WAZ: Steinbrücks Lob für die Tüchtigen. Kommentar von Wilhelm Klümper

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Der Kandidat hat verstanden. Peer Steinbrück
streifte auf dem Parteitag jene Abgehobenheit ab, die ihm zuletzt
wegen seiner üppigen Rednerhonorare und der Mäkelei am zu geringen
Kanzlergehalt vorgeworfen worden war. Geschickt inszenierte er sich
als Kümmerer, als er sich zum Beschützer der Ersparnisse einer
imaginären „Else Tibulski“ vor gierigen Spekulanten stilisierte.
Forderungen nach einem Mindestlohn unterlegte er mit Beispielen aus
dem Leben schlecht bezahlter Bürger. Überdies schaffte er Nähe durch
den direkten Dialog vom Rednerpult mit einfachen Parteimitgliedern im
Plenum. Steinbrück setzte nach der üblichen SPD-Kritik am
entfesselten Kapitalismus auf eine Renaissance der sozialen
Marktwirtschaft. Dabei wiederbelebte er auch das zuletzt in den
Hintergrund getretene alte sozialdemokratische Selbstverständnis,
wonach die SPD Heimat „aller tüchtigen und fleißigen Menschen“ sei.
Die SPD ist linker Kümmerer, aber auch die Leistung der Tüchtigen
soll sich auszahlen. Und weil damit für jeden etwas dabei war,
schwelgte der Parteitag geschlossen in seinem Wir-Gefühl.

Pressekontakt:
Westdeutsche Allgemeine Zeitung
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