Schwäbische Zeitung: Es darf keine Toleranz geben

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Von Goethe stammt die berühmte
Charakterisierung des Biedermanns, der gemütlich sein Gläschen
trinkt, „wenn hinten, weit, in der Türkei die Völker aufeinander
schlagen“. Es ist ein zutiefst menschlicher Reflex, nicht belangt,
nicht hineingezogen werden zu wollen in die Probleme und Konflikte
anderer. Und mit der geografischen Entfernung steigt auch die innere
Distanz. Aber falls das Wegducken je ein probates Rezept für
ungestörte Behaglichkeit gewesen sein sollte – im 21. Jahrhundert hat
sich das erledigt. Es gibt kein „hinten, weit, in der Türkei“ mehr.
Deutschland ist in mehrfacher Hinsicht tangiert von den grauenhaften
Verbrechen der Islamisten im Irak und in Syrien. Die Straßenkämpfe in
Celle und in Hamburg zwischen Kurden und Jesiden auf der einen Seite
und den Anhängern der Mörderbande vom Islamischen Staat auf der
anderen müssten auch den letzten Zweiflern die Augen geöffnet haben.

Man kann die zögerlichen Reaktionen der zivilisierten Welt auf
Massenmord, Vergewaltigung, Folter und Vertreibung durch den IS
durchaus als schändlich bezeichnen. Es ist aber auch ein unkluges
Verhalten. Denn auszahlen wird es sich keinesfalls wie erhofft. Weit
mehr noch als Deutschland droht der Türkei und ihrem taktierenden
Präsidenten Erdogan ein Konflikt im eigenen Land, dessen
Eskalationsstufen noch gar nicht absehbar sind. Die Kurden werden ihm
nicht verzeihen, dass er den Mördern direkt hinter der Grenze freie
Hand lässt.

Für die deutschen Sicherheitsbehörden kann es jetzt nur eine
Losung geben: null Toleranz! Dazu zählt, dass friedliche
Demonstranten gegen die IS-Terroristen zu schützen sind. Wenn sie von
deren verlängertem Arm in Deutschland angegriffen werden, dann muss
der Rechtsstaat so hart und konsequent reagieren, wie es ihm möglich
ist. Sehr wünschenswert wäre es, wenn sich die großen muslimischen
Verbände in die Demonstrationszüge von Kurden, Jesiden und verfolgten
Christen einreihen würden. Und den Deutschen ohne
Migrationshintergrund stünde das ebenfalls gut an.

Pressekontakt:
Schwäbische Zeitung
Redaktion
Telefon: 0751/2955 1500
redaktion@schwaebische-zeitung.de

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