Duale Ausbildung: schöne Grüße ans Nirwana / Studie „Azubi-Recruiting Trends 2017“ zeigt: Ein Großteil der Azubi-Bewerber hat die Wahl, die Betriebe haben sich noch nicht auf die Situation eingestellt

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Die meisten Azubi-Bewerber können sich aktuell ihren Betrieb
aussuchen. Und die Unternehmen? Viele von ihnen reagieren überhaupt
nicht auf Bewerbungen oder vergraulen die Kandidaten mit wenig
durchdachten Anforderungen. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie
„Azubi-Recruiting Trends“. Für die von Prof. Dr. Christoph Beck
begleitete bundesweite Befragung zur dualen Ausbildung hat der
Solinger Ausbildungsspezialist u-form Testsysteme in diesem Jahr
2.635 Azubi-Bewerber und Auszubildende, 903
Ausbildungsverantwortliche und 150 Eltern befragt.

Betriebe als Bewerber

Noch immer fallen zahlreiche Bewerberinnen und Bewerber durchs
Raster der Ausbildungsbetriebe. Vor allem Schülerinnen und Schüler
mit schlechten Noten müssen zum Teil hart um einen Ausbildungsplatz
kämpfen. Die Studie „Azubi-Recruiting Trends 2017“ beleuchtet eine
ganz andere Seite des Ausbildungsmarkts: Für einen großen Teil ist
die Bewerbung zum Home Run geworden. Azubis wählen sich den
Ausbildungsbetrieb aus, bewerben müssen sich die Betriebe.

Vom Angebots- zum Nachfragemarkt

In einem Nachfragemarkt bestimmen die Nachfrager die Regeln. Die
Studie fördert zahlreiche Belege dafür zutage, dass sich die duale
Ausbildung in einen Nachfragemarkt verwandelt hat. So schreiben heute
46,4 % der Azubi-Bewerber weniger als sechs Bewerbungen, über 60 %
erhalten mehr als ein Ausbildungsplatzangebot. Die in den einzelnen
Phasen des Bewerbungsprozesses gezeigte Verbindlichkeit der
Kandidaten wird geringer. Aktuell erscheinen über 23 % der
eingeladenen Bewerber nicht zum Vorstellungsgespräch. Jeder zehnte
Azubi tritt die Ausbildung nicht an, obwohl er einen Vertrag
unterschrieben hat. Dazu tragen die langen Bewerbungsfristen bei:
54,8 % der Betriebe starten die Bewerbung um ihre Ausbildungsplätze
neun Monate vor Ausbildungsbeginn oder noch früher. Angesichts von
Alternativen und des langen Vorlaufs kommt der ein oder andere da ins
Wanken.

Anforderungsprofile mit unerwünschten Nebenwirkungen

Passen Bewerberkommunikation und Auswahlprozesse noch zu dieser
Lage? Zunächst fällt auf, dass für einen sehr großen Teil der
Azubi-Bewerber die Bewerbung einem „Gruß ans Nirwana“ gleichkommt.
45,4 % erhalten keine Rückmeldungen. Betriebe sollten in einem
Nachfragemarkt zudem besonders behutsam mit Forderungen umgehen, die
sie an die Bewerber stellen. Das Gegenteil ist der Fall:
Ausbildungsunternehmen nehmen ihre eigenen Anforderungsprofile nicht
ganz ernst. Bei 61,4 % der befragten Betriebe müssen „nicht alle“
Anforderungen erfüllt sein, damit sie eine Bewerbung berücksichtigen.
Azubis nehmen die in den Profilen beschriebenen Kriterien genauer:
19,1 % bewerben sich nur, wenn sie alle, 29,7 % wenn sie vier von
fünf Anforderungen erfüllen. Das heißt, dass einem großen Teil der
Ausbildungsbetriebe derzeit sehr viele potenzielle Bewerber verloren
gehen. Aussortiert werden dabei nicht die „falschen Bewerber“,
sondern solche, die genauer hinschauen. „Betriebe sollten sich daher
die Frage stellen, ob klassische Anforderungsprofile noch zeitgemäß
sind – und sich von Azubi-Wunschbildern wie dem –Fachinformatiker mit
guten Deutschnoten– verabschieden“, sagt Felicia Ullrich,
Geschäftsführerin von u-form Testsysteme und Initiatorin der Studie.

Punkten mit Sympathie und Schnelligkeit

Punkten könnten Ausbildungsbetriebe vor allem mit Gelegenheiten
zum persönlichen Kontakt. 74,5 % der Azubis finden Praktika „wichtig“
oder „sehr wichtig“, bei Probearbeiten sind es 71,1 %. Dagegen setzen
nur 50,8 % der Ausbildungsbetriebe Praktika „sehr häufig“ oder
„häufig“ ein, Probearbeiten bieten nur 30,8 % der Ausbildungsbetriebe
an. Überzeugt wird also offline, worauf die Tatsache hinweist, dass
„die gute Atmosphäre“ im Bewerbungsgespräch für 53,8 % der Azubis den
„letzten Kick“ für die Wahl des Ausbildungsbetriebs gibt. Online
informieren sich die Azubis vor allem per Suchmaschine (59,4 % nutzen
sie „häufig“ oder „sehr häufig“) oder Karrierewebsite (54,8 %). Weit
abgeschlagen sind wie in den Vorjahren Social Media-Kanäle wie
Snapchat oder Youtube (22,7 %).

Smartphone am Ausbildungsplatz? Ist egal.

„Die Hypothese, man könne die –Generation Snapchat– vor allem auf
Snapchat für die duale Ausbildung gewinnen, stellt also eine allzu
einfache Ableitung dar. Zitronenfalter falten ja auch keine
Zitronen“, sagt Prof. Dr. Christoph Beck. Als ebenso falsch erweist
sich die weit verbreitete Annahme, Azubis und ihre Smartphones seien
untrennbar miteinander verbunden. 61,9 % der Azubis betrachten es
nicht als Argument für einen Ausbildungsbetrieb, wenn sie ihr
privates Smartphone während der Arbeit benutzen dürfen, und 71,2 %
geben Ausbildungsbetrieben keine Pluspunkte, die ihnen ein mobiles
Endgerät spendieren. Aus der 2016er-Studie ist bekannt, dass
Azubi-Bewerber in dieser Hinsicht sinnvolle Zusatzausbildungen
bevorzugen.

Eltern – eine schwierige Zielgruppe

Erstmals wurden 2017 auch 150 Eltern in Live-Interviews auf der
Messe „Einstieg“ in Köln interviewt. Ein großer Teil zeigte eine
positive Einstellung zum eigenen Beruf, was die online befragten
Azubis im Hinblick auf die eigenen Eltern ebenfalls so sehen: 44,8 %
von ihnen stimmen der Aussage zu, der Beruf der Eltern scheine diesen
Spaß zu machen. Der positive Blick überträgt sich jedoch nicht in
eine Vorbildfunktion der Eltern: Höchstens jeder zehnte Azubi fühlt
sich von der Berufs- oder Arbeitgeberwahl der Mutter oder des Vaters
inspiriert. Eltern machen trotz der generellen Zufriedenheit durchaus
Defizite im eigenen Berufsleben aus und wünschen sich für die Kinder
etwas Besseres. Die Folge: Die Ansprüche an die Berufswahl des
Nachwuchses steigen – und mit ihnen die elterliche Unsicherheit beim
Thema Ausbildung.

Partner der Studie

Die Studie „Azubi-Recruiting Trends“ hat u-form Testsysteme in
diesem Jahr zum achten Mal durchgeführt. Wie schon 2016 hat Prof. Dr.
Christoph Beck die wichtigste mehrperspektivische Untersuchung zur
dualen Ausbildung wissenschaftlich begleitet. Beck lehrt
Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Human Resources Management
an der Hochschule Koblenz und ist Herausgeber des Standardwerks
Ausbildungsmarketing 2.0. Die Einstieg GmbH hat als Sourcingpartner
die „Azubi-Recruiting Trends 2017“ unterstützt. Neben der
branchenübergreifenden Edition der Studie erscheint in Kürze auch
eine „Branchenedition Maschinenbau“ – in Zusammenarbeit mit dem
Medienpartner MM MaschinenMarkt. Gemeinsam mit dem „Behördenspiegel“
gibt u-form Testsysteme 2017 zudem erstmals die „Branchenedition
Public Sector“ heraus.

www.testsysteme.de/studie

Über den Sourcingpartner Einstieg GmbH

Die Einstieg GmbH bietet Messen, Bildungsmedien und Beratung für
junge Menschen, die den Einstieg in die berufliche Zukunft planen,
und unterstützt Unternehmen und Hochschulen bei der Nachwuchssuche.
Auf den sieben bundesweiten Einstieg Messen, den zwei regionalen
„Berufe live“-Messen, auf Einstieg.com und im Einstieg Magazin
informieren sich Jugendliche, Eltern und Lehrer zu Ausbildung und
Studium. Die Einstieg GmbH ist ein unabhängiges, inhabergeführtes
Unternehmen mit Sitz in Köln. Geschäftsführer ist Christian
Langkafel. (www.einstieg.com) Für Unternehmen und Hochschulen bietet
die hausinterne Agentur für Azubi- und Studentenmarketing Jugendstil
Lösungen für Rekrutierungsaufgaben. (www.agentur-jugendstil.com)

Über die u-form Gruppe

Der U-Form-Verlag bietet Materialien zur Vorbereitung auf
IHK-Prüfungen. Das Solinger Familienunternehmen ist seit über 40
Jahren Partner der Industrie- und Handelskammern. Die u-form
Testsysteme GmbH & Co. KG wurde 2007 aus dem Verlag ausgegliedert.
Unternehmen profitieren von den über 30 verschiedenen praxisnahen und
tätigkeitsbezogenen Einstellungstests des Unternehmens. Mit opta3
bietet es eine moderne Plattform für Online-Einstellungstests und in
Form des „Bewerbernavigators“ ein elektronisches
Bewerbermanagementsystem. Beide Lösungen sind passgenau auf den
Bedarf von ausbildenden Organisationen zugeschnitten. Das Unternehmen
fördert Austausch und Wissen zum Thema Rekrutierung von
Auszubildenden, zum Beispiel durch die regelmäßig erscheinende Studie
„Azubi-Recruiting Trends“. Die Geschäftsführerin Felicia Ullrich hat
sich in den vergangenen Jahren bundesweit als Keynotespeakerin zu
Ausbildungsthemen einen Namen gemacht. Zu den Kunden von u-form
Testsysteme zählen namhafte Unternehmen wie Dräger, Festo, Ford,
Henkel, Merck, Obi und TUI. Der U-Form-Verlag wurde als
Ausbildungsbetrieb 2015 mit dem „Bergischen Ausbildungspreis“
ausgezeichnet, dem Ausbildungs-Oscar des bergischen Städtedreiecks.

www.testsysteme.de
www.u-form.de

Pressekontakt:
u-form Testsysteme
Geschäftsführung
Felicia Ullrich
Klauberger Straße 1
42651 Solingen
Telefon: 0212 2604980
E-Mail: f.ullrich ( ) testsysteme.de

Original-Content von: u-form Testsysteme GmbH & Co KG, übermittelt durch news aktuell

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