DER STANDARD – Kommentar: „Rote Doppelmoral“ von Saskia Jungnikl

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Bei Martin Graf war Schluss mit lustig. Der Dritte
Nationalratspräsident könne nicht mehr auf die Stimmen der SPÖ bauen,
hieß es im Frühjahr vonseiten der Sozialdemokraten. Sie würden ihn
weder erneut zum Nationalratspräsidenten noch zum Volksanwalt machen.
Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (SPÖ) betonte, wie wenig es
ihr gefalle, dass Graf Mitglied einer Burschenschaft sei, und ließ
diverse Abwahlmöglichkeiten prüfen. Das Verhalten der Roten offenbart
eine interessante Doppelmoral. Vergangenen Donnerstag wurde Peter
Fichtenbauer (FPÖ) mit den Stimmen der SPÖ zum Volksanwalt gewählt.
Fichtenbauer ist schlagender Burschenschafter, genau wie Graf. Er ist
Mitglied des „Vereins zur Pflege des Grabes von Walter Nowotny“,
einem NSDAP-Mitglied und Major der deutschen Luftwaffe. Während die
Roten also über Graf und dessen rechte Ansichten jammern, geben sie
dem nächsten Burschenschafter ihre Stimme. Losgelöst von der
ideologischen Debatte, steht es einer Kanzlerpartei nicht gut zu
Gesicht, so herumzueiern. Gegen Burschenschafter zu trommeln, jene
aber gleichzeitig in hohe politische Ämter zu heben, ist
scheinheilig. Wählt die Nationalratspräsidentin danach, wie weit
rechts sie jemanden gefühlsmäßig sieht? Die Roten werten ihre Wahl
von Graf mittlerweile als Fehler, daraus hätte sich auch lernen
lassen. Dass sie nun erneut ähnlich wählen, schadet ihrer
Glaubwürdigkeit.

Rückfragehinweis:
Der Standard, Tel.: (01) 531 70/445

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