Hoppe: „Wettbewerb um moderne Versorgungsformen ist das Gebot der Stunde“ / 114. DeutscherÄrztetag in Kiel eröffnet

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Kiel, 31.05.2011 – „Keiner, der ernst genommen
werden will, leugnet noch, dass es Rationierung in der Versorgung
gibt und einen Mangel an Arztstunden. Ganz im Gegenteil, der
Wettbewerb um moderne Versorgungsformen ist das Gebot der Stunde. Das
war noch vor wenigen Jahren undenkbar.“ Das sagte Prof. Dr.
Jörg-Dietrich Hoppe, Präsident der Bundesärztekammer, bei der
heutigen Eröffnung des 114. Deutschen Ärztetages in Kiel. In diesem
Zusammenhang begrüßte der BÄK-Präsident die von der Bundesregierung
vorgelegten Pläne für ein sogenanntes Versorgungsstrukturgesetz
grundsätzlich. „Wir finden dort Ideen wieder, die zukunftsfähig
sind.“ Allerdings seien weitreichendere Reformen notwendig, um den
grassierenden Ärztemangel in Deutschland wirksam zu bekämpfen. Hoppe
verwies in diesem Zusammenhang auf die schlechten Arbeitsbedingungen,
unter denen Ärztinnen und Ärzte in Klinik und Praxis ihrer täglichen
Arbeit nachgehen müssten. „Zu oft noch sind Familie und Beruf nicht
miteinander vereinbar. Und immer noch treibt der Bürokratiewahn
selbst hartgesottene Ärzte frühzeitig aus der Niederlassung.“ Im
Beisein von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr forderte Hoppe
zudem eine stärkere Beteiligung der Ärztekammern bei der ärztlichen
Bedarfsplanung im Versorgungsstrukturgesetz zu verankern. „Nur die
Ärztekammern können das zentrale Bindeglied zwischen allen Ebenen der
ärztlichen Versorgung bilden. Dringend reformiert werden müsse nach
den Worten Hoppes auch die amtliche Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ),
nach der privatärztliche Leistungen abgerechnet werden. „Zu lange
schon bietet die GOÄ keine wirkliche Rechtssicherheit mehr und zu
lange schon werden wir wegen der notwendigen Interpretationen und
Analogbestimmungen in eine kriminelle Ecke gestellt“, kritisierte
Hoppe. Die BÄK habe nach jahrelanger Vorarbeit hierfür einen
betriebswirtschaftlich sauber durchkalkulierten Vorschlag gemacht.
„Wir brauchen die Reform der Gebührenordnung jetzt, in dieser
Legislaturperiode, auf der Basis unseres Vorschlags und ohne
Öffnungsklausel“, forderte Hoppe. Hoppe appellierte bei der
Ärztetagseröffnung aber auch an seine ärztlichen Kollegen, sich den
Herausforderungen der Zukunft zu stellen. Konkret forderte er die
Ärztinnen und Ärzte zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit
sogenannten individuellen Gesundheitsleistungen auf. Hoppe betonte,
es sei nicht immer leicht, „eine genaue Grenze zu ziehen, zwischen
dem, was medizinisch notwendig ist, und dem, was von den Patienten
als Wunschleistung gefordert und auch noch ärztlich empfehlenswert
und vertretbar ist“. Es dürfe aber auf gar keinen Fall der Eindruck
entstehen, bei IGeL-Leistungen gehe es nur um zusätzliche Einnahmen.
Merkantilen Irritationen in der Arztpraxis müsse mit allem Nachdruck
begegnet werden. „Ich fordere alle meine Kollegen in den Ärztekammern
auf, dies auf der Grundlage der 2006 vom Deutschen Ärztetag
verabschiedeten Regeln für das Erbringen von individuellen
Gesundheitsleistungen mit aller Konsequenz zu verfolgen.“ Noch bis
zum kommenden Freitag (03.06.2011) werden die 250 Delegierten des
Deutschen Ärztetages in Kiel über gesundheits- und berufspolitische
Themen diskutieren.

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