Er schmuggelt die Friedensnobelpreisträgerin aus Mossul heraus – Im stern sagt Omar Abdal-Dschabbar: „Ich wäre gern der erste, der Nadia Murad gratuliert“

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„Es fühlt sich an, als hätte auch ich den Preis
gewonnen“, sagt der 29 Jahre alte Iraker Omar Abdal-Dschabbar im
Gespräch mit dem Hamburger Magazin stern. Abdal-Dschabbar hat die
jesidische Menschenrechtsaktivistin Nadia Murad, 25, die am kommenden
Montag in Oslo mit dem Friedensnobelpreis geehrt wird, vor vier
Jahren aus der damals vom „Islamischen Staat“ beherrschten Stadt
Mossul im Nord-Irak herausgeschmuggelt und ihr damit das Leben
gerettet. Weil seine Hilfe für Murad bekannt wurde, musste
Abdal-Dschabbar kurz darauf selbst aus dem Irak fliehen. Heute lebt
er in der sächsischen Kleinstadt Torgau. Zur Preisverleihung an Nadia
Murat ist er nicht eingeladen.

„Er war für mich fast so etwas wie ein Bruder“, schreibt Murad in
ihrer 2017 erschienenen Autobiografie über Abdal-Dschabbar. Nachdem
sie ihren IS-Peinigern entwischt war, die sie aus ihrem Dorf entführt
und monatelang als Sexsklavin missbraucht hatten, hatte sie sich
hilfesuchend an seine Familie gewandt. Wenig später hatte
Abdal-Dschabbar sie mithilfe eines gefälschten Ausweises, der Murad
als seine Frau ausgab, durch die Kontrollposten des IS hindurch in
Sicherheit gebracht. Im Jahr 2015 war Murad mit einem humanitären
Sonderkontingent des Landes Baden-Württemberg nach Deutschland
gekommen und hatte in der Folge eine weltweite Kampagne für die
Überlebenden von Menschenhandel und sexueller Gewalt gestartet.

Omar Abdal-Dschabbar und seine Familie leiden bis heute unter den
Folgen der Rettungsaktion für Murad. Am Tag nach seiner Rückkehr
entging er nur knapp der Verhaftung durch den IS. Gemeinsam mit
seiner schwangeren Frau und einem Sohn im Säuglingsalter entkam
Abdal-Dschabbar im Inneren eines leeren Tanklasters in die Türkei.
Aus Geldnot und weil die Flucht für sie zu strapaziös war, kehrte die
Schwangere mit dem Kind jedoch in den Irak zurück. Abdal-Dschabbar
reiste allein über die Balkanroute weiter bis nach Deutschland und
beantragte Asyl.

Seit mehr als drei Jahren lebt Abdal-Dschabbar von seiner Familie
getrennt. Seinen jüngeren Sohn kennt er nur aus Skype-Telefonaten.
„Am liebsten hätte ich sie längst bei mir in Torgau“, sagt der
29-Jährige. Das Leben von ihm und seiner Familie ist weiter bedroht,
ein Bruder wurde noch vom IS in Mossul ermordet, wie er dem stern
erzählte. Selbst in Deutschland hätten ihn Drohnachrichten des IS
erreicht.

„Ich habe mich sehr für sie gefreut“, sagt Abdal-Dschabbar über
die angekündigte Verleihung des Friedensnobelpreises an Murad. Er
bedauert, dass er ihr bisher nicht persönlich gratulieren konnte.
Seit ihrer Ankunft in Deutschland im Jahr 2015 hätten Murad und er in
regem Telefonkontakt gestanden. „Wir waren wie Geschwister.“ Anfang
2018 sei Murads Handynummer jedoch plötzlich nicht mehr erreichbar
gewesen. Sie habe sich seitdem nicht mehr bei ihm gemeldet.
Abdal-Dschabbar vermutet, das Team von Murads Stiftung „Nadia–s
Initiative“ könnte für den Abbruch des Kontakts verantwortlich sein.
Anfragen des stern an Nadia Murad und ihre Stiftung blieben bis
Redaktionsschluss unbeantwortet.

Diese Vorabmeldung ist nur mit der Quellenangabe stern frei zur
Veröffentlichung.

Pressekontakt:
Sabine Grüngreiff, Gruner + Jahr Unternehmenskommunikation,
Telefon: 040 – 3703 2468, E-Mail: gruengreiff.sabine@guj.de

Original-Content von: Gruner+Jahr, STERN, übermittelt durch news aktuell

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