FZ: Nacht- und Nebelaktion
Kommentar der Fuldaer Zeitung zum Atomausstieg

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Der Tsunami, der den Super-GAU im japanischen
Fukushima auslöste, hat auch die Machtbasis von Schwarz-Gelb in den
Grundfesten erschüttert. Hektisch rudert die Bundesregierung, die
erst im Herbst längere Atomlaufzeiten beschlossen und den breiten
gesellschaftlichen Konsens über das Ende der Kernenergienutzung in
Deutschland aufgekündigt hatte, seither zurück. Ob die Energiewende
nun aus reinem Machtkalkül oder ob neuer Einsichten nach der
Katastrophe im Land der aufgehenden Sonne erfolgt: Was Merkel und Co.
jetzt in einer Nacht- und Nebelaktion auf den Weg gebracht haben,
kann niemanden recht überzeugen. Bei ihrer Kehrtwende erweckt die
Koalition vielmehr den Eindruck, den Gaul wieder einmal beim Schwanz
aufzäumen zu wollen. Wie eine Monstranz trägt sie das endgültig
endgültige Ausstiegsdatum vor sich her, hat aber noch keinen blassen
Schimmer, wie der Weg bis dahin beschritten werden soll. Mehr Strom
aus regenerativen Energiequellen, Milliardeninvestitionen in neue
Stromtrassen, der Bau moderner Gas-Kraftwerke bei gleichzeitiger
Steigerung der Energieeffizienz – so lautet das Credo, mit dem die
Kanzlerin Deutschland zum Vorreiter in der Welt machen will. Auf dem
Papier liest sich das prima, inwieweit Energie auch in Zukunft sicher
und bezahlbar für Haushalte und Unternehmen zur Verfügung gestellt
werden kann, das wird jedoch zur Schicksalsfrage über Sein oder
Nichtsein. Ein Glaubwürdigkeitsproblem ergibt sich auch aus der
zeitlichen Festlegung: Wenn Fukushima tatsächlich zum radikalen
Umdenken geführt hat, warum wird der Ausstieg dann nicht forciert?
Mit seinem Konzept bewegt sich Schwarz-Gelb lediglich auf dem
einstigen Niveau von Rot-Grün. Vor fast genau zehn Jahren wurde der
zwischen der Regierung Schröder und den Energieriesen ausgehandelte
Atomkonsens mit Gesamtlaufzeiten von etwa 32 Jahren für jeden der 17
deutschen Atommeiler unterschrieben. Seither hat sich die
Neue-Energien-Branche rasant weiterentwickelt, die Stromausbeute aus
Sonne und Wind deutlich gesteigert und die Kosten je erzeugter
Kilowattstunde drastisch gesenkt. Was Union und Liberale in Berlin
feierlich zelebrieren, ist in Wahrheit nur alter Wein in neuen
Schläuchen.

Pressekontakt:
Fuldaer Zeitung
Christof Völlinger
Telefon: 0661 280-334
christof.voellinger@fuldaerzeitung.de

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