die Menschen mitmachen und keinesfalls Corona bekommen wollen, konnte man an dem Ansturm auf die Discounter sehen, die für wenig Geld Schnelltests verkauften. Supermärkte führen Regierungen vor.

Alles ist teurer als regelmäßige Tests: Corona-Erkrankungen und ihre Langzeitfolgen, Kurzarbeit, Geschäftsschließungen, Vereinsamung alter Menschen, Verwahrlosung von Kindern. Das ist aber schon lange bekannt. Planung „Made in Germany“ erscheint in der Corona-Krise passé. Das ist mehr als vergossene Milch. Das ist ein Desaster.

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