NOZ:Ärzteschaft: Landesbehörden mit Pharmaskandalen „maximal überfordert“

Ärzteschaft: Landesbehörden mit Pharmaskandalen
„maximal überfordert“

Vorsitzender der Arzneimittelkommission: Bundesoberbehörden
sollten Aufgaben übernehmen – Produktion von Arzneimitteln wieder
verstärkt in Deutschland ansiedeln

Osnabrück. Nach den beiden jüngsten Pharmaskandalen nennt der
Vorsitzende der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft,
Wolf-Dieter Ludwig, die zuständigen Landesbehörden mit ihrer
Überwachungsaufgabe „maximal überfordert“. Im Gespräch mit der „Neuen
Osnabrücker Zeitung“ (Dienstag) sagte er: „Man muss sich fragen, ob
nicht besser Bundesoberbehörden solche Aufgaben übernehmen sollten.“
Aufgabe der Behörden sei der Verbraucher- und Patientenschutz,
betonte er: „Dass das in einem so reichen Land wie Deutschland nicht
funktioniert, ist skandalös.“

In Brandenburg soll der Medizingroßhändler Lunapharm in
Griechenland und möglicherweise auch Italien gestohlene
Krebsmedikamente an Apotheken in mehrere Bundesländer geliefert
haben. Befürchtet wird unter anderem, dass das Diebesgut falsch
gelagert wurde und den Medikamenten dadurch die Wirkung fehlt.
Bereits Anfang Juli hatte der Rückruf von valsartanhaltigen
Blutdrucksenkern für Schlagzeilen gesorgt. Grund ist eine
produktionsbedingte Verunreinigung des Wirkstoffs Valsartan eines
chinesischen Zulieferers mit dem potenziell krebserregenden Stoff
N-Nitrosodimethylamin (NDMA).

Die Patienten seien durch die Fälle verunsichert. „Wir brauchen in
Deutschland unbedingt Institutionen, die diese Funktion zentral
wahrnehmen, die personell gut ausgestattet sind und die in der Lage
sind, uns vor solchen Risiken zu schützen“, forderte der Onkologe,
der auch Mitglied der Taskforce zur Aufarbeitung des Pharmaskandals
in Brandenburg ist. Im Fall der Blutdrucksenker sieht Ludwig auch die
deutschen Hersteller in der Pflicht. „Sie müssen das, was sie hier
importieren und womit sie hier Geld verdienen, auch jenseits von
China so überprüfen, dass es sicher ist“, betonte er.

Ludwig unterstützt die Forderung, die Produktion von Arzneimitteln
wieder verstärkt nach Deutschland zu holen. Etwa 80 Prozent der
hierzulande verfügbaren Wirkstoffe kommen inzwischen aus
Billiglohnländern wie China. „Ich würde mich freuen, wenn wir
irgendwann wieder die Apotheke der Welt würden“, meint der Experte.
Das würde nicht nur die Überwachung deutlich erleichtern, sondern
auch das immer größer werdende Problem der Lieferengpässe
entschärfen.

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