Gewalt im Pflegeheim ist ein relevantes Problem

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Das ZQP hat Pflegekräfte zum Thema Gewalt gegen
Pflegebedürftige befragt. 47 Prozent sind demnach der Meinung, dass
der Umgang mit Konflikten, Aggression und Gewalt die stationäre
Pflege besonders herausfordert. Wenn es um kritisches Handeln von
Pflegenden gegen Bewohner geht, werden verbale Übergriffe und
Vernachlässigung als am häufigsten beschrieben.

Gewalt in der Pflege ist ein brisantes Thema. Sowohl Pflegende als
auch Pflegebedürftige können gewaltsam handeln. Vielfach geschieht
dies ohne Vorsatz. Dabei können die Folgen für Betroffene gravierend
sein. Pflegebedürftige, die sich oft schlecht wehren oder nur schwer
mitteilen können, sind besonders verletzlich. Gewalt bedeutet für sie
zum Beispiel, dass sie beschimpft oder hart angefasst werden, ihnen
dringende Hilfe vorenthalten oder ihr Selbstbestimmungsrecht
missachtet wird. Hiervor müssen sie wirksam geschützt werden.

Der Vorstandsvorsitzende des Zentrums für Qualität in der Pflege
(ZQP), Dr. Ralf Suhr, betont daher: „Gewaltprävention ist
Grundvoraussetzung für gute Pflege. Umso schwerwiegender, dass dies
aktuell bei der Bewertung und Darstellung von Pflegequalität kaum
beachtet wird. Die Politik muss sicherstellen, dass sich mit der
Reform der Pflegenoten hier etwas grundlegend ändert.
Gewaltprävention muss zentraler Punkt der pflegepolitischen Agenda
nach der Bundestagswahl sein.“

Um neue Anhaltspunkte zur Bedeutung des Themas in der
professionellen Pflege zu gewinnen, hat das ZQP eine repräsentative
Befragung dazu in der stationären Pflege durchgeführt. 47 Prozent der
Pflegedienstleitungen und Qualitätsbeauftragten gaben dabei an, dass
sie „Konflikte, Aggression und Gewalt in der Pflege“ für ein Thema
halten, das die stationären Pflegeeinrichtungen vor ganz besondere
Herausforderungen stellt.

Nach Einschätzung der Befragten zeigt sich Gewalt professioneller
Pflegekräfte gegen Pflegebedürftige am häufigsten in verbalen
Übergriffen (oft: 2 %, gelegentlich: 23 %, selten: 55 %),
Vernachlässigung (oft: 2 %, gelegentlich: 17 %, selten: 39 %),
körperlicher Gewalt (oft: 1 %, gelegentlich: 7 %, selten: 38 %) und
freiheitsentziehenden Maßnahmen gegen den Willen des
Pflegebedürftigen (oft: 4 %, gelegentlich: 5 %, selten: 25 %).

Ralf Suhr dazu: „Mit unserem Befragungskonzept nehmen wir zwar in
Kauf, dass die Studie das Problem sehr wahrscheinlich unterschätzt.
Die Ergebnisse verdeutlichen deswegen aber umso mehr, dass Gewalt in
der Pflege nicht ignoriert werden darf. Wir brauchen eine Kultur des
Hinsehens, nicht der Skandalisierung. Wer Gewaltprävention ernst
nimmt, muss auf die Entstehungsbedingungen wie Überforderung oder
Wissensdefizite aktiv Einfluss nehmen.“

Die Studie schaut auch auf die Rahmenbedingungen zur
Gewaltprävention in den Einrichtungen. 46 Prozent der Befragten gaben
an, dass es in ihren Heimen kein speziell zur Vorbeugung und für den
Umgang mit Aggression und Gewalt geschultes Personal gibt. 28 Prozent
berichteten, dass Gewaltvorkommnisse nicht in einem
Fehlerberichtssystem angegeben werden können. In 20 Prozent der
Einrichtungen ist das Thema nicht ausdrücklich Bestandteil des
Qualitätsmanagements. Für ganz besonders wichtig für erfolgreiche
Gewaltprävention halten die verantwortlichen Pflegekräfte vor allem
eine Fehlerkultur in der Einrichtung (74 %), den Einsatz von mehr
Pflegepersonal (50 %) aber auch eine bessere fachliche Ausbildung der
Pflegekräfte zu den Themen Konflikte, Aggression und Gewalt sowie
spezifische Unterstützungsprogramme (je 44 %).

„Viele Einrichtungen leben engagiert vor, dass Gewaltprävention
funktioniert. In der Praxis gibt es hierfür gute Ansatzpunkte. Dazu
gehört der Einsatz wirksamer Alternativen zu den belastenden und
gefährlichen freiheitsentziehenden Maßnahmen. Auch bei der
Fehlerkultur und einer gewaltsensiblen Qualitätssicherung gibt es
Gestaltungsmöglichkeiten. Einrichtungen, die hierbei erfolgreich
sind, müssen stärker belohnt und als vorbildlich hervorgehoben
werden“, betont Suhr.

Zum Thema Gewaltprävention in der Pflege hält das ZQP kostenlose
Informationsangebote bereit. Dazu gehört der Report „Gewaltprävention
in der Pflege“, der per E-Mail an bestellung@zqp.de kostenlos
bestellt werden kann. Das ZQP-Portal www.pflege-gewalt.de bietet
unter anderem aktuelle Notrufnummern, an die sich jeder in
problematischen Pflegesituationen wenden kann.

Methodik

Die Studie wurde als computergestützte Telefonbefragung (CATI)
durchgeführt. Befragt wurden Pflegedienstleitungen und
Qualitätsbeauftragte in stationären Einrichtungen. Die Stichprobe
umfasst 250 Befragte aus 250 verschiedenen Einrichtungen. Die Dienste
und Einrichtungen wurden aus einer Liste der Grundgesamtheit per
Zufallsauswahl selektiert. Die Befragung wurde in der Zeit vom 26.
April bis 18. Mai 2017 durchgeführt. Um Abweichungen von der
Grundgesamtheit auszugleichen, die durch differenzielle
Nichtteilnahme entstehen, wurde die Stichprobe nach Kombination von
Trägerschaft (privat; freigemeinnützig/öffentlich) und Anzahl der
betreuten Pflegebedürftigen (bis 50; 51-100; über 100) gewichtet.
Hierfür wurde die Pflegestatistik 2015 (Statistisches Bundesamt,
2017) herangezogen. Die Werte der Gewichte reichen von 0,70 bis 2,35.
Die statistische Fehlertoleranz der Untersuchung in der
Gesamtstichprobe liegt bei +/- 6 Prozentpunkten.

Pressekontakt:
Torben Lenz
Tel.: 030-275 93 95 15
E-Mail: torben.lenz@zqp.de

Original-Content von: Stiftung Zentrum f?r Qualit?t in der Pflege, übermittelt durch news aktuell

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