Konferenz über Klimawandel

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Ein Forum für nichtstaatliche Organisationen hilft Taiwan dabei, von den internationalen Bemühungen um die globale Erwärmung zu bekämpfen zu lernen und selber einen Beitrag zu leisten.

In der Woche vor einer internationalen Konferenz zum Klimawandel für Nichtregierungsorganisationen (NGO) im August dieses Jahres war Annie Chang (張琬琪) voller Vorfreude und Aufregung. Das jährliche Forum in Taipei über das Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (UNFCCC) ist von großer Bedeutung für lokale NGOs, erklärt sie, da sie ihnen die Möglichkeit gibt, ihre Erkenntnisse mit Vertretern von bedeutenden, internationalen Gruppen zu teilen. „Natürlich ist die Teilnahme an einer der Sitzungen ein wenig nervenaufreibend“, sagt der Forscher von der Stiftung für die Förderung und Entwicklung der Frauenrechte, einer taiwanischen Organisation, die 1998 gegründet wurde. „Aber insgesamt bin ich begeistert, die Gelegenheit zu haben, über unsere Erfahrungen zu diskutieren, unsere Erfahrungen und einen Meinungsaustausch über den Klimawandel zu erleben“.

Das UNFCCC-NGO-Forum, gemeinsam organisiert vom Ministerium für auswärtige Angelegenheiten und der „Cabinet-Level-Environmental Protection Administration (EPA), gehören zu einer Reihe von regelmäßigen Veranstaltungen, die Taiwan dabei helfen, mit den internationalen Bemühungen zur Bekämpfung der globalen Erwärmung verbunden zu bleiben. Aufgrund seines einzigartigen Status in der internationalen Gemeinschaft ist die Republik China (ROC) kein Mitglied der Vereinten Nationen und ist daher auch kein Unterzeichner des UNFCCC, eines Umweltvertrages zur Bekämpfung des Klimawandels. Als Ergebnis nehmen offizielle Vertreter aus Taiwan nicht teil an UNFCCC-Konferenzen.

Das jährliche Forum in Taipei ermöglicht lokalen NGOs, von den internationalen Bemühungen gegen die globale Erwärmung zu lernen und sie zu unterstützen. Auf dem diesjährigen Seminar nahm Chang an einer Sitzung zur Untersuchung der Zusammenhänge zwischen Geschlechtergleichstellung und Klimawandel teil, zusammen mit Vertretern der internationalen Nichtregierungsorganisationen, einschließlich Bridget Burns, Interessenvertretung und Kommunikations- Leiterin der amerikanischen „Women’s Environmental & Development Organization (WEDO).

„Durch Kontakte mit lokalen Gender-Rechtsgruppen sind wir in der Lage, ihre Anschauungen in die „Women and Gender Constituency“ zu integrieren, so dass sie bei der UNFCCC einfließen können und Teil werden, bei dem Ruf der Frauen für Klimagerechtigkeit“, sagt Burns. Die WEDO ist eine der 15 Organisationen in der „Women and Gender Constituency“-Gruppe, einer Interessengruppe, die sicherstellen möchte, dass die Stimmen und Rechte von Frauen in die UNFCCC-Rahmenarbeit einfließen. „Ich bin froh, dass es ein Bewusstsein auf hoher Ebene für die Zusammenhänge zwischen Geschlechtergleichstellung und Klimawandel in Taiwan gibt“, so Burns.

Während der Sitzung hob Chang die lokale NGO „Housemakers United Foundation“ als ein hervorragendes Beispiel für die Wirksamkeit von Frauengruppen in der Bekämpfung des Klimawandels hervor. Als eine bekannte Umwelt-Interessensorganisation, welche im Jahr 1989 gegründet wurde, fördert die Stiftung die Einführung von umweltfreundlichen Lebensstilen durch die Veröffentlichung von Handbüchern und Kursangeboten, sowie durch andere Maßnahmen.

Chang erklärte auf dem Forum, dass Frauen unverhältnismäßig stark von Naturkatastrophen betroffen sind, und dass Frauen sich im Durchschnitt mehr für Umweltfragen interessieren. Daher rief sie Regierungen und NGOs auf, „die am meisten Betroffenen in das Grundgerüst aufzunehmen“, in den Bemühungen, die globale Erwärmung zu bekämpfen. „Frauen können positive Akteure des Wandels sein, aufgrund ihrer Fähigkeit, Mitglieder ihrer Gemeinschaft zusammenzubringen“, sagte sie.

Das diesjährige NGO-Forum beinhaltete auch Sitzungen über die Auswirkungen des Klimawandels auf die öffentliche Gesundheit und indigene Gruppen. Während der Diskussion wies der schwedische Gelehrte Jan C. Semenza vom „European Centre for Disease Prevention and Control“, einer EU-Behörde zur Verbesserung des Schutzes der Region gegen Infektionskrankheiten, einen Zusammenhang zwischen globaler Erwärmung und der Verbreitung von Krankheiten wie West-Nil-Fieber in Europa auf.

Darüber hinaus unterstrich Wu Pei-chih (吳佩芝), ein Außerordentlicher Professor der Abteilung für Sicherheit und Gesundheitsschutz an der Chang Jung Christian University im Süden von Tainan City, die Korrelation zwischen steigenden Temperaturen und Luftverschmutzung, sowie die wachsende Gefahr von Dengue-Fieber, welches sich nach sich Nordtaiwan ausbreitet. Bislang tauchte die von Moskitos übertragene Krankheit nur im Süden des Landes auf.

Auf der letzten Sitzung des diesjährigen Forums wies Chang Shan-nan (張善楠), Direktor des Nationalmuseums für Vorgeschichte im Südosten Taiwans Landkreis Taitung, darauf hin, dass die indigenen Völker sowohl im Inland und auf der ganzen Welt zu den von den Auswirkungen der globalen Erwärmung am stärksten betroffenen Gruppen gehören. „Bei der Diskussion über den Klimawandel, müssen wir auch über Umweltgerechtigkeit reflektieren,“ sagte Chang während der Veranstaltung. „Wir sollten uns auch von der umweltfreundlichen Lebensweise der indigenen Gemeinschaften inspirieren lassen.“

Valmaine Toki, ein indigener Wissenschaftler aus Neuseeland, bekräftigte diese Gedanken. „Die Integration von sowohl traditioneller Weisheit und neuen Technologien, um auf die Auswirkungen des Klimawandels zu reagieren, bietet Platz für neue Partnerschaften und innovative Denkweisen“, sagte der Dozent der Rechtswissenschaften an der Universität von Waikato in Hamilton, Neuseeland. Toki dient auch als Mitglied des „Permanent Forum on Indigenous Issues“ der Vereinten Nationen, einem Beratungsgremium des UN-Wirtschafts- und Sozialrats.

Das UNFCCC-NGO-Forum 2015, welches von sechs ausländischen Experten mit engen Verbindungen zu den Vereinten Nationen und anderen internationalen Organisationen besucht wurde, bot auch Gelegenheit, die von Taiwan erlassenen Gesetze und Initiativen zur Bekämpfung der globalen Erwärmung zu erkunden. Insbesondere gab es auf der diesjährigen Veranstaltung erhebliche Diskussionen über das neue „Greenhouse Gas Emission Reduction and Management“-Gesetz. Das Gesetz, das von der Legislative am 15. Juni verabschiedet wurde, ist ein wichtiger Meilenstein in den Bemühungen der Regierung zur Bekämpfung des Klimawandels.

„Dieses Gesetz bringt das Land mehr in Einklang mit den internationalen Bemühungen“, sagt EPA-Minister Wei Kuo-yen (魏國彥). Das Gesetz verspricht, die Entwicklung des grünen Technologiesektors zu steigern, und gleichzeitig Taiwans Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, da Kohlenstoff-Emissionen zunehmend als potenzielles Hindernis für den internationalen Handel anzusehen sind, fügt der Minister hinzu.

Auf dem UNFCCC-NGO-Forum lobten Beamte des American Institute in Taiwan, des British Büro Taipei und des Europäischen Wirtschafts- und Handelsbüros in Taiwan, welche die Interessen der USA, Großbritannien und der EU in Ermangelung formaler diplomatischer Beziehungen vertreten, die neue Gesetzgebung. Bei der Veranstaltungseröffnung hat der stellvertretende Vertreter des British Büro Taipei Damion Potter erklärt, dass das Gesetz “ sehr viel für Taiwans Zukunft bedeutet … aber auch zeigt, dass Taiwan ein Leitbild in der Region ist. Dies war ein positives Beispiel für andere Teile Asiens, bei der Festlegung ihrer Ziele im Vorfeld des Treffens in Paris. „

Der diesjährige UNFCCC-Gipfel findet vom 30. November bis zum 11. Dezember in der französischen Hauptstadt statt. Die Veranstaltung wird die Jahrestagung der Konferenz der Vertragsparteien (COP) der UNFCCC, dem obersten Entscheidungsgremium der Konvention, enthalten. Es wird erwartet, dass ein neues Abkommen über das Aufsetzen eines Deckels auf die Treibhausgasemissionen für die Industrieländer in Paris unterzeichnet wird, um das Kyoto-Protokoll, welches im Jahr 2020 auslaufen wird, zu ersetzen.

Taiwan wird nicht offiziell auf der Veranstaltung vertreten sein und wird daher keine offizielle Rolle bei der Bildung eines neuen Vertrages spielen. Allerdings bleibt die Republik China engagiert bei der Bekämpfung des Klimawandels. Durch die Einführung des „Greenhouse Gas Emission Reduction and Management Act“, der am 1. Juli in Kraft trat, hat sich die Regierung ein Ziel zur Verringerung der Kohlendioxid-Emissionen des Landes gesetzt, und zwar um die Hälfte ihres Niveaus von 2005 erreichbar bis 2050, oder aber eine Reduktion auf eine jährliche Produktion von 122,5 Millionen Tonnen. Nach den jüngsten Statistiken der Internationalen Energie Agentur, einer autonomen zwischenstaatlichen Organisation mit Sitz in Paris, produzierte Taiwan im Jahr 2012 256,6 Millionen Tonnen Kohlendioxid aus Kraftstoffverbrennung, oder 0,81 Prozent des weltweiten Totals. Das sind 10,95 Tonnen pro Kopf und somit rangiert Taiwan weltweit an 20. Stelle.

Ende Juni dieses Jahres veranstaltete die EPA eine Konferenz über den Stand der Verhandlungen zwischen den UNFCCC-Unterzeichnern. Bei der Veranstaltung, die von Vertretern von Organisationen wie der Weltbank und des „Intergovernmental Panel on Climate Change“ besucht wurde, bekräftigte EPA-Minister Wei Taiwans Entschlossenheit, die Umwelt zu schützen, wie es auch in dem „Greenhouse Gas Emission Reduction and Management Act“ hervorgehoben wird. Die Nachricht wurde erneut Mitte August an die internationale Gemeinschaft übermittelt, als Wei eine Rede in Washington, DC über die Bekämpfung der Luftverschmutzung in Asien hielt.

Am 17. September hat Taiwan seine Rolle als verantwortungsbewusstes Mitglied der internationalen Gemeinschaft erneut unterstrichen, als es seinen beabsichtigten „Intended Nationally Determined Contribution“ (INDC) enthüllte. Die Länder wurden gebeten im Vorfeld des UNFCCC-Gipfels in Paris, ihre beabsichtigten Kürzungen von Treibhausgasemissionen zu spezifizieren, sowie die dazu nötigen Maßnahmen zur Erreichung anzugeben. Die Verpflichtungen der Nationen laut ihrer INDCs werden erwartungsgemäß die Stärke des Ersatzes für das Kyoto-Protokoll vorgeben. Obwohl Taiwan keine offizielle Rolle in dem UNFCCC-Prozess spielt, hat die Regierung der Republik China auf freiwilliger Basis seinen INDC veröffentlicht – in dem die Regierung sich zur Kohlenstoffdioxid-Reduzierung verpflichtet, bis zum Jahr 2030 um 80 Prozent ihres Niveaus von 2005. Das unterstreicht ihre Entschlossenheit zur Bekämpfung des Klimawandels.

Während Taiwan weiterhin die internationale Gemeinschaft auffordert, seinen Wunsch zu unterstützen, als Beobachter in der UNFCCC teilzunehmen, wird Taiwan die Vorbereitungen für die Kohlenstoff-Emissionsreduktionsziele, die auf der Konferenz in Paris gesetzt werden, umzusetzen, sagt Wei. „In der Tat haben lokale Industrien ihre Sorge, dass das Land die Wettbewerbsfähigkeit verlieren könne, wenn die Regierung keine Maßnahmen erlässt, im Einklang mit dem globalen Kampf gegen den Klimawandel“, bemerkt er.

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