Ministerin Otte-Kinast: Beenden Sie Lebendtierexporte in Drittstaaten!

Abgelegt unter: Bundesregierung |





Die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt
fordert in einem gemeinsamen offenen Brief mit neun weiteren
Verbänden einen sofortigen Stopp der Schlacht- und
Zuchttiertransporte in außereuropäische Drittstaaten.

Angesichts gravierender Tierschutzverstöße bei Lebendtierexporten
besteht dringender Handlungsbedarf. Mehrere Bundesländer haben
bereits einen vorläufigen Stopp der Transporte in Drittstaaten
erlassen: Verboten sind einige Länder des nahen Ostens sowie die
Türkei.

Jedoch laufen die verhängten Stopps Gefahr, untergraben zu werden:
In zwei Fällen haben Gerichte entschieden, dass die Tiere trotz
Verbot vorerst abgefertigt und zu Sammelstellen nach Niedersachsen
geschickt werden müssen. In diesen Fällen müssen niedersächsische
Veterinäre entscheiden, ob sie die Rinder nach Algerien bzw. Marokko
abfertigen. In den Zielländern droht den Tieren nach dem strapaziösen
Langstreckentransport früher oder später ein grausamer Tod, der in
keinster Weise mit dem europäischen Tierschutzstandard vereinbar ist.

Acht Tierschutz- und zwei Tierärzteorganisationen fordern die
Niedersächsische Landwirtschaftsministerin auf, im eigenen Bundesland
Rechtssicherheit zu schaffen, und ihrerseits einen Exportstopp für
Tiere in Drittstaaten außerhalb Europas zu erlassen.

Den gemeinsamen offenen Brief an Ministerin Otte-Kinast finden Sie
hier: http://ots.de/zHnWA1

Dazu Marietheres Reinke, Tierärztin und Leiterin des Fachbereichs
Tiere und Tierschutz bei der Albert Schweitzer Stiftung: »Die langen
Tiertransporte in Drittstaaten stellen eine erhebliche und unnötige
Belastung für die Tiere dar. Sie leiden durch lange Wartezeiten,
extreme Hitze und eine unzureichende Versorgung. In den Zielländern
werden sie oft auf tierquälerische Weise geschlachtet. Einzig ein
sofortiger Exportstopp kann das Leid der Tiere umgehend beenden.«

Jasmin Zöllmer, Referentin für Agrarpolitik bei PROVIEH, erläutert
weiter: »Die meisten Tiere schützen die bisherigen Verbote noch
nicht, weil die Genehmigung für die Fahrt in einem anderen Bundesland
erteilt wird. Niedersachsen muss jetzt schnell handeln, um die
Bestrebungen von Schleswig-Holstein und Hessen, dem Tierschutzgesetz
zu entsprechen, nicht zu untergraben! Wir brauchen außerdem dringend
ein nationales Verbot der Tiertransporte in Drittstaaten, in denen
Tierschutz mit den Füßen getreten wird. Hier ist Bundesministerin
Klöckner gefragt.«

Hintergrund

Zwei Rechtsgutachten haben aufgezeigt, dass sich Amtsveterinäre
der Beihilfe zur Tierquälerei schuldig machen, wenn sie
Tiertransporte in Drittländer genehmigen, die nicht unseren
Tierschutzstandards entsprechen. Einige Veterinärämter in Bayern
weigerten sich daraufhin, Ausfuhrgenehmigungen zu erteilen. Auslöser
war der geplante Transport einer trächtigen Kuh, die rund 5.000
Kilometer weit nach Usbekistan transportiert werden sollte. Mehrere
Bundesländer verhängten daraufhin Ausfuhrstopps in bestimmte
Drittstaaten, darunter Bayern, Schleswig-Holstein und Hessen.
Thüringen plant ebenfalls ein vorläufiges Verbot.

Das Europäische Parlament stimmte im Februar für eine Verbesserung
der Bedingungen von Tiertransporten innerhalb und außerhalb der EU.
Mitglieder des EU-Agrarausschusses forderten das Parlament in einem
Bericht dazu auf, die Transportbedingungen für Tiere zu verbessern,
Kontrollen zu verschärfen und Transporte in Drittstaaten außerhalb
der EU zu unterbinden, wo Transporte zu EU-Bestimmungen nicht möglich
sind. Den Mitgliedstaaten sollen härtere Sanktionen drohen, wenn sie
sich nicht an geltendes EU-Recht halten. Zukünftig sollen
Alternativen wie mobiles Schlachten und der Direktverkauf gefördert
werden.

Große Koalition verweigert Tierschutz

Der Deutsche Bundestag hatte im letzten Jahr die Möglichkeit diese
Transporte zu stoppen. Sowohl die Grünen als auch die FDP wollten in
einem Antrag ein Aussetzen aller Tiertransporte in Drittstaaten
erwirken. Die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt forderte
in einem gemeinsamen offenen Brief an den Bundestag mit acht weiteren
Verbänden einen sofortigen Stopp der Lebendtiertransporte in
Drittstaaten. Doch die große Koalition konnte sich nicht einmal zu
einem Verbot der Schlachttierexporte durchringen. Ein Armutszeugnis
für die große Koalition, die in puncto Tierschutz endlich mal ein
Zeichen setzen sollte.

Über die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt

Albert Schweitzers Ethik der »Ehrfurcht vor dem Leben« schloss
Tiere mit ein. Er engagierte sich für den Tierschutz und lebte in
seinen späteren Jahren vegetarisch. Seiner Maxime verpflichtet sich
die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt und setzt sich seit
dem Jahr 2000 gegen die Massentierhaltung und für die Förderung der
veganen Lebensweise ein. Sie wirkt auf wichtige Akteure aus
Wirtschaft, Gesellschaft und Politik ein, um Tierschutzstandards zu
erhöhen oder das vegane Angebot zu verbessern. Interessierten bietet
sie fundierte Informationen und zeigt Alternativen auf, zum Beispiel
durch die Vegan Taste Week. Mehr erfahren Sie auf
www.albert-schweitzer-stiftung.de sowie auf Facebook und Twitter
(@SchweitzerTiere).

Pressekontakt:
PROVIEH e.V.
Jasmin Zöllmer
Referentin für Agrarpolitik
Tel.: 0176 88471 854
zoellmer@provieh.de

Original-Content von: Albert Schweitzer Stiftung f. u. Mitwelt, übermittelt durch news aktuell

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