NOZ: Ex-Minister Seiters: Von Entfremdung zwischen Ost und West spüre ich wenig

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Ex-Minister Seiters: Von Entfremdung zwischen
Ost und West spüre ich wenig

“Aber es gibt Ängste, die Rechtsextremisten schüren” –
Wirtschaftsentwicklung in neuen Ländern “sehr erfreulich”

Osnabrück. Der frühere Kanzleramts- und Innenminister Rudolf
Seiters (CDU) lehnt es ab, im 30. Jahr nach dem Mauerfall von einer
“Entfremdung” zwischen Ost und West in Deutschland zu sprechen.
“Davon habe ich auch bei meinen vielen Begegnungen als Präsident des
Deutschen Roten Kreuzes wenig gespürt”, sagte Seiters im Interview
mit der “Neuen Osnabrücker Zeitung”. Allerdings gebe es speziell in
Ostdeutschland beim Thema Integration und Sicherheit Sorgen, manchmal
auch Ängste, “die leider von Rechtsextremen bewusst geschürt werden”.
Laut Seiters ist aber “die Mehrheit der Menschen ganz eindeutig gegen
Fremdenfeindlichkeit und Rassismus”. Seiters hatte vor genau 30
Jahren (Stichtag 30. September) in der westdeutschen Botschaft in
Prag zusammen mit dem damaligen Außenminister Hans Dietrich Genscher
(FDP) rund 5000 DDR-Flüchtlingen die Erlaubnis zur Reise in den
Westen mitgeteilt und so den Weg zur Einheit bereitet.

Der ehemalige Minister hält die Lage in den neuen Bundesländern
für “durchaus erfreulich”, wenn es um Wirtschaftskraft und
Erwerbstätigkeit geht. Zugleich stimmte Seiters der Selbstkritik der
ehemaligen Treuhand-Chefin Birgit Breuel zu, wonach beim Neuanfang
den Menschen im Osten “sehr viel zugemutet” worden sei. Millionen
seien beim abrupten Übergang zur sozialen Marktwirtschaft mit ganz
unbekannten Herausforderungen konfrontiert gewesen – der Schließung
von unrentablen Fabriken, dem Verlust von Arbeitsplätzen, mit
plötzlichem Umlernen am Arbeitsplatz, in der Politik, in der
Verwaltung, im privaten Bereich. “Es musste ja auch alles sehr
schnell gehen, denn das Zeitfenster zur Wiedervereinigung stand nur
kurze Zeit offen”, sagte Seiters, der ein enger Weggefährte des
damaligen Kanzlers Helmut Kohl (CDU) war. Die Ostdeutschen könnten
aber “stolz sein, dass ihr mutiger gewaltfreier Widerstand bei den
Großdemonstrationen in Leipzig, Dresden, Berlin und anderen Städten
entscheidend zur Wiedervereinigung unseres Landes beigetragen hat”.

Pressekontakt:
Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion

Telefon: +49(0)541/310 207

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