Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar Griechenland-Rettung gelungen Wir brauchen mehr Mut zu Europa Stefan Schelp

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Acht Jahre dauert es, bis ein Gymnasiast das
Abitur in der Tasche hat. In acht Jahren kann man, rein theoretisch,
dreimal Fußball-Weltmeister werden. Mindestens acht Jahre braucht ein
guter Whiskey, um zu einem richtig guten Tropfen zu werden. Acht
Jahre hat es gedauert, Griechenland vor dem Bankrott zu retten. Acht
Jahre – eine lange Zeit. Sieben Minuten dauert es, bis ein gutes Pils
gezapft ist. Und länger hat es noch nie gedauert, die
Griechenland-Rettung in Grund und Boden zu reden, den Euro verloren
zu geben und die Europäische Gemeinschaft in Gänze zu verdammen. Und
doch: Viele Lokalrunden später ist Griechenland gerettet. Gelungen
ist, was viele Menschen lange Zeit nicht für möglich gehalten hätten.
Also: bitte alle einmal tief durchatmen und dieses Ereignis
wahrnehmen als das, was es ist: Eine historische Marke. Teuer war–s:
274 Milliarden Euro Kredit haben die Griechen bekommen. Immer wieder
musste ein Schuldenerlass helfen. Wir wollen aber auch nicht
vergessen, dass auch die Griechen selbst gelitten haben. Die
Einschnitte, die die EU und die Weltbank den Menschen auferlegt
haben, waren überaus schmerzhaft. Gelohnt hat es sich aber ganz
sicher. Nicht nur, weil Deutschland 2,9 Milliarden an den Krediten
verdient hat. Auch nicht nur, weil Griechenland nun finanziell wieder
auf eigenen, wenn auch noch etwas wackligen Beinen stehen kann.
Sondern weil die Europäische Union den Beweis geliefert hat, dass
sich gemeinsames Agieren, gepaart mit großem Durchhalte-Willen,
auszahlt. Auch das ist eine Facette des europäischen Gedankens. Und
es ist eine Erkenntnis, die uns Mut machen sollte bei Projekten, die
Europa in den nächsten Jahren vor der Brust hat. Ein gemeinsamer
europäischer Etat, wie ihn Emmanuel Macron und Angela Merkel jetzt
angestoßen haben, ist so ein Projekt. Wir in Europa brauchen einen
solchen Etat, schon um uns zu behaupten gegen die Wirrköpfe im Weißen
Haus und in anderen Regierungssitzen dieser verrückt gewordenen Welt.
Wenn der alte Kontinent nicht in der Bedeutungslosigkeit versinken
soll, muss das Bündnis enger werden. Es muss schneller und
entschiedener reagieren können, wenn die nächste Krise heraufzieht.
Das alles wird dauern. Vielleicht weitere acht Jahre. Vielleicht
länger. Aber wenn es schneller ginge, wäre es besser.

Pressekontakt:
Neue Westfälische
News Desk
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