Deutsches Kinderhilfswerk: Umfrage zeigt deutliche Defizite bei der Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland

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Eine aktuelle Umfrage im Auftrag des Deutschen
Kinderhilfswerkes zur UN-Kinderrechtskonvention zeigt an vielen
Stellen Umsetzungsdefizite konkreter Kinderrechte in verschiedenen
lebensweltlichen Bereichen von Kindern und Jugendlichen in
Deutschland. So sagen nur 19 Prozent der Kinder und Jugendlichen und
23 Prozent der Eltern, dass sie sich mit den in der
UN-Kinderrechtskonvention festgeschriebenen Kinderrechten „ganz gut
auskennen“. Nur 2 Prozent der Kinder und Jugendlichen werden bei
kommunalen Angelegenheiten häufig nach ihrer Meinung gefragt, 13
Prozent gelegentlich. 39 Prozent der Kinder und Jugendlichen gaben
an, dass es in ihrer Schule einen Internetzugang für alle
Schülerinnen und Schüler gibt, bei weiteren 21 Prozent einen für
bestimmte Altersgruppen. Im Unterricht spielen wichtige Themen in
Bezug auf digitale Medien, wie Mobbing im Internet (58 Prozent),
Urheberrechte (56 Prozent), Datenschutz (55 Prozent) oder
Cyber-Grooming (51 Prozent) nur in gut der Hälfte der Klassenzimmer
eine Rolle.

Nur ein geringer Teil der Kinder und Jugendlichen nutzt häufig
Spielplätze (6 Prozent), Parks und öffentliche Grünanlagen (12
Prozent), Jugendzentren und Jugendclubs (5 Prozent) oder Sportanlagen
(31 Prozent). Hier gibt es allerdings sehr starke
Altersdifferenzierungen, außerdem nutzt ein Teil der Befragten diese
Angebote zumindest gelegentlich. Als häufigsten Grund für die
Nichtnutzung gaben die Befragten an, dass es kein passendes Angebot
für ihr Alter gibt oder ihnen das Angebot nicht gefällt. Eltern sehen
die Qualität von Spielplätzen eher positiv, insbesondere wenn es um
die leichte und sichere Erreichbarkeit geht. Gleichzeitig hält nur
eine knappe Mehrheit (58 Prozent) die Spielplätze für sauber, und nur
49 Prozent sind der Auffassung, dass die Spielplätze vielfältig und
anregend gestaltet sind.

Diese zentralen Ergebnisse der aktuellen Umfrage des
Politikforschungsinstituts Kantar Public stellte der Präsident des
Deutschen Kinderhilfswerkes, Thomas Krüger, gemeinsam mit Anne
Lütkes, Vizepräsidentin des Deutschen Kinderhilfswerkes und Leiterin
des Wissenschaftlichen Beirates zum Kinderrechte-Index des Deutschen
Kinderhilfswerkes, heute in Berlin vor. Die Daten wurden für die
Pilotstudie „Kinderrechte-Index“ erhoben, die das Deutsche
Kinderhilfswerk im Herbst dieses Jahres vorstellen wird. Bei dieser
Studie wird der Stand der Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in
verschiedenen Lebensbereichen von Kindern und den damit verbundenen
Politikfeldern in den deutschen Bundesländern gemessen und evaluiert.

„Auch wenn wir bei der Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention an
einigen Stellen in den letzten Jahren Fortschritte erzielt haben,
müssen wir in der Gesamtschau feststellen, dass die deutsche
Gesellschaft Kinderinteressen anhaltend ausblendet und verdrängt.
Bisher ist es nicht gelungen, die in der UN-Kinderrechtskonvention
normierte Vorrangstellung des Kindeswohls als Leitziel allen
staatlichen und privaten Handelns zu etablieren. An diesem Ziel
müssen wir uns aber als eine der reichsten Industrienationen der Welt
messen lassen. Deshalb sollten wir unsere Anstrengungen
intensivieren, damit Deutschland zukünftig seinen kinderrechtlichen
Verpflichtungen vollständig nachkommt“, betont Thomas Krüger,
Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes.

„Systematische Datenerhebungen sind ein wichtiger Baustein, um die
Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland zu bewerten.
Dies hat auch der UN-Kinderrechteausschuss mehrmals in seinen
Empfehlungen an Deutschland angemerkt. Im Pilotprojekt
Kinderrechte-Index werden aussagekräftige, wissenschaftlich fundierte
Kinderrechte-Indikatoren zu verschiedenen Themenbereichen der
UN-Kinderrechtskonvention entwickelt und für ihre Bewertung relevante
Daten und Studienergebnisse zusammengetragen. Der Kinderrechte-Index
soll langfristig die Entwicklung der Umsetzung der Kinderrechte in
den einzelnen Bundesländern messen“, sagt Anne Lütkes,
Vizepräsidentin des Deutschen Kinderhilfswerkes und Leiterin des
Wissenschaftlichen Beirates zum Kinderrechte-Index des Deutschen
Kinderhilfswerkes.

Die Charts mit den Ergebnissen der aktuellen Umfrage für den
Kinderrechte-Index finden sich unter
www.dkhw.de/umfrage-kinderrechte2018 sowie eine Zusammenfassung unter
www.dkhw.de/zusammenfassung-umfrage-kinderrechte2018.

Für die aktuelle Umfrage des Deutschen Kinderhilfswerkes zum
Kinderrechte-Index wurden vom Politikforschungsinstitut Kantar Public
deutschlandweit 3.182 Personen befragt: 1.591 Kinder und Jugendliche
(10 bis 17 Jahre) und 1.591 Eltern/Erziehungsberechtigte (ab 18
Jahre). Die Befragungen wurden online unter Nutzung eines
Access-Panels durchgeführt. Manche Fragen wurden Kindern und
Jugendlichen sowie Erwachsenen gleichermaßen gestellt, allerdings
wurde den Kindern und Jugendlichen ein Fragebogen mit Formulierungen
vorgelegt, die der Altersgruppe angepasst worden waren. Die
Schwankungsbreite der Gesamtergebnisse in den beiden Umfragen liegt
mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit bei unter 1,1 (bei einem
Anteilswert von 5 Prozent) bzw. unter 2,5 Prozentpunkten (bei einem
Anteilswert von 50 Prozent).

Weitere Informationen und Rückfragen:
Uwe Kamp, Pressesprecher
Telefon: 030-308693-11
Mobil: 0160-6373155
Fax: 030-308693-93
Mail: presse@dkhw.de
Internet: www.dkhw.de und www.facebook.com/dkhw.de
Twitter: @DKHW_de

Original-Content von: Deutsches Kinderhilfswerk e.V., übermittelt durch news aktuell

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