“Kraft des Evangeliums selbst ausstrahlen”/ Bedford-Strohm vor EKD-Synode zu aktuellen Herausforderungen in Kirche und Gesellschaft

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Für eine enge Verbindung von Frömmigkeit und gesellschaftlichem
Engagement hat der Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm zum Auftakt der
Tagung der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Dresden
geworben.

“30 Jahre nach dem Fall der Mauer ist es gut, sich an die Quellen zu erinnern,
die diese große geschichtliche Wende ermöglichten”, so der EKD-Ratsvorsitzende.
Die Kirchen in der DDR hätten den Glauben nicht mit religiöser Innerlichkeit
verwechselt, sondern das Beten, das Tun des Gerechten und das Warten auf Gottes
Zeit als untrennbar zusammengehöriges Zeugnis des Glaubens verstanden. “Das
Evangelium und die Kirche, die es weitergibt, haben auch heute viel mehr Kraft
als wir es selbst manchmal glauben. Das sollten wir in der Zukunft noch viel
besser zeigen”, so Bedford-Strohm.

Um Menschen künftig für die Kirche gewinnen oder zurückgewinnen zu können,
brauche es neben einem selbstkritischen Blick auf gegenwärtiges kirchliches
Handeln und die Strukturen deshalb “auch eine geistliche Erneuerung als Basis
dafür, dass wir die im Glauben gegründete Liebe und Hoffnung, von der wir
sprechen, selbst ausstrahlen. Das gilt für die Kirchenleitung genauso wie für
alle Glieder der Kirche. Überall in Deutschland haben sich Christinnen und
Christen auf den Weg gemacht, die im Evangelium gegründete Ausstrahlungskraft
unserer Kirche für die Zukunft so nachhaltig wie möglich zu stärken. Denn die
Zukunft der Kirche entscheidet sich nicht an ihren Mitgliedschaftszahlen,
sondern an ihrer im Evangelium gegründeten Ausstrahlungskraft”, so der
Ratsvorsitzende.

Die Themen Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung, hätten nichts an
Aktualität verloren. So sei die Friedensethik, die das Schwerpunktthema der
diesjährigen Synodentagung in Dresden bildet, aktueller denn je: “Mit dem Ende
der Ost-West-Konfrontation vor 30 Jahren sahen viele von uns die Chance auf
friedlichere Zeiten gekommen. Diese Hoffnung ist nicht in Erfüllung gegangen”,
sagte der Ratsvorsitzende. Die gegenwärtige Situation im Norden Syriens nach dem
völkerrechtswidrigen Einmarsch der Türkei sei “eine Niederlage einer an Recht
und Ethik orientierten internationalen Politik. Die Ohnmacht, die viele von uns,
mich eingeschlossen, dabei empfinden, ist ein Anlass mehr, mit Dringlichkeit
friedensethische Konzepte zu entwickeln, die in einer solchen Situation
Orientierung für konkretes Handeln geben können.”

Als besonders dringliche gesellschaftliche Herausforderung hob Bedford-Strohm in
seinem Ratsbericht vor der Synode das Engagement gegen den Klimawandel hervor.
Am jüngsten Sonderbericht des Klimarates, der vor einem möglichen Anstieg des
Meeresspiegels um mehr als einen Meter und dem Verlust von Arten und
Lebensräumen warnte, seien mehr als 100 renommierte Wissenschaftler beteiligt
gewesen und fast 7000 wissenschaftliche Studien und Publikationen ausgewertet
worden: “Wer das ignoriert oder als bloße –Meinung– abtut, leidet unter
Realitätsverweigerung und verabschiedet sich aus einer ernsthaften
demokratischen Debatte, so der Ratsvorsitzende. Zugleich hätten jedoch auch die
positiven Gegenkräfte eine völlig neue Dynamik gewonnen: “Es könnte sein, dass
wir nun tatsächlich an der Schwelle der Großen Transformation stehen, von der
auch in den Papieren und Stellungnahmen der Kirchen seit Jahren die Rede war.”
Das Klimapaket der Bundesregierung reiche aber nicht aus. Nicht nur zahlreiche
Klimawissenschaftler, sondern auch viele Ökonomen unterschiedlicher Schulen
hätten deutlich gemacht, dass der jetzt vorgesehene Einstieg in die
CO2-Bepreisung noch keine nennenswerte Lenkungswirkung erzeuge. “Warum bleibt
die Politik an dieser so wichtigen Stelle hinter der gesellschaftlichen
Bereitschaft zur Veränderung zurück?”, fragte der Ratsvorsitzende. “Es wäre ein
Zeichen von Größe, wenn die Bundesregierung diese gesellschaftliche Dynamik
wahrnehmen, auf sie reagieren, sie nutzen und ihr Klimapaket deutlich
nachbessern würde.”

In seinem Ratsbericht ging Bedford-Strohm auch auf das Engagement der
evangelischen Kirche für die Seenotrettung ein: “Seit Jahren warten wir auf
überzeugende Lösungen der europäischen Regierungen. Auch die EKD-Synode hat
wiederholt gefordert, legale und sichere Zugangswege für Schutzsuchende zu
eröffnen, ein solidarisches Verteilsystem in Europa zu schaffen, faire
Asylverfahren zu gewährleisten. An all diesen Forderungen halten wir weiter
fest.” Zugleich bekräftigte Bedford-Strohm den Beschluss des Rates der EKD sich
in einem breiten gesellschaftlichen Bündnis für ein zusätzliches Schiff für die
Seenotrettung im Mittelmeer einzusetzen: Eine entsprechende Spendenkampagne des
Bündnisses werde Anfang Dezember unter dem hashtag #wirschickeneinSchiff
gestartet.

Der gesamte mündliche Bericht des Ratsvorsitzenden, Landesbischof Heinrich
Bedford-Strohm, ist abrufbar unter www.ekd.de/ratsbericht2019.

Aktuelles zur Synode auch auf Facebook: www.facebook.de/ekd.de

Dresden, 10. November 2019

Pressestelle der EKD

Carsten Splitt

Über die Synode der EKD: Die Synode der EKD ist neben Rat und Kirchenkonferenz
eines der drei Leitungsorgane der EKD. Sie tagt vom 10. bis 13. November in
Dresden. Nach der Grundordnung der EKD besteht die 12. Synode aus 120
Mitgliedern. Zu den Aufgaben der Synode zählen die Erarbeitung von Kundgebungen
und Beschlüssen zu Fragen der Zeit sowie die Begleitung der Arbeit des Rates der
EKD durch Richtlinien. Die Synode berät und beschließt aber auch den Haushalt
und die Kirchengesetze. Geleitet wird die Synode vom Präsidium unter dem Vorsitz
von Präses Irmgard Schwaetzer. Sie ist zugleich Mitglied des 15-köpfigen Rates
der EKD. Vorsitzender des Rates der EKD ist Landesbischof Heinrich
Bedford-Strohm. Die EKD ist die Gemeinschaft von 20 lutherischen, reformierten
und unierten Landeskirchen. 21,1 Millionen evangelische Christinnen und Christen
in Deutschland gehören zu einer der rund 14.000 Kirchengemeinden.

Pressekontakt:
Carsten Splitt
Evangelische Kirche in Deutschland
Pressestelle
Stabsstelle Kommunikation
Herrenhäuser Strasse 12
D-30419 Hannover
Telefon: 0511 – 2796 – 269
E-Mail: presse@ekd.de

Original-Content von: EKD Evangelische Kirche in Deutschland, übermittelt durch news aktuell

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