neues deutschland: Kommentar zur Krise der Europäischen Linken: Sammeln und Spalten

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Diese Nachricht konnten die Linken in Europa nun
als Letztes gebrauchen: Mit dem Austritt der französischen
Linkspartei des einstigen Sozialdemokraten Jean-Luc Mélenchon aus der
Europäischen Linkspartei wird das linke Spektrum uneiniger,
unübersichtlicher. Und das in einer Zeit, da die Rechte in weiten
Teilen des Kontinents entschlossen marschiert. Die Begründung mutet
absurd an: Die Sozialkürzungen der griechischen Regierung, geführt
von SYRIZA, seien nicht mehr hinnehmbar. Ja, die Tsipras-Partei hat
Renten gekürzt, ins Streikrecht eingegriffen, Staatseigentum
verkauft. Aber Mélenchon geht mit leichter Hand darüber hinweg, unter
welch brutalem Druck der EU-Großmächte SYRIZA stand und steht.

Der Austritt aus der Europa-Linken löst kein Problem, schafft aber
neue. Bei der Europawahl im nächsten Jahr wird nun neben den
herkömmlichen Linksparteien und dem Varoufakis-Projekt DiEM25 eine
dritte linke Kraft um Stimmen kämpfen. Zudem gilt die durchaus
erfolgreiche Mélenchon-Bewegung, die auf seine Person zugeschnitten
ist, als Referenz und Vorbild für die angekündigte Sammlungsbewegung
von Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine. Diese soll, so die
Initiatoren, die Linke stärken, nicht spalten. Der Impulsgeber aber
spaltet – sich ab. Und andere gleich mit. Das als Aufbruch zu
verkaufen, dürfte schwer fallen. Denn der Grat zwischen Sorge um die
Zukunft der Linken und politischem Egotrip ist hier sehr, sehr
schmal.

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