neues deutschland: Kommentar zu Sigmar Gabriels Kritik an der SPD

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Wie lange war Sigmar Gabriel gleich
SPD-Vorsitzender? Und bis wann? Richtig, der Niedersachse führte die
Sozialdemokraten von 2009 bis 2017. Für die kurzatmigen
SPD-Krisenverhältnisse ist das ein ganzes Zeitalter. Sein Rücktritt
ist noch gar nicht so lange her.

Jetzt hat sich Gabriel, der als Störsender aus dem Off gehässige
Kommentare zum Parteileben der SPD abgibt, der parteirechten
Gruppierung SPDpur angeschlossen und der Sozialdemokratie
vorgeworfen, ihr Kurs sei in den letzten Jahren immer unklarer
geworden. Früher habe die SPD sich noch für »leistungsbereite
Arbeitnehmer« eingesetzt; heute glaubten viele Menschen, im
»Sozialhilfestaat« ohne große Anstrengung leben zu können.

Dass so jemand spricht, der sich Sozialdemokrat nennt, darauf muss
man erstmal kommen. Gabriel drischt Phrasen, die die FDP schon längst
im Repertoire hat. FDP-Chef Westerwelle schwadronierte einst im
Zusammenhang mit dem Sozialstaat von »anstrengungslosem Wohlstand«
und »spätrömischer Dekadenz«. Was Gabriel jetzt aufwärmt, ist das
fatale Konzept der Neuen Mitte, mit dem Gerhard Schröder und Tony
Blair den Niedergang der Sozialdemokratie einleiteten. Diesen alten
Quatsch wendet Gabriel gegen seine Nachfolger, die versuchen, von der
Sozialdemokratie zu retten, was eben noch zu retten ist. Das ist
Niedertracht pur.

Pressekontakt:
neues deutschland
Redaktion

Telefon: 030/2978-1722

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