Deutsche Umwelthilfe fordert Abgabe gegen Plastiktütenflut

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Pressemitteilung

Umweltorganisation erwartet nach Einführung einer Abgabe von 22
Cent pro Tüte schnellen Rückgang von Plastiktüten. DUH veröffentlicht
Info-Material für Verbraucher

Um die Zahl von mehr als fünf Milliarden Plastiktüten, die in
Deutschland Jahr für Jahr über die Ladentheken gehen, kurzfristig und
effektiv zu verringern, schlägt die Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH)
eine generelle Abgabe auf alle Einwegtragetaschen vor. Der
Bundesgeschäftsführer der Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation,
Jürgen Resch, erläuterte das Abgabenmodell am heutigen Mittwoch in
Berlin. Demnach soll eine Abgabe in Höhe von 22 Cent auf jede
Einwegtragetasche die Kunden motivieren, statt der Wegwerftüten
umweltfreundliche Mehrwegtragetaschen zu nutzen. „Die Einführung
einer Abgabe wird das Aufkommen umweltschädlicher Einwegtragetaschen
radikal reduzieren und den Handel schnell dazu bewegen, dem Kunden
attraktive Mehrwegtragetaschen anzubieten“, so Resch.

Anders als eine materialbasierte Steuer, für die der
Tütenhersteller aufkommt, führt eine verbraucherbezogene direkte
Abgabe pro Tragetasche nach Überzeugung der DUH zu einer sofortigen
Verringerung ihrer Verbreitung. „Rechnet man die von uns
vorgeschlagene Abgabe zu den Preisen bereits kostenpflichtiger
Einwegtragetaschen hinzu, so wird deren Nutzung deutlich abnehmen.
Aber auch bislang kostenlos verteilte Plastiktüten werden weniger
nachgefragt werden“, sagt der DUH-Bereichsleiter für
Kreislaufwirtschaft Thomas Fischer. Erfahrungswerte aus Irland zeigen
wie effektiv eine Abgabe wirken kann. Auf der Grünen Insel führte die
Einführung einer Plastiktüten-Abgabe von 22 Cent zu einer Reduktion
des Plastiktütenverbrauches von 328 auf 8 Stück pro Kopf und Jahr.

Rechtlich kann eine Abgabe auf Einwegtragetaschen entweder
bundesweit oder auch auf Länderebene eingeführt werden. Insbesondere
in Ballungsräumen wie Berlin, wo der Plastiktütenkonsum besonders
hoch ist, sind nach Erwartung der DUH schon bei 22 Cent pro Tüte
schnelle Reduktionserfolge zu erwarten. Die Einführung über
Vorreiter-Bundesländer ist eine realistische Option, weil die
schwarz-gelbe Bundesregierung eine bundesweite Plastiktüten-Abgabe
derzeit ablehnt. Ein striktes Plastiktütenverbot fällt als
Alternative zur Abgabe aus, weil sie gegen die Verpackungsrichtlinie
der EU verstoßen würde.

Des Weiteren verwies die DUH darauf, dass die Abgabe von Anfang an
auf alle Wegwerftüten angewendet werden sollte, weil andernfalls ein
Ausweichen des Handels etwa auf Papiertüten programmiert sei, die
zwar andere, aber kaum geringere Umweltfolgen hätten als
Plastiktüten. Die DUH schlägt vor, die nach allen Erwartungen
einerseits erheblichen aber auch rasch schrumpfenden Einnahmen aus
der Abgabe den Naturschutzstiftungen der Länder zukommen zu lassen.

Eine Plastiktüten-Abgabe müsse zudem von einer Aufklärungskampagne
begleitet werden, die den Bürgerinnen und Bürgern Sinn und Zweck
einer solchen Maßnahme überzeugend plausibel mache. Anders seien
Akzeptanz und nachhaltige Verhaltensänderungen nicht zu haben. Im
Rahmen des von der Stiftung Naturschutz Berlin (SNB) geförderten
Projektes „Einweg-Plastik kommt nicht in die Tüte“ hat die DUH
deshalb ausführliche Informationsmaterialien veröffentlicht, die
unter anderem Tipps über Alternativen zur Plastiktüte enthalten. Wer
sich einen schnellen Überblick über die Umweltwirkung handelsüblicher
Tüten und Tragetaschen verschaffen will, kann die Informationen im
Internet unter www.kommtnichtindietuete.de abrufen und kostenfrei
auch als Druckvorlage nutzen.

Hintergrund

In einer Reihe anderer Länder wurden als Alternativen zu einer
verbraucherbezogenen Abgabe materialbasierte Steuern, Verbote und
freiwillige Maßnahmen zur Verringerung des Plastiktütenkonsums
eingeführt. In Los Angeles, Ruanda, Tansania, Bangladesch oder
Italien sind Plastiktüten aus konventionellem Kunststoff entweder
generell oder nur in Supermärkten verboten. Das Reduktionspotenzial
eines Verbots ist hoch, allerdings zeigen die Erfahrungen auch, dass
der Kontrollaufwand zur Einhaltung aufwendig ist und Plastiktüten
auch weiterhin „unter der Ladentheke“ herausgegeben werden. Die
häufige Ausnahme biologisch abbaubarer Plastiktüten aus
Verbotsregelungen führt zu keinem geringeren Tütenverbrauch. Zudem
bauen sich diese Tüten unter natürlichen Bedingungen ähnlich langsam
ab wie Plastiktüten aus herkömmlichem Kunststoff. Ein Verbot
innerhalb eines EU-Mitgliedstaates ist aus juristischen Gründen
derzeit nicht möglich.

In Dänemark führte eine materialbasierte Plastiktütensteuer, die
von den Tütenherstellern aufgebracht werden muss, lediglich zu einer
Verkleinerung und einer Gewichtsreduzierung der Tüten, aber nicht zur
Eindämmung ihrer Zahl. Freiwillige Initiativen des Handels, wie das
WRAP-Programm (Waste & Resources Action Programme) in Großbritannien,
haben zu einem Rückgang des Plastiktütenverbrauches geführt.
Allerdings fällt der Rückgang des Tütenkonsums durch die Information
von Kunden und die Schulung von Handelsmitarbeitern deutlich geringer
aus, als im Vergleich zu einer Abgabe oder einem Verbot. Die
verbraucherbezogene Abgabe auf jede in Irland verkaufte Plastiktüte
ist das bislang erfolgreichste Modell zur raschen Reduzierung des
Plastiktütenkonsums.

Pressekontakt:
Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer
Mobil: 0171 3649170, E-Mail: resch@duh.de

Thomas Fischer, Leiter Kreislaufwirtschaft
Tel.: 030 2400867-43, Mobil: 0151 18256692, E-Mail: fischer@duh.de

Dr. Gerd Rosenkranz, Leiter Politik & Presse
Tel.: 030 2400867-0, Mobil: 0171 5660577, E-Mail: rosenkranz@duh.de

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