Es geht nicht um Weihnachten / Beim Kampf gegen Corona und bei dem Lockdown light geht es um viel mehr: Wie lässt sich die Zahl der Verlierer der Pandemie begrenzen? Leitartikel von Christine Schröpf

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Der Lockdown light trifft auf größere Ungeduld als der harte Shutdown im Frühjahr. Die Politik drängt mit der Warnung vor einsamen Weihnachten auf das Einhalten der Corona-Regeln. Tatsächlich geht es um weit mehr: In den Wintermonaten entscheidet sich, wie Deutschland 2021 wirtschaftlich und politisch dasteht und welche Konsequenzen das bei der Bundestagswahl haben wird.

Im Kern steht die Frage, wie viele Verlierer es gibt, bis ein sicherer Impfstoff und bessere Behandlungsmöglichkeiten die Gefahren deutlich verkleinern. Der November 2020 ist eine mühsame Zwischenetappe. Trotz milliardenschwerer Hilfspakete, trotz neuer Finanzspritzen für Gastronomie und Kultur im November fallen gerade Betroffene durchs Raster. Der Hauptgrund ist leider, dass es die perfekte Lösung für alle nicht gibt und Einzelregelungen bei der Fülle der Fälle nicht möglich sind. Doch selbst wenn es anders wäre: Was hilft auf Dauer beim wirtschaftlichen Überleben? Was geschieht 2021, wenn Unternehmen aus vielen Branchen die Luft ausgeht? In welcher Verfassung werden diejenigen sein, die nicht die Kraft haben, ihre Bedürfnisse laut zu artikulieren – wie Senioren in Pflegeheimen, Behinderte und psychisch Kranke?

Der Lockdown light dient dem Zweck, das Virus stärker in Schach zu halten. Er bleibt eine bittere Medizin. Die Maßnahmen basieren auf Corona-Mathematik, die im Zweifel nichts mit Gerechtigkeit zu tun hat: Ziel ist es, Kontakte drastisch zu reduzieren. Da Kitas, Schulen und weite Teile der Wirtschaft am Laufen gehalten werden sollen, Eingriffsmöglichkeiten im Privaten wiederum zu Recht begrenzt sind, treffen Einschnitte all jene Bereiche, die dann noch übrig bleiben.

Es ist doppelt hart, um seine Existenz zu bangen, weil man schlicht nicht höchste Priorität hat. Die Hauptverantwortung dafür liegt aber nicht bei der Politik, sondern bein den viel zu vielen Unvernünftigen, die steigende Corona-Zahlen riskiert haben. Die Folgen der kälteren Jahreszeit kommen nur ergänzend hinzu. Die einfache Rechnung lautet: Wenn sich alle an simpelste Vorsichtsregeln gehalten hätten, hätte es den Lockdown light nicht gebraucht. Auch die unbestritten starken Grundrechtseingriffe wären größtenteils vermieden worden.

Diese Botschaft richtet sich auch an jenen Teil der “Querdenker”, die bei Demonstrationen ohne Maske und Abstand auflaufen und in Kauf nehmen, sich und andere zu infizieren. Sie bürden die Konsequenzen bewusst oder gedankenlos Anderen auf – etwa den Krankenschwestern und Krankenpflegern auf Intensivstationen.

Querdenken: Das ist ohnehin ein angreifbarer Begriff. Denken genügt, da es im echten Sinn immer das Abwägen gegensätzlicher Argumente umfasst. Auf Demonstrationen versammeln sich also korrekterweise einfach mal mehr, mal weniger tief Denkende, bei denen die Skepsis an der Corona-Politik gemeinsamer Nenner ist. Ein vielschichtiger Kreis. Er umfasst aktuell rund 25 Prozent der Bürger. Protesttermine wie am Wochenende in Regensburg sind vor diesem Hintergrund gut. Sie machen sichtbar, dass nicht nur Verschwörungstheoretiker und Ultrarechte zu hadern beginnen.

Die Krux ist: Der Lockdown light hat die Zahlen bisher bestenfalls leicht stabilisiert. Kaum vorstellbar, dass es schon im Dezember deutliche Lockerungen geben könnte – höchstens vielleicht eine Art Weihnachtsamnestie mit ausgeweiteten Optionen. Es bleibt aber dabei: Es geht um viel mehr als die Rettung des Weihnachtsfests. Der 24. Dezember ist trotzdem nicht Nichts. Es geht um ein Fest des Glaubens und der großen Gefühle, dass dieses Jahr klugerweise anders stattfinden muss. Ein stundenlanges Zusammenrücken in Kirchen oder daheim ist nur für jene eine Lösung, die mit einer Corona-Infektion ins neue Jahr starten wollen. Der Heiligabend ist deshalb nicht abgesagt. Wie es coronasicher geht, wäre eine schöne Aufgabe für Denker jeder Couleur. Sie sollten die Politiker mit guten Vorschlägen überschütten. Waldchristmetten mit viel Abstand sind nur eine Idee. Die Pandemie verlangt höchste Kreativität.

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