Stifterverband und Plan International warnen: Deutschland könnte UN-Nachhaltigkeitsziele verpassen

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Nicht einmal jedes zehnte Unternehmen in
Deutschland kooperiert beim gesellschaftlichen Engagement mit
international agierenden Nichtregierungsorganisationen. Das zeigt
eine neue Studie von Stifterverband und der Kinderhilfsorganisation
Plan International. Die beiden Organisationen warnen: Die noch
geringe Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und internationaler
Zivilgesellschaft könnte den Erfolg der Deutschen
Nachhaltigkeitsstrategie gefährden, die vor zwei Jahren am 11. Januar
verabschiedet wurde. Mit dieser Leitlinie will Deutschland die von
der Weltgemeinschaft definierten globalen Entwicklungsziele bis 2030
erreichen.

Ausgerechnet der Exportweltmeister Deutschland hat deutlichen
Nachholbedarf, wenn es um die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und
internationaler Zivilgesellschaft geht. Das zeigen die Zahlen aus
einer Sonderauswertung von Stifterverband und Plan International, die
erstmals für Deutschland repräsentative Daten zu dieser Fragestellung
erhoben hat. Danach arbeiten fast alle Unternehmen in Deutschland (98
Prozent) im Rahmen ihres sozialen Engagements mit gesellschaftlichen
Partnern zusammen. Die überwiegende Mehrheit der engagierten
Unternehmen in Deutschland bringt sich jedoch vorwiegend auf lokaler
(55 Prozent) und regionaler (28 Prozent) Ebene ein. Am häufigsten
entscheiden sich die Firmen dabei für eine Kooperation mit lokalen
Vereinen. Nur ein kleiner Anteil (9 Prozent) ist auch oder vorwiegend
auf europäischer oder internationaler Ebene engagiert. Damit ist
klar: Die Debatte um die globalen Entwicklungsziele der Vereinten
Nationen ist in der Breite der deutschen Wirtschaft noch nicht
angekommen.

Bei der Kooperation zwischen Unternehmen und internationalen
Nichtregierungsorganisationen (NGO) spielt die Größe des Unternehmens
keine entscheidende Rolle: Es gibt sowohl Kleinstunternehmen und
kleinere Mittelständler, die eine internationale gemeinnützige
Organisation unterstützen, wie auch mittelgroße Betriebe, die solche
Kooperationen sorgfältig pflegen. Überdurchschnittlich häufig
arbeiten nur Großkonzerne mit Standorten in verschiedenen Ländern mit
internationalen NGOs zusammen. Besonders ausgeprägt ist die
Kooperation von Unternehmen mit internationalen NGOs, wenn es um
globale Themen wie Armut, Klimaschutz oder Menschenrechte geht.

„Die von den Vereinten Nationalen formulierten 17 Ziele
nachhaltiger Entwicklung können nur durch eine intensive
Zusammenarbeit globaler Partnerschaften erreicht werden. Dafür
wünschen wir uns ein Umdenken bei den Unternehmen“, sagt Maike
Röttger, Geschäftsführerin von Plan International. „Gerade größere
und international agierende Unternehmen sollten sich zielgerichtet
mit den UN-Zielen für nachhaltige Entwicklung auseinandersetzen und
ihr Engagement möglichst langfristig aufsetzen.“

Basis für die Studie ist der „Corporate Citizenship Survey“ von
Stifterverband und Bertelsmann Stiftung, die größte bundesweit
repräsentative Befragung zum gesellschaftlichen Engagement von in
Deutschland ansässigen Unternehmen.

„Unternehmen stehen in der Verantwortung, sich mit Augenmaß und
auf gesellschaftliche Bedarfe ausgerichtet zu engagieren“, sagt
Andreas Schlüter, Generalsekretär des Stifterverbandes. „Engagement
für Bildung und Innovation in Deutschland einerseits und das
Engagement für die von der Weltgemeinschaft ausgerufenen
Entwicklungsziele andererseits gehören zusammen. Viele unserer
Mitgliedsunternehmen verfolgen deshalb konkrete Projekte in
Deutschland und darüber hinaus“.

Veröffentlichung „Kooperationen mit internationalen NGOs“ zum
Download unter
http://www.ziviz.de/kooperationen-mit-internationalen-ngos

Zusatzinformationen

Der „Corporate Citizenship Survey“ ist die größte bundesweit
repräsentative Befragung zum gesellschaftlichen Engagement von in
Deutschland ansässigen Unternehmen. Die neuen Daten bilden die
Grundlage einer von Stifterverband und Bertelsmann Stiftung
angeführten Gemeinschaftsinitiative zu Stärkung des
gesellschaftlichen Engagements der deutschen Wirtschaft. Für den
CC-Survey 2018 wurden zwischen September 2017 und Januar 2018 rund
120.000 Unternehmen angeschrieben. 7.368 Fragebögen konnten
ausgewertet werden. Die auf diese Weise entstandenen Daten machen
Aussagen über das Unternehmensengagement aufgeschlüsselt nach
Bundesländern, Unternehmensgrößen, Branchen, Engagementbereichen und
-themen möglich. Es wird ein CC-Survey 2020 folgen, um
Verlaufsentwicklungen in den behandelten Themenfeldern nachzeichnen
zu können.

Bei der Veröffentlichung „Kooperationen mit internationalen NGOs“
handelt es sich um eine Sonderauswertung des entstandenen
Datensatzes. Im Mai und im Dezember 2018 wurden auf Basis der
erhobenen Daten bereits erste Ergebnisse zum gesellschaftlichen
Engagement der deutschen Wirtschaft veröffentlicht. In 2019 planen
die Projektbeteiligten, den Datensatz des CC-Survey 2018 für
wissenschaftliche Zwecke aufzubereiten und zu veröffentlichen.
Forscher können die Daten dann nutzen, um weitere Analysen
vorzunehmen.

Mehr Informationen: www.cc-survey.de oder
www.unternehmensengagement.de Hashtag: #ccsurvey

Unser Experte:
Anael Labigne (Stifterverband)
Telefon: 030 322982-534
E-Mail: anael.labigne@stifterverband.de

Über den Stifterverband: Bildung. Wissenschaft. Innovation.

Im Stifterverband haben sich rund 3.000 Unternehmen,
Unternehmensverbände, Stiftungen und Privatpersonen
zusammengeschlossen, um Wissenschaft und Bildung gemeinsam
voranzubringen. Mit Förderprogrammen, Analysen und
Handlungsempfehlungen sichert der Stifterverband die Infrastruktur
der Innovation. Der Stifterverband ist darüber hinaus einer der
wichtigsten Förderer des Stiftungswesens in Deutschland. Er setzt
sich für eine starke und lebendige Zivilgesellschaft ein und ermutigt
und unterstützt Menschen, die sich für das Gemeinwohl engagieren
wollen. ZiviZ im Stifterverband ist eine Tochtergesellschaft des
Stifterverbandes. Als Think & Do Tank kanalisiert ZiviZ das
Engagement des Stifterverbandes für die Zivilgesellschaftsforschung
und -praxis. Weitere Informationen: www.stifterverband.de

Über Plan International

Plan International ist eine religiös und weltanschaulich
unabhängige Hilfsorganisation, die sich weltweit für die Chancen und
Rechte der Kinder engagiert: effizient, transparent, intelligent.
Seit mehr als 80 Jahren arbeiten wir daran, dass Mädchen und Jungen
ein Leben frei von Armut, Gewalt und Unrecht führen können. Dabei
binden wir Kinder in über 70 Ländern aktiv in die Gestaltung der
Zukunft ein. Die nachhaltige Gemeindeentwicklung und Verbesserung der
Lebensumstände in unseren Partnerländern ist unser oberstes Ziel. Wir
reagieren schnell auf Notlagen und Naturkatastrophen, die das Leben
von Kindern bedrohen. Die nachhaltigen Entwicklungsziele der
Vereinten Nationen bestärken uns in unserem Engagement für die
Gleichberechtigung von Mädchen und Frauen. Unser globales Ziel: 100
Millionen Mädchen sollen lernen, leiten, entscheiden und ihr volles
Potenzial entfalten. Weitere Informationen: www.plan.de

Pressekontakt:
Nina Kollas (Stifterverband)
T 030 322982-305
nina.kollas@stifterverband.de

Daniela Hensel (Plan International)
T 040 61140-219
daniela.hensel@plan.de

Original-Content von: Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, übermittelt durch news aktuell

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