Heilbronner Stimme: Antisemitismusbeauftragter: Auf vielen Veranstaltungen mit gezielten Störern konfrontiert – „Jede Menge Post voller Hass“ – Pessimismus in jüdischen Gemeinden nimmt zu

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Der Antisemitismus-Beauftragte des Landes
Baden-Württemberg, Michael Blume, berichtet über gezielte Störungen
seiner Auftritte und zunehmende Hass-Post, die an ihn gerichtet ist.
Blume sagte im Interview mit der „Heilbronner Stimme“ (Donnerstag):
„Ich bin bei vielen Veranstaltungen mit gezielten Störern
konfrontiert, die sich vorher verabredet haben. Ich bekomme auch jede
Menge Post voller Hass und Beleidigungen. Als Mensch muss ich immer
wieder darauf achten, dass der Hass nicht in mein Herz eindringt.“

Er stellt auch zunehmenden Pessimismus in jüdischen Gemeinden
fest. Blume: „Heute verstehe ich viel besser, wie wichtig es ist,
dass sich ein nichtjüdischer Beauftragter an die Seite der Juden
stellt. Vor Jahren waren die jüdischen Gemeinden noch optimistisch,
glaubten, hier sicher zu sein. Nun fragen sich immer mehr, ob sie in
Deutschland noch eine Zukunft haben. Ich kann nur an alle
appellieren: Wenn wir es zulassen, dass eine religiöse Minderheit aus
unserer Mitte vertrieben wird, dann ist niemand mehr von uns sicher.
Der Hass wird dann ja nicht aufhören.“

Besonders bedenklich findet er die Entwicklung im Netz. Blume:
„Das Internet wirkt als Angst- und Wutverstärker.“ Er fügte hinzu:
„Der Antisemitismus, wie wir ihn heute erleben, ist Ausdruck einer
Medienkrise. Neue Medien wurden auch historisch betrachtet immer von
Populisten missbraucht, wir Demokraten stellen uns aber oft zu
langsam auf die damit verbundenen Umwälzungen ein. So haben wir ein
massives Anwachsen des Antisemitismus mit Einführung des Buchdrucks
erlebt, das Gewaltregime der Nazis wurde durch Radio und Film
befördert. Noch immer reagieren wir zu langsam. Russland, China und
die USA dominieren den Markt der digitalen Medien, Europa hinkt
hinterher. Das führt dazu, dass ein großer Teil der Werbeeinnahmen
nicht hier bleibt. Freie, seriöse und lokale Medien sind aber die
Grundlage unserer Demokratie, sie gehören unterstützt.“

Blume fordert eine „gemeinsame europäische Vorgabe für die
Durchsetzung von Regeln“. „Auf Facebook werden blanke Brüste sofort
gelöscht, aber der Holocaust darf geleugnet werden, ohne dass etwas
passiert. Facebook fordert Kritiker dazu auf: Macht doch eine
Gegenrede! Wir Demokraten sollen die Konzerne und Trolle also auch
noch für Hass belohnen? Das kann nicht ernsthaft die Antwort auf das
Problem sein. Als Gesellschaft sollten wir erkennen, dass wir unsere
eigenen, funktionierenden Medien beschädigen, wenn wir den Diskurs
einem US-Konzern überlassen, bei dem man sogar mit Fake-Profilen
Beleidigungen loswerden kann. Das Ergebnis wird sonst sein: Weniger
Demokratie und noch mehr Hass.“

Pressekontakt:
Heilbronner Stimme
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politik@stimme.de

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