Mindener Tageblatt: Kommentar zum Demografie-Gipfel im Kanzleramt:/ Von Konzepten weit entfernt

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„Demografischer Wandel“ – das hört sich irgendwie
nach Soziologen-Chinesisch an, Politsprech, Expertenkram halt. Die
Welt hat sich doch schon immer geändert, der Bevölkerungsaufbau eben
auch – so mögen viele denken und das Thema als für sie irrelevant
abtun. Doch die gesellschaftliche Realität hinter diesem Fachbegriff
ist längst nicht mehr nur eine theoretische, in ferner Zukunft zu
befürchtende – sondern eine, die inzwischen längst da ist. Ihre
Folgen, vor denen Bevölkerungsexperten schon vor Jahrzehnten gewarnt
haben, können bereits überall besichtigt werden: auf den Dörfern und
in den Städten, in den Krankenhäusern und Altenpflegeheimen, in den
Unternehmen und Verwaltungen, in den Kindergärten, Schulen und
Universitäten, in den Vereinen, Parteien, Kirchen und Gewerkschaften.
Diese Folgen werden, verstärkt durch technischen, sozialen und
kulturellen Wandel, das Zusammenleben der Menschen und Generationen
in den kommenden Jahren und Jahrzehnten nachhaltig verändern. Unsere
Gesellschaft wird älter, es wachsen zudem weniger Junge nach. Das
hört sich unspektakulär an, hat aber gravierende Folgen nicht allein
für die sozialen Sicherungssysteme, sondern für nahezu alle
Lebensbereiche. Die Politik hat das Thema lange verschlafen. Nun
jagen sich plötzlich die Demografie-Gipfel. Von schlüssigen Konzepten
allerdings ist man weit entfernt, allenfalls erste Ansätze sind hier
und da zu erkennen – oft widersprüchliche. Dass vermehrte Zuwanderung
(am besten ausschließlich durch hochqualifizierte Fachkräfte)
ausreichen könnte, die Probleme zu lösen, ist schon jetzt als
Illusion erkannt. Abgesehen davon, dass diese Zuwanderer erst mal
kommen wollen müssten. Man wird nicht umhin kommen, sich dem Problem
auf allen Ebenen zu stellen. Das wird viel Arbeit, Mühe und
Gehirnschmalz kosten, jedenfalls mehr als den einen oder anderen
„Gipfel“. Es wird aber auch die Erkenntnis bringen, dass der Wandel
nicht nur Bedrohungen birgt, sondern auch Chancen. Wenn man ihn denn
mit Grips managt.

Pressekontakt:
Mindener Tageblatt
Christoph Pepper
Telefon: (0571) 882-/-248
chp@mt-online.de

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