Quälende Corona-Momente / Die Ernüchterung der Bürger wächst. Und es fehlt weiter an zentralem Equipment wie guten Masken sowie flächendeckenden Soforttests / Leitartikel von Christine Schröpf

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Nach vier Wochen Ausnahmezustand sind die Bürger zunehmend erschöpft und entnervt. Das gilt nicht nur für Mütter im Homeoffice, Abiturienten im Corona-Sonderregel-Stress oder dem Heer von Beschäftigten in Kurzarbeit. Langsam dämmert allen, dass das Virus das Leben lange einschränken. Dazu tragen auch im ersten Moment Mut machende Meldungen bei, die in Wahrheit die Grenzen der Perspektiven aufzeigen: So vermeldete US-Mäzen Bill Gates beim virtuellen “One World”-Konzert optimistisch, dass ein Impfstoff zur Verfügung stehen wird – allerdings erst Ende 2021. Dieses Jahr macht das Virus die Welt erst einmal ganz klein – und zwar in vielen, vielen Facetten. Familien und Freunde sind voneinander getrennt. Umarmungen, die gerade jetzt gut tun würden, im Grunde verboten. Und die sonst schönen kleine Fluchten in den Urlaub bleiben versperrt – selbst bei Zielen, die nah sind. Auch dazu hat manche Nachricht böse Widerhaken. So hat Österreich gerade zart angedeutet, dass im Sommer eventuell doch deutsche Urlauber einreisen könnten. Was im Umkehrschluss nur bedeutet: Sicher ist das nicht. In der Corona-Krise erwarten uns quälende Durststrecken. Die erste wird gerade erreicht. Das spürt auch Bayerns Regierungschef Markus Söder, dessen Corona-Beschlüsse zunehmend hinterfragt werden. Zu Recht. Denn nach der notwendigen Zwangsbremsung per Shutdown geht es nun um die Details. Wie müssen Corona-Beschränkungen aussehen, damit sie auf Dauer irgendwie erträglich sind – nicht nur für das Gesundheitssystem und die Wirtschaft, sondern auch für das Sozialleben und die Demokratie? Hier sind Nachjustierungen nötig, etwa beim Sichern der Demonstrationsfreiheit: Protest muss bei Schutz und großer Disziplin einer im Zweifel begrenzten Zahl von Teilnehmern immer möglich sein. Es braucht jetzt viele pfiffige Lösungen. Das gilt auch für den Kontakt zu Bewohnern in Altenheimen, der nicht auf Monate ausgesetzt werden kann. Warum nicht fürs Erste wenigstens Begegnungen getrennt durch Plexiglas erlauben? Lösungen für Hochzeiten und Beerdigungen sind gefragt, aber auch ganz profan für Taxifahrten oder den Besuch von Wirtshäusern. Die Klügsten müssen sich dafür die Köpfe zermartern. Der Kontakt zum Virus muss gestoppt werden, nicht sichere Begegnungen zwischen Menschen. Knackpunkt bleibt, dass es an guten Schutzmasken für alle Bürger fehlt und auch Soforttests nicht ausreichend zur Verfügung stehen. Die nun von Söder für nächste Woche angekündigte bayerische Maskenpflicht in Geschäften und im ÖPNV hat deshalb eine riesige Schwachstelle. Koalitionspartner Hubert Aiwanger hat die Maskenproduktion zwar kräftig angekurbelt. Es reicht aber noch nicht. Eine Maskenpflicht ohne ausreichend Masken wäre aber absurd. Das alles ist nicht als Kritik an Etappe 1 des Corona-Kampfes der bayerischen Regierung zu verstehen, in der es darum ging, das Dringlichste so rasch als möglich zu regeln. Doch Etappe 2 stellt vor nicht minder große Herausforderungen. Dauerhafte Corona-Vorschriften müssen so überzeugend sein, dass Bürger dauerhaft mitziehen. Es bröckelt bereits, wie am Wochenende zu beobachten war. Söders Regierungserklärung war deshalb ein inständiger Appell: Bürger sollen nicht unvorsichtig werden, damit die Pandemie nicht außer Kontrolle gerät. Ihn stärkt ein Vertrauensbonus, den er mit bisherigem Handeln aufgebaut hat. Die wahre Qualität seines Krisenmanagements wird von Bürgern aber am Ende bemessen werden – bis dahin in vielen Zwischenbilanzen, bei wachsender Ernüchterung der Corona-Geplagten. Wer Söder genau zuhörte, kann erahnen, dass der Freistaat auch wirtschaftlich lange an Corona laborieren wird. Es wird zu Insolvenzen kommen, zu mehr Arbeitslosen – gerade auch wegen der hohen Exportabhängigkeit unseres Landes.

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