Heilbronner Stimme: Unternehmer Reinhold Würth: Wir müssen Europa stärken und neuen Krieg vermeiden

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Europa ist ein Leitthema für den Unternehmer
Reinhold Würth. 100 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs
plädiert der Schraubenmilliardär aus Künzelsau für eine
kompromisslose Stärkung der EU, damit der Kontinent nicht zwischen
Russland, China und den USA zerrieben wird. Und er hat den drängenden
Wunsch, dass bei den Europawahlen europafreundliche Parteien gestärkt
werden – und nennt die Grünen.

Im Interview mit der „Heilbronner Stimme“ (Freitag) sagte der
Unternehmer Reinhold Würth, der auch die Gedenkstätte
Hartmannsweilerkopf finanziell unterstützt: „Wir müssen für unsere
Kinder und Enkel vermeiden, dass es wieder Krieg gibt.“ Er ergänzte:
„Die Bevölkerung hat keine persönliche Erfahrung mehr mit
Kriegsereignissen. Wer einen Krieg mitgemacht hat, der ist mit einem
Faktor zehn mehr daran beteiligt, jeden weiteren zu vermeiden, als
diejenigen, die auch damals mit Hurra in die Schlacht gezogen sind,
als wäre es eine Fußballveranstaltung. Wer Krieg erlebt hat, ist mit
Sicherheit auch offener für die europäische Idee.“

Er tritt deshalb für eine Stärkung Europas ein. Würth: „Dieser
Hype gegen Europa, der durch den ganzen Kontinent geht, ist für mich
eine riesengroße Katastrophe. Ich habe erlebt, dass man für die
Amerikaner Ausweispapiere brauchte, um von Künzelsau nach Ernsbach zu
kommen, wo wir unsere Schrauben gekauft haben. Deswegen ist für mich
das Schengen-Abkommen ein riesiger Schatz, den die Jungen gar nicht
mehr rekapitulieren und reflektieren können. Um den Bürgern diese
Zusammenhänge verständlich zu machen, bedarf es der Aufklärung. Aber
sie müssen auch hinhören, das tun viele gar nicht.“

Würth fügte hinzu: „Man muss den Leuten klarmachen, dass wir in
Deutschland riesige Vorteile haben, weil auch die Südländer im Euro
sind. Wir sind die großen Profiteure des Euro. Wenn wir Griechenland,
Spanien oder Italien im Rahmen eines Länderfinanzausgleichs
unterstützen, ist das nur recht und billig.“ Und: „Die Menschen
müssen begreifen: Wenn wir keine zentrale Außenpolitik und keine
Zentralregierung schaffen, dann werden wir zwischen China, Russland
und den USA zermahlen.“

Für gefährlich hält der 83-Jährige Stimmungsmache in sozialen
Medien. Würth: „Sie wissen, dass ich kein großer Freund von Frau
Merkel bin, aber als sie gesagt hat, wir schaffen das…. Wir haben
es geschafft. Viele, die über das Flüchtlingsproblem reden, haben nie
einen Flüchtling gesehen. Die große Veränderung hat das Internet
gebracht – mit Twitter und Instagram. Damit können die Leute
innerhalb zwei Stunden eine Demonstration organisieren, da kommen
20.000 Leute zusammen. Das halte ich für sehr gefährlich.“

Bezüglich der anstehenden Europawahlen sagte der Unternehmer: „Man
muss so viel wie möglich für die EU werben. Und unbedingt sehen, dass
bei der Europawahl nächstes Jahr Parteien rankommen, die Europa
voranbringen wollen.“ Speziell hebt er in diesem Zusammenhang die
Grünen hervor: „Wenn ich mir unser Parteienspektrum anschaue – die
große Partei würde ich nicht wählen können: Die ist so eurozögerlich.
Das ist bei den Grünen ganz anders. Die sind kompromisslos
europafreundlich. Und Kretschmann, der ist nicht nur ein toller
Landesvater, sondern ein weitsichtiger Europapolitiker.“

Über die nähere Zukunft seines Unternehmens sagte er: „Wir werden
sehen, wie alles weitergeht. Dieses Jahr fahren wir nochmal einen
Umsatz- und Gewinnrekord ein. Fürs nächste Jahr bin ich nicht so
zuversichtlich. Nach jedem Hype kommt der Abschwung. Ich habe schon
öfter erlebt, dass das Klima innerhalb von zwei oder drei Wochen
umschlägt. Wenn das passiert und die Arbeitslosigkeit steigt, bekommt
die AfD zusätzlichen Auftrieb.“

Auf die Frage – Und persönlich, wie blicken Sie da in die Zukunft?
– antwortete Würth: „Recht nüchtern. Wenn Sie fast 84 Jahre alt sind,
ist es logisch, dass da nicht mehr so viel kommen kann. Im Moment
fühle ich mich wie 20, 30, 40. Aber ich bin mir bewusst, dass sich
das jeden Tag ändern kann. Ich hoffe, dass ich das Ding in Würde voll
überstehe.“

Info: Reinhold Würth wurde 1935 in Öhringen geboren. Sein Vater
Adolf gründete 1945 in Künzelsau eine Schraubenhandlung, aus der
Reinhold Würth einen Konzern mit 12,7 Milliarden Euro Umsatz und
76.000 Mitarbeitern geformt hat. Reinhold (83) und Carmen (81) Würth
haben drei Kinder, sechs Enkelkinder und eine Urenkeltochter.

Pressekontakt:
Heilbronner Stimme
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politik@stimme.de

Original-Content von: Heilbronner Stimme, übermittelt durch news aktuell

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