LVZ: Theologe Schorlemmer gegen Papst-Rede im Bundestag: „Papst, der nicht mit Kritikern redet, ist kein großer Brückenbauer“

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Leipzig. Der evangelische Theologe Friedrich
Schorlemmer lehnt den geplanten Auftritt des Papstes im Bundestag
entschieden ab. „Der Plenarsaal ist nicht der Ort für den Papst. Dort
wird debattiert und nicht dekretiert. Hier gilt nicht: Rom hat
geredet, die Debatte ist zu Ende“, sagte Schorlemmer der „Leipziger
Volkszeitung“ (Dienstag-Ausgabe). Er wolle zwar nicht ausschließen,
dass Benedikt XVI. etwas zu sagen habe und dass die Weltkirche diese
Chance nicht verschenkt. „Aber ein Papst, der nicht mit seinen
Kritikern redet, wenn er nach Deutschland kommt, der versäumt es, der
Pontifex Maximus, der große Brückenbauer zu sein.“

Zugleich äußerte der Wittenberger Theologe kurz vor dem
Deutschland-Besuch des Papstes die Hoffnung auf mehr ökumenische
Signale. „Ich denke, dass er in seinem Gepäck nicht nur herrliche
Gewänder für eine barocke Fernsehinszenierung hat und angetrocknete
Dogmen mitbringt. Ich hoffe darauf, dass er vielleicht auch eine Idee
im Gepäck hat, wie die Einheit der Kirche in versöhnter
Verschiedenheit gelingen kann“, sagte Schorlemmer. Es gehe bei aller
Kritik am Papsttum und der katholischen Kirche nicht um eine
Abneigung gegenüber katholischen Christen. „Uns eint weit mehr, als
uns trennt. In Rom gibt es Leute, die dies beargwöhnen. Aber: die
Freiheit der Christen beider Konfessionen ist auf Dauer stärker als
die Verbote aus Rom.“ Er selbst wolle keineswegs seinen
„persönlichen Respekt dem Bischof von Rom verweigern“.

Bislang allerdings seien ihm die ökumenischen Signale Benedikts zu
schwach. Auch der Besuch des Papstes im Augustinerkloster in Erfurt
und der Aussprache mit führenden deutschen Protestanten seien
allenfalls ein Symbol. „Trippelschritte sind noch keine Schritte. 35
Minuten Gespräch sind wenig, zumal es danach keine Erklärung geben
soll. Es wird an einem protestantischen Traditionsort geredet, ohne
dass es danach der Rede wert sein soll“, kritisierte Schorlemmer.
Dabei dränge vieles. „Wenn wir eucharistische Gastbereitschaft
wollen, dann fordern wir doch keine dogmatischen Revisionen, sondern
setzten Christen in die Freiheit ihrer eigenen Entscheidung, die
Einladung des jeweils anderen anzunehmen. Das Abendmahl kommt aus der
offenen Tischgemeinschaft Jesu und nicht aus der priesterlichen
Verwaltung.“

Ein starkes ökumenisches Zeichen des Papstes wäre es vielmehr, den
Kirchenbann über Luther nach fast 500 Jahren aufzuheben. „Dieser
Schritt ist überfällig. Mit der Bannaufhebung würde deutlich werden,
dass Luther ja keine Kirchenspaltung wollte. Er wollte Reformen und
die stehen uns immer an, Katholiken und Protestanten.“ So wäre es
auch eine Würdigung des Reformators gewesen, wenn Benedikt XVI. auf
seiner Deutschland-Reise die Wartburg besucht hätte. „Er hätte dort
Luthers Konzentration auf die Bibel würdigen können, das verbindet
uns doch. Wenn er dort gesagt hätte, dies sei ein Geschenk eines
Zwangsversteckten gewesen, das Evangelium der Freiheit allen in einer
wunderbaren Sprache nahe zu bringen. Mehr hätte es gar nicht
gebraucht. Warum kann nicht auch mal ein Papst Luther würdigen, so
wie ich als Protestant Papst Johannes XXIII. würdige?“, so
Schorlemmer.

Pressekontakt:
Leipziger Volkszeitung
Redaktion

Telefon: 0341/218 11558

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