Westdeutsche Zeitung: Schule oder Klimarettung? Raus aus diesem Kreislauf! (Leitartikel von Olaf Kupfer)

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Es wurde höchste Zeit, dass die Bewegung
„Friday for future“ ihre Forderungen mal organisiert in die
Öffentlichkeit bringt und so von ihren Gegnern nicht mehr nur als
marodierende Masse von renitenten Schulverweigerern abgekanzelt
werden kann. Denn wer immer politischen Widerstand organisiert und
dabei dauerhaft ernst genommen werden möchte, muss konkrete Ziele
auch artikulieren, statt immerfort gegen etwas zu sein. Diesen
Anspruch darf man an eine gebildete Schülerschaft stellen. Und jetzt,
nachdem sich Fridays for future sprechfähig organisiert hat, dürfen
sich Politiker und Wissenschaftler auseinandersetzen mit diesen
Forderungen.

Viele Punkte sind sicher diskutabel, weil die Bewegung außer Acht
lässt, dass Klimapolitik Teil des realpolitischen Raums ist, mit
weithin notwendigen politischen Abwägungen. Und dass Klimapolitik vor
allem auch international und außereuropäisch stattfindet, also zum
großen Teil fern der eigenen Haustür passiert. Aber genau das ist ja
Kern dieser Bewegung: Dass sie unvernünftig ist. Dass sie grenzenlos
fordert. Dass sie alte Muster neu justieren will. Dass ein Knopf zu
oft gedachte Denkmuster ausschaltet: Reset. Dass sie im Kleinen
beginnt und das Große will, sprich: Dass die Rettung der Welt genau
jetzt und alternativlos zu beginnen hat. Allein für diese Erkenntnis
haben sich die vergangenen Monate schon gelohnt. Und es gilt zu
vermuten, dass die Bewegung noch breiter und größer wird.

Angesichts dieser Dimension scheint die Frage, ob Schüler weithin
ungestraft dem Unterricht fern bleiben können, um zu demonstrieren,
vernachlässigenswert. Sie ist es trotzdem nicht. Weil die
Schulpflicht, die eigentlich ein Recht auf Schule ist, in dieser
Republik tatsächlich ein hohes Gut ist, das nicht nur
Bildungsministerinnen verteidigen sollten, weil sie es qua Amt
verteidigen müssen, sondern etwa auch die Kanzlerin, die das auch
müsste, es aber nicht tut.

Zwei Aufträge gehen an Demonstrierende und Schulen, wenn es alle
zusammen schaffen wollen, dass wir von der Schulpflicht-Debatte zu
einer eine Ära prägende Klima-Debatte kommen: Die Schule soll künftig
wieder der Ort sein, den man nicht erst verlassen muss, um
Aufmerksamkeit zu erzeugen. Der Ort, an dem das umgesetzt wird, was
die Bildungsminister der Länder erst im vergangenen Jahr vereinbart
haben: „Demokratie als Ziel, Gegenstand und Praxis“ der Schule. Und
die „Stärkung junger Menschen in ihrem Engagement“. Soll heißen:
Schule soll sich einmischen, selbstbewusster werden, kann Start und
Ziel sein. Dann hätten Klima und Schule gewonnen. Was für ein
Fortschritt das wäre.

Pressekontakt:
Westdeutsche Zeitung
Nachrichtenredaktion
Telefon: 0211/ 8382-2370
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