WAZ: Nicht bloß für Sonntagsfahrer – Kommentar von Stephanie Weltmann zum Radverkehr

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Karl Freiherr von Drais war offenbar ein recht
pragmatischer Mann. Als Anfang des 19. Jahrhunderts Missernten dafür
sorgten, dass der Unterhalt von Pferden unwirtschaftlich wurde,
suchte der Freiherr eine simple Alternative zur PS-starken Kutsche.
Er erfand 1817 ein cleveres Vehikel, das der Mensch nur mit seiner
Muskelkraft betrieb: den Vorläufer des modernen Fahrrades.

200 Jahre später ist aus dem Transportmittel von einst vielfach
ein Sportgerät für Wochenendausflügler geworden. Radeln derweil, nur
um von der Wohnung zum Bäcker, von der Haustür zum Büro zu kommen,
das machen nicht mehr viele.

Sicher, auf langen Strecken ist das Rad nicht gerade
alltagstauglich. Gleichwohl: Rund 80 Prozent der Autofahrten dauern
bis zu zehn Minuten. Daran wird auch der innere Schweinehund einen
Anteil haben.

Wer aber die gut genutzten Wochenend-Radwege betrachtet, stößt auf
weitere Gründe: Sie sind gut ausgebaut und ausgeschildert, queren
selten eine Straße, bieten so Schutz und selbstbestimmtes Tempo. Wenn
auch die normalen Radwege in den Städten so komfortabel und einfach
wären, würden wohl auch mehr Menschen die paar Kilometer ins Büro
radeln.

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Westdeutsche Allgemeine Zeitung
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