BERLINER MORGENPOST: Gute Idee droht zu scheitern / Kommentar von Florian Schmidt zu Wohnungen für Obdachlose

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Kurzform: Aufhorchen lassen sollte, dass die
städtischen Wohnungsbaugesellschaften nicht mitmachen wollen.
Sicherlich, auch dort stehen Tausende Schlange für eigene vier Wände.
Dennoch: Es handelt sich zunächst lediglich um 80 Wohnungen in den
kommenden drei Jahren. Eigentlich ein Klacks für die kommunalen
Berliner Wohnungsbauer. Umso mehr macht da nachdenklich, dass Degewo,
Gewobag und Co. nicht mit an Bord sind. Man fragt sich: Wenn schon
die öffentlichen Vermieter nicht dabei sind, warum sollten es dann
die privaten sein?

Der vollständige Kommentar: In der Theorie klingt die Idee
hervorragend, die praktische Umsetzung wirft aber Fragen auf: Berlin
will Obdachlose bedingungslos in eigenen Wohnungen unterbringen.
Unabhängig davon, ob sie etwa einen Drogenentzug machen, Maßnahmen
zur Entschuldung ergreifen oder sich in psychologische Behandlung
begeben. Der Ansatz, den Menschen erst ein Dach über dem Kopf zu
bieten, damit sie anschließend freiwillig entscheiden, welche Hilfen
sie in Anspruch nehmen, ist gut. Die zentrale Frage aber bleibt
ungeklärt: Woher sollen die Wohnungen kommen? Die sozialen Träger,
die das Pilotprojekt des Senats umsetzen, bauen auf private
Vermieter, wollen etwa unter Mitgliedern von Kirchengemeinden dafür
werben. Zweifel über die Regelmäßigkeit von Mietzahlungen werden
dabei das geringste Problem sein, die Kosten übernehmen die
Jobcenter. Fraglich ist aber, ob Hausbesitzer ein grundsätzliches
Interesse daran haben, Menschen von der Straße in ihre Wohnungen
einziehen zu lassen. Zu groß ist die Nachfrage auf dem Wohnungsmarkt,
zu leicht können sich Vermieter ihre Mieter aussuchen. Schon
Studenten wirken dabei auf manchen zu unzuverlässig, sodass der
Zuschlag lieber einem jungen Paar gegeben wird. Obdachlose werden
kaum bessere Chancen haben. Aufhorchen lassen sollte auch, dass die
städtischen Wohnungsbaugesellschaften nicht mitmachen wollen.
Sicherlich, auch dort stehen Tausende Schlange für eigene vier Wände.
Dennoch: Es handelt sich zunächst lediglich um 80 Wohnungen in den
kommenden drei Jahren. Eigentlich ein Klacks für die kommunalen
Berliner Wohnungsbauer. Umso mehr macht da nachdenklich, dass Degewo,
Gewobag und Co. nicht mit an Bord sind. Man fragt sich: Wenn schon
die öffentlichen Vermieter nicht dabei sind, warum sollten es dann
die privaten sein?

Pressekontakt:
BERLINER MORGENPOST

Telefon: 030/887277 – 878
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