EKD in Corona-Krise: Jeder kann helfen in seinem Umfeld

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EKD in Corona-Krise: Jeder kann helfen in seinem Umfeld

Ratsvorsitzender offen für besondere Einschränkungen für Risikogruppen – „Wenn die Wirtschaft einbricht, wird auch damit viel Leid verbunden sein“

Osnabrück. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, hat zu Ostern dazu aufgerufen, im Kampf gegen das Coronavirus immer die Würde des Menschen im Blick zu behalten. In einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ) zeigte er sich zugleich offen für die Überlegung, Risikogruppen wie alte Menschen durch Maßnahmen zu schützen, die für andere Kreise der Bevölkerung nicht gelten.

„Das oberste Ziel muss es sein, Leben zu retten, unabhängig von der Altersgruppe und unabhängig von der wirtschaftlichen Produktivität eines Menschen. In einer Gesellschaft so zu handeln ist ein Zeichen von Humanität“, sagte Bedford-Strohm. Zugleich sei zu fragen: „Welche Wirkungen haben der wirtschaftliche, der kommunikative und auch der soziale Stillstand? Wie wirkt er sich aus auf die Psyche? Wenn die Wirtschaft einbricht, wird auch damit viel Leid verbunden sein“, sagte der Theologe, der vor seiner Zeit im Rat der EKD als Universitätsprofessor mit dem Schwerpunkt Ethik wirkte.

„Was nicht passieren darf, ist, dass alte Menschen keine Kontaktmöglichkeiten mehr haben“, gab der Landesbischof von Bayern zu bedenken. „Die Würde der Menschen, die von besonderen Einschränkungen betroffen wären, darf nicht aus dem Blick geraten.“ Geeignete Mittel, Kontakt zu halten, fänden sich auch außerhalb der digitalen Welt, sagte er und erinnerte an Telefonketten oder klassische Briefe.

Bedford-Strohm regte an, dass jeder in seinem persönlichen Umfeld prüfen könne, wie er neben sozialen auch wirtschaftliche Sorgen mildern könne. „Wo kann ich selbst Solidarität mit anderen leisten, wenn ich dazu in der Lage bin? Wenn etwa Künstlerinnen und Künstler nicht mehr engagiert werden, hilft es, wenn Menschen sagen, ich fordere das Geld für meine Konzertkarte nicht zurück.“ Gleiches könne für den Beitrag im Fitnessstudio oder eines Vereins gelten.

Bedford-Strohm sprach sich dafür aus, wohlhabende Bürger finanziell stärker heranzuziehen. „Wem es gut geht, so wie mir, der sollte sich darauf einstellen, nach der Krise seinen Beitrag zu leisten, um die Folgen zu bewältigen.“ Von einer Reichenabgabe wollte er allerdings nicht sprechen. „Da sollen die Experten bewerten, was nützlich ist und was vielleicht auch kontraproduktiv.“

Der Theologe hält es für möglich, dass die Demokratie in Deutschland gestärkt aus der Corona-Krise hervorgeht. „Ich sehe die Chance, dass durch die Erfahrung der aktuellen sachorientierten und verantwortlichen Suche nach Lösungen ein Gewinn an politischer Kultur auch nach der Krise erwachsen könnte“, sagte er. „Denken Sie an die Debatten, die es vor Corona gab, an die Angriffe und Schmähungen von handelnden Akteuren und Instanzen etwa in den sozialen Netzwerken.“ Davon sei nicht viel geblieben. „Die Demokratie zeigt gerade in Deutschland, wie stark sie ist.“

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EKD: Trotz Corona anderes Leid im Blick behalten

Ratsvorsitzender Bedford-Strohm mahnt Humanität in Flüchtlingspolitik an

Osnabrück. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat vor Ostern dazu aufgerufen, trotz der Corona-Krise im eigenen Land den Blick für das Leid in aller Welt nicht zu verlieren. In einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ) sagte der Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm, „alle Menschen sind vor Gott gleich – auch die, die unter der Heuschreckenplage in Ostafrika oder in den Flüchtlingslagern der Welt leiden“. Es sei wichtig, nicht nur die Probleme in Deutschland und Europa zu betrachten. „Auch jetzt dürfen wir Menschen, denen es noch schlechter geht, nicht aus dem Blick verlieren“, mahnte der Bischof.

Bedford-Strohm kritisierte „sehr deutlich, dass Deutschland seine Zusage, gemeinsam mit anderen europäischen Staaten 1500 Kinder aus Moria auf Lesbos auszufliegen, bis heute nicht erfüllt hat“. Die angekündigte Aufnahme von 50 Minderjährigen könne „nur ein erster Schritt“ sein.

Ein Sea-Watch-Schiff zur Flüchtlingsrettung, zu dessen Trägern die EKD zählt, wird derweil vorerst nicht auslaufen. Die Ausbreitung des Coronavirus habe das Projekt gebremst. „Das Schiff ist noch in Spanien in der Werft und auch bereits ein Stück weit umgebaut worden“, sagte Bedford-Strohm. Es fehlten aber Materialien, die wegen der Krise derzeit nicht zugänglich seien, und natürlich stocke auch der normale Arbeitsbetrieb dort. Bedford-Strohm zeigte sich allerdings überzeugt: „Das Schiff wird ins Mittelmeer fahren und Flüchtlinge retten. Das wird auch Corona nicht verhindern.“

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