CARE zur Lage im Jemen: „Die Menschheit versagt“ Aktueller Bericht sieht 20 Millionen Menschen von Hunger bedroht / CARE unterstützt monatlich eine Million Notleidende

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„Es gibt eine einfache Definition von Hunger: Sie
heißt Versagen. Wenn hunderttausende Menschen vom Hungertod bedroht
sind, hat die Menschheit versagt.“ So kommentiert
CARE-Generalsekretär Karl-Otto Zentel den heute veröffentlichten
Bericht über die Hungersituation im Jemen.

Nach der sogenannten Integrated Food Security Phase Classification
(IPC) leiden 240.000 Menschen in dem Bürgerkriegsland so akut Hunger,
dass sie unter die Phase 5 der Klassifizierung fallen. Zur
offiziellen Ausrufung einer landesweiten Hungersnot müsste diese Zahl
bei rund 20 Prozent der Bevölkerung liegen. Dennoch spricht der
Bericht deutliche Worte: Drei Viertel der Bevölkerung, also rund 20
Millionen Menschen, fallen in die dritte und vierte Kategorie und
sind deshalb ebenso dringend auf Hilfe angewiesen.

„Die Klassifizierung in fünf Phasen von Hunger ist wichtig, denn
sie hilft humanitären Organisationen dabei, mit knappen Mitteln
Prioritäten zu setzen. Dennoch dürfen wir uns nichts vormachen: Auch
die 20 Millionen Menschen, die derzeit –noch– in die dritte oder
vierte Phase fallen, leiden unermessliche Not und brauchen jetzt
Hilfe“, mahnt Zentel. Darunter seien 1,1 Millionen schwangere oder
stillende Frauen sowie 1,8 Millionen Kinder, die akut mangelernährt
sind.

Die Regionen Hodeida und Sa–ada treffen die meisten Luftangriffe
und Bodenoffensiven, und hier ist auch die höchste Stufe des Hungers,
Phase 5, festgestellt worden. Der Krieg ist Haupttreiber des Hungers,
das ist offensichtlich“, erklärt Zentel weiter. „Es besteht auch kein
Zweifel daran, dass ohne unsere Hilfe noch viel mehr Menschen hungern
und sterben würden. Alle vor Ort tätigen Hilfsorganisationen erfüllen
unter Lebensgefahr und größten logistischen Schwierigkeiten täglich
ihre humanitäre Pflicht. CARE unterstützt derzeit eine Million
Menschen im Monat. Mit mehr finanziellen Mitteln könnten wir noch
mehr Menschen helfen“, betont der CARE-Generalsekretär.

Anfang dieser Woche veröffentlichten die Vereinten Nationen den
voraussichtlichen Hilfsbedarf für den Jemen im kommenden Jahr. Mit
vier Milliarden US-Dollar ist es der höchste finanzielle Bedarf, der
jemals für ein einzelnes Land ausgerufen wurde. Doch Zentel warnt:
„Wir dürfen nicht vergessen, dass humanitäre Hilfe immer nur eine
kurzfristige Linderung ist. Der einzige Weg, den Hunger und das
Leiden der Menschen im Jemen zu beenden, ist Frieden. Wir rufen die
Konfliktparteien deshalb dazu auf, sich ihrer Verantwortung für die
Bevölkerung zu stellen und die sich aktuell abzeichnenden Gespräche
in Schweden dazu zu nutzen, als ersten Schritt eine sofortige
Waffenruhe zu vereinbaren.“

Hintergrund: Die Hungersnot ist die letzte und damit schwerste
Stufe auf einer fünfstufigen Skala der sogenannten „Integrated Food
Security Phase Classification (IPC). Offiziell erklärt werden kann
eine Hungersnot nur von den Vereinten Nationen oder der jeweiligen
Landesregierung.

Folgende Kriterien beschreiben eine Hungersnot:

– Die Unterernährungsrate bei Kindern liegt höher als 30 Prozent.
– Jeden Tag sterben mehr als zwei von 10.000 Menschen an
Unterernährung.
– Mindestens jedem fünften Haushalt fehlen nahezu alle
Lebensmittel.

Pressekontakt:
Rückfragen bitte an:
CARE Deutschland e.V.
Sabine Wilke
Telefon: 0228 / 97563 46
Mobil: 0151 / 147 805 98
E-Mail: wilke@care.de

Original-Content von: CARE Deutschland-Luxemburg e.V., übermittelt durch news aktuell

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