Peace Entrepreneurs – Soziale Unternehmer aus der Zivilgesellschaft

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Der Kamin flackert und verleiht dem Saal im Café Schlossblick seine gewohnt intime Atmosphäre. Die abgedunkelten Fenster und eine Dia-Leinwand in der Raummitte sind für die rund 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer bereits ein erster optischer Hinweis dafür, dass dieses 28. ChefCoach Kamingespräch auch von der Thematik eher ungewöhnlich ist:
Ein neuer Typus von Gewaltkonflikt fordert uns heraus. Nicht der Krieg zwischen Staaten, sondern zwischen Ethnien, Religionen oder Clans – Kriege im Herzen von Gesellschaften. Von dort müssen auch die Lösungen kommen. Die innovativsten Ideen dazu liefern Friedensstifter und ihre Initiativen aus der Zivilgesellschaft. Sie analysieren die Konfliktursachen, bringen verfeindete Gruppen zusammen, sorgen für die Wiedereingliederung von Kindersoldaten, heilen Traumata, engagieren sich beim Wiederaufbau. Viele von ihnen denken langfristig, nicht wenige betätigen sich als soziale Unternehmer: Peace Entrepreneurs. Weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit arbeiten sie weit flexibler und effektiver als Politiker und Diplomaten.
Tilman Wörtz, Geschäftsführer der Reportageagentur „Zeitenspiegel“ im beschaulichen Remstal, ist Reporter aus Leidenschaft und Koordinator des Projekts „Peace Counts“. Es dokumentiert seit acht Jahren „Friedensmacherinnen und -macher“ weltweit und hat Ausstellungs – und Workshopformate für Multiplikatoren und Journalisten in Krisenregionen entwickelt. „Ziel des Projekts ist es, Wege zum „gelungenen Frieden“ darzustellen und zu eigenem Engagement zu ermutigen“, so Tilman Wörtz. Dafür wurde das Projekt 2009 von der Universität Marburg mit dem Peter – Becker -Preis für Friedens – und Konfliktforschung ausgezeichnet.
Wörtz arbeitet als Reporter, schreibt für Zeitschriften wie Stern, Geo, Focus, Brigitte und wurde mit zahlreichen Journalistenpreisen geehrt. Darüber hinaus ist er Mitglied eines Netzwerks namens „Konstruktiver Journalismus“, das sich auf die Recherche und Berichterstattung von Lösungen anstatt von Defiziten konzentriert.
„In den Krisenländern dieser Erde sind die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Beziehungen gestört. Der Markt ist bedroht, oft durch eine „Kriegsökonomie“ ersetzt, in dem einzelne Cliquen durch ihre Macht und für ihre kriegerischen Absichten die Preise, Nachfrage und das Angebot bestimmen.“ so Wörtz. „Sogenannte Peace Entrepreneurs schreiten hier ein, weiten Freiheitsräume für die Gesellschaft und die Wirtschaft wieder aus und stellen das Grundvertrauen wieder her.“
Seine Informationen über die außergewöhnlichen Menschen, ihre Visionen und konkreten Methoden, Frieden zu schaffen, präsentiert er den aufmerksamen Teilnehmern mit eindrucksvollem, teils preisgekröntem, Bildmaterial.
So wie beispielsweise Mateo und seine Band Eskalones. Mit Rap-Gesang, Tanz und Grafitti widersetzen sie sich dem Drogenkrieg in der berüchtigten Comuna 13, einem Armenviertel in Medellin, Kolumbiens zweitgrößter Stadt. Mit ihrer Organisation Elite de Hip-Hop organisieren die jungen Künstler Konzerte und haben gemeinsam bereits eine Hip-Hop-Schule gegründet.
Oder Peter und Anne Marie Schwittek aus Deutschland. Sie leben seit vielen Jahren in Afghanistan und organisieren Unterricht in Moscheen für Mädchen und Jungen. Durch diese Bildungsmöglichkeit wollen sie den von der Taliban verweigerten Schulbesuch von Mädchen aushebeln. Mit ihrem Verein OFARIN bilden sie afghanische Lehrkräfte aus, bei denen die Kinder oft mehr lernen als in staatlichen Schulen. Unternehmertum der anderen Art eben.

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