Die Kämpfe der Aktivistinnen in Vietnam

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Pham Doan Trang mit Gehstock (links) und Tran Thi Nga bei ihrer Festnahme
 

15.07.2019 (Forum Vietnam 21) – Eine neue Serie von Videointerviews beleuchtet die Perspektiven und Kämpfe von Frauen, die sich in Vietnam für Menschenrechte einsetzen.
Das 88 Project ist eine Organisation, die die freie Meinungsäußerung in Vietnam unterstützt und fördert, indem es die Geschichte vietnamesischer Aktivisten, die wegen ihres friedlichen Dissenses verfolgt werden, veröffentlicht und sich für sie einsetzt. In dem ersten von 88 Project geführten Videointerview (in Vietnamesisch mit engl. Untertitel) spricht Pham Doan Trang, Jahrgang 1978, eine dissidente Journalistin und politische Aktivistin, über Herausforderungen, mit denen die Frauen als Bloggerinnen und Menschenrechtsaktivistinnen in Vietnam konfrontiert sind. Pham Doan Trang steht seit Langem wie auch andere Dissidentent permanent im Fokus der Behörden.

„Im Allgemeinen werden vietnamesische Frauen nicht respektiert. Nicht nur im demokratischen Aktivismus, sondern in allen Bereichen. Im Demokratieaktivismus werden weibliche Aktivistinnen benachteiligt, da sie nicht weniger geschlagen und angegriffen werden als Aktivisten. Ihre Arbeit ist nicht weniger als die ihrer männlichen Gleichgesinnten. Aber was sie oft von anderen Leuten bekommen, ist Mitleid. Ich denke, es ist kein Respekt“.

Sie berichtet auch von einem Vorfall von Polizeibrutalität, der zu bleibendem Schaden an ihren beiden Beinen führte.

„Während einer Demonstration zum Schutz der Bäume und der Umwelt in Hanoi griffen sie mich an und brachen mir beide Beine“.

Weitere Frauen, darunter die Sozialaktivistin und Bloggerin Tran Thi Nga, die derzeit eine neunjährige Haftstrafe verbüßt, wurden nach körperlichen Angriffen, die häufig von angeheuerten Männern verübt wurden, ebenfalls schwer verletzt. Die Schlägertrupps tragen keine Uniform, sind oft maskiert, und sie schlagen richtig zu. Die Bürger sind völlig hilflos. Der Angriff auf Tran Thi Nga wurde durch ihre Mitstreiter dokumentiert und auf Youtube veröffentlicht. Berichten von Familienangehörigen zufolge wurde Tran Thi Nga nach ihrer Festnahme sowohl physisch als auch psychisch belästigt, da sie Morddrohungen und Schläge von Zellengenossinnen erhalten hatte.

Trotz der Herausforderungen, mit denen Menschenrechtsverteidigerinnen sowohl innerhalb als auch außerhalb des Gefängnisses konfrontiert sind, könnte es mehr Wirkung und Ausdruck verleihen, wenn viele Frauen sich an friedlichem Aktivismus beteiligen, sagte Pham Doan Trang.

„In einer Diktatur hat niemand die Freiheit, aber vor allem für Frauen vervielfacht sich der Mangel an Freiheit gegenüber Männern um ein Vielfaches. Denn Frauen sind nicht nur Opfer des Regimes in politischer Hinsicht, sondern auch Opfer von Geschlechterungleichheit und Selbstbeschränkung. Frauen halten sich zurück, da sie denken, dass sie für eine politische Karriere nicht geeignet sind und dass Politik Männersache ist“.

„Wir sollten denken, dass unser Kampf nicht nur gegen die Diktatur oder für die Befreiung Vietnams von einer Diktatur ist. Es ist auch ein Kampf, sich von den ideologischen Zwängen der Vorurteile zu befreien, die wir uns bis heute auferlegen“.

88 Project zufolge gibt es derzeit mehr als 200 gewaltlose politische Gefangene in Vietnam, davon sind über 30 Frauen.
Die Grundrechte sind zwar in der vietnamesischen Verfassung festgeschrieben, doch das Regime geht immer wieder gegen Andersdenkende vor. Blogger und Aktivisten werden häufig festgenommen und beschuldigt, „Propaganda gegen den Staat zu betreiben“ oder „Aktivitäten unternommen zu haben, um den Staat zu stürzen“. Laut Amnesty International hat die vietnamesische Regierung in den letzten Jahren verstärkt gegen die Meinungsfreiheit und den friedlichen Aktivismus vorgegangen.
In dem Jahresbericht 2018 über Menschenrechte und Demokratie in Vietnam äußerte die Europäische Union weiterhin ihre Sorge: „Mit der Einführung des im Juni 2018 verabschiedeten Cybersicherheitsgesetzes könnte die Meinungsfreiheit im Internet noch weiter unterdrückt werden“.

Mit mehr Aktivistinnen in Vietnam könnte das Potenzial von Frauen in der vietnamesischen Gesellschaft verdeutlicht werden, meinte Pham Doan Trang.

„Wenn Frauen Freiheit haben, können sie sich tiefgreifend entwickeln, und sie werden sehen, dass das Leben so schön ist, dass es viele Möglichkeiten gibt, viele Möglichkeiten, viele Dinge, die sie tun, entdecken und entwickeln können, um zur Entwicklung der Gesellschaft und der Menschheit beizutragen“. (tduong)

Videointerview: https://youtu.be/VEkTyA0QUDk

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